2. Netzwerktreffen des BayWiss-Verbundpromotionskollegs 'Life Sciences und Grüne Technologien' nimmt Digitalisierung in den Lebenswissenschaften in den Fokus

Bild: @pexels-thisisengineering

Die fortschreitende und zukunftsweisende Digitalisierung der Forschung bietet für die Wissenschaft scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten, stellt die Wissenschaftler*innen aber gleichzeitig vor große Herausforderungen. Das Erfassen großer Datenmengen bedeutet Fortschritt, stellt uns aber auch vor zentrale Probleme. Wie können diese Daten sicher, reproduzierbar und übertragbar generiert, als Ressourcen genutzt, ausgewertet und öffentlich verfügbar gemacht werden? Welche Strukturen stehen uns zur Verfügung? Wie "smart" sind smarte Technologien wirklich und welchen Mehrwert bringen Sie den Anwender*innen? Was bedeutet die Digitalisierung für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses?

Diesen Fragen und möglichen Lösungswegen stellten sich Mitte November 65 Teilnehmer*innen beim 2. Netzwerktreffen des BayWiss-Verbundpromotionskollegs 'Life Sciences und Grüne Technologien' im digitalen Zoom-Raum. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) als Sitzhochschule des Verbundkollegs hatte Mitgliedshochschulen des Forschungsverbunds und darüber hinaus alle Interessierte an bayerischen Hochschulen und der Öffentlichkeit eingeladen. Auch externe Gäste und Studierende registrierten sich für das Online-Seminar mit dem Thema 'Digitalisierung in den Lebenswissenschaften - Chancen, Entwicklungen und Herausforderungen'.

Keynote

Nach der Eröffnung durch den Verbundkollegsprecher Prof. Dr. Jörg Ewald (HSWT) spielte Prof Dr. Ralf Ludwig von der LMU München in seiner Keynote besonders auf die "neuen digitalen Möglichkeiten in der Forschung" an und was auf einmal alles gehe. Neue Daten- und Infrastrukturen wie 'Citizen Science', 'Open Science' oder 'Science Communication' bringen neue Herausforderungen, aber auch Erwartungen in Forschung und Lehre. Die Digitalisierung entfalte in allen wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Systemen eine immer größere transformative Wucht und beeinflusse den Menschen, die Gesellschaften und den Planeten zunehmend fundamental und müsse daher gestaltet werden. Citizen Science-Forschung, also das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger in das Sammeln der Daten, wird laut Prof. Ludwig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Entscheidend wird sein, in welcher Form die ausgewerteten Daten visualisiert und das daraus entstehende Knowhow kommuniziert werden. Zwar bringe das im positiven Sinne eine Flut von Publikationen mit sich, aber "die Kreativität, der Diskurs am WhiteBoard in der Kaffeeküche geht verloren", so Ludwig, daher seien Netzwerke besonders wichtig.

Vorstellung von Forschungsprojekten

Dr. Michaela Stegmann, die Koordinatorin des BayWiss-Verbundkollegs 'Life Sciences und Grüne Technologien', gab als Einstieg zu diesem Block einen kurzen Überblick zu den aktuellen Zahlen, Fakten und Entwicklungen. Das Netzwerk umfasst mittlerweile 7 Mitgliedshochschulen, 15 Promovierende und 24 Professor*innen.

In Tandems aus Promovierenden und wissenschaftlichen Betreuer*innen wurden anschließend Forschungsprojekte aus dem Verbundkolleg vorgestellt. Dabei waren folgende drei Projekte besonders im Fokus:

  • Manfred Höld / Prof. Dr. Jörn Stumpenhausen: „Stall 4.0 Integrated Dairy Farming: Was macht die steigende Digitalisierung mit der Landwirtschaft und dem Datenschutz?" Prof. Stumpenhausen holte die Online-Teilnehmenden mit ansprechend gestalteten Folien und den Worten "Ich will euch ein bisschen was über Kühe erzählen" dabei emotional passend ab. Wichtig sei die Definition von Datenmanagement (wer erhält Zugriff, wo werden sie gespeichert und verwaltet?) sowie die Datensicherheit.
  • Cynthia Tobisch / Prof. Dr. Jörg Ewald: „Digitale Tools in Botanik und Vegetationskunde am Beispiel des Promotionsprojektes Vegetation der bayerischen Normallandschaft zwischen Klimawandel und Landnutzungsdruck.“ In dem Projekt geht es um den Aufbau eines digitalen VegetWeb in Europa. Durch Digitalisierung ist die Datenerhebung und -auswertung viel einfacher geworden, vor allem die Zugänglichkeit und Verknüpfung von Informationen.
  • Frank Weiser/ Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein: 'Detektion und Monitoring von Dürreschäden in deutschen Wäldern mit Sentinel-2 Satelliten Daten.' Prof. Beierkuhnlein betonte bsonders, dass eine Verwurzelung am Boden/Gelände extrem wichtig sei, bevor man die Digitalisierung nutzen könne. Es sollte eine Verbindung mit der Feldforschung geben, sonst könnten leicht falsche Rückschlüsse gezogen werden.

Eine spannende Podiumsdiskussion, moderiert durch Dr. Jeanne Rubner vom BR, Redaktionsleitung Wissen und Bildung aktuell, folgte auf die interessanten Vorstellungen der Forschungsprojekte und stellte eine Vertiefung zu den Fragen „Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung“ sowie „Umgang mit großen Datenmengen“ dar.

Den Impuls zum Abschluss gab Anja Busch vom Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Kiel. Ihr Thema war „Management von Forschungsdaten nach FAIR Prinzipien“ (Findable, Accessible, Interchangeable, Reproducible) oder, in Frageform: "Wie können Datenstrukturen einer Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden? Wie ist es mit der Nachnutzung der Daten und wie kann sie sichergestellt werden? Wie können Daten für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen?

Prof. Dr. Markus Reinke, Vizepräsident der HSWT, konnte das virtuelle Nachmittagsseminar als eine sehr gelungene und auf gute Resonanz stoßende Veranstaltung beschließen.

Screenshot von ca. zwei Drittel der Teilnehmer*innen an dem Netzwerktreffen
Screenshot von ca. zwei Drittel der Teilnehmer*innen an dem Netzwerktreffen

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