Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
09.04.2020

Naturschutz und Tourismus sinnvoll vereinen: Ergebnisse eines grenzüberschreitenden Forschungsprojekts zwischen Bayern und Tschechien

Christine Dötzer
Das Projektkonsortium mit dem Leiter der 'Regionalen Entwicklungsagentur der Region Pilsen' Filip Uhlik (3. v. li.), der HSWT-Wissenschaftlerin Dr. Linda Szücs (5. v. li.) und dem HSWT-Wissenschaftler Peter Blum (4. v. li.). (Foto: Regionale Entwicklungsagentur der Region Pilsen)
Foto aus dem Projektgebiet: im Vordergrund die Ortschaft Ast, im Mittelgrund Waldmünchen, im Hintergrund das Grenzgebirge mit dem Čerchov, dem mit 1042 Metern höchsten Berg des Oberpfälzer Waldes (Foto: Ursula Blum)
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch traditionelles Handwerk aus der Region gezeigt, beispielsweise Klöppeln... (Foto: Regionale Entwicklungsagentur der Region Pilsen)
... und Kostümstickerei. (Foto: Regionale Entwicklungsagentur der Region Pilsen)

Weihenstephan | Mitte März stellten die verschiedenen Projektpartner in Schönsee das 'Grenzüberschreitende Konzept für Naturschutz und Naturerlebnis im Gebiet des böhmischen Waldes und der Oberpfalz' vor, welches sie im Rahmen eines bayerisch-tschechischen INTERREG-Forschungsprojekts gemeinsam entwickelt haben. Ziel war es, Voraussetzungen für eine naturschonende Nutzung sowohl des touristischen als auch des natürlichen Potenzials des Landschaftsschutzgebiets Böhmischer Wald und des angrenzenden Gebiets des Oberpfälzer Waldes zu schaffen. Projektpartner waren die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), die Regionale Entwicklungsagentur der Region Pilsen, die Regierung der Oberpfalz, die Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik sowie die Region Pilsen.

Auf der Abschlussveranstaltung im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) präsentierten die HSWT-Wissenschaftlerin Dr. Linda Szücs und der HSWT-Wissenschaftler Peter Blum zusammen mit den Projektpartnern die Ergebnisse des dreijährigen, EU-geförderten INTERREG-Projekts, dessen Leitung bei Prof. Dr. Markus Reinke, Landschaftsplaner, Landschaftsökologe und HSWT-Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer, gelegen hat. Um die kulinarischen und handwerklichen Besonderheiten des Gebiets zu betonen, gaben im Rahmen der Veranstaltung örtliche Museen sowie Handwerkerinnen und Handwerker Einblick in Fertigkeiten wie Kostümstickerei, Bierbrauen, Spitzenklöppeln und Besenherstellung.

Zusammen für nachhaltigen Tourismus

Ein großer Erfolg des Verbundforschungsprojekts liegt darin, dass die wesentlichen regionalen Akteure im Naturschutz und im Tourismus aus Bayern und Tschechien an einem Tisch zusammenkamen - ein Meilenstein für die Grenzregion. Bayerische und tschechische Seite formulierten ein gemeinsames Leitbild: Statt eines unkontrollierten Ausbaus der touristischen Infrastruktur sollen Instrumente für einen nachhaltigen und naturverträglichen Tourismus im rund 2.500 km² großen Untersuchungsgebiet beidseits der Grenze etabliert werden. Hierzu erarbeiteten die Partner im Rahmen des Projekts ein gemeinsames Bewertungssystem und Kartenwerk zu grenzüberschreitenden bedeutsamen und empfindlichen Landschafts- und Naturräumen. Darüber hinaus entwickelten die Projektbeteiligten Methoden, Definitionen und Lösungsstrategien für nachhaltigen Tourismus in der Region. Damit stellten sie die Weichen für eine naturschonende Entwicklung des Tourismus.

Die Forschungsergebnisse bilden mittel- und langfristig eine solide Grundlage für zukünftige Planungen und Maßnahmen der Kommunen und lokaler Entscheidungsträger. Im Rahmen des Projektes wurden gemeinsame Ideen wie beispielsweise ein grenzüberschreitendes Themen- und Radwanderwegenetz entwickelt. Auch mit der Machbarkeitsstudie zum sogenannten 'Grünen Band', wie das Grenzgebiet entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs auch bezeichnet wird, entstand bereits eine Reihe grenzüberschreitender Umsetzungsideen. Auch hier spielt, neben dem Biotopverbund und der historischen Kulturlandschaft, der naturverträgliche Tourismus eine Rolle. Unter dem Leitbegriff „Grünes Band“ lassen sich die zahlreichen attraktiven Ziele, die die Grenzregion zu bieten hat, noch besser verbinden und bewerben.

Es liegt nun an den Projektbeteiligten, lokalen Entscheidungsträgern, Naturschutzbehörden und -verbänden sowie touristischen Stellen, die gemeinsam erarbeiteten Grundlagen zu nutzen und die entwickelten Instrumente in ihrem Zuständigkeitsbereich umzusetzen. Das CeBB wird als Koordinierungsstelle für die bayerisch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit in regelmäßigen Abständen die Beteiligten an einen Tisch holen.

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