Fachseminar Pflanzenschutzberatung - Teilnehmende informieren sich zu Schaderregern

  • Datum: 06.10.2022
  • Autor: Thomas Lohrer | Franziska Kohlrausch
Das Foto zeigt ein Gruppenbild von Studierenden der Summer School vor dem Schloß Neuschwanstein. (Foto: HSWT)

70 Teilnehmende, jeweils hälftig in Präsenz bzw. online zugeschaltet, nahmen am "23. Fachseminar Pflanzenschutzberatung" teil. Der Kreis der Besucher des eintägigen Seminars kam aus Deutschland, dem benachbarten Italien (Südtirol), der Schweiz und Österreich. Genutzt wurde das Seminar vorrangig vom Fachpersonal aus dem gartenbaulichen Dienstleistungssektor mit den Schwerpunkten Garten- und Landschaftsbau, Baumschule und Gartencenter. Seitens der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist die Veranstaltung als Fortbildung für die Sachkunde im Pflanzenschutz anerkannt. Die Inhalte der insgesamt sieben Fachvorträge beleuchteten u.a. sowohl Aspekte zu Schaderregern, zum Pflanzenschutzrecht und auch integrierten Pflanzenschutz.

Dr. Christian Magerl, Biologe, Honorarprofessor an der HSWT und langjähriges Mitglied im Bayerischen Landtag, eröffnete die Fachvorträge mit seinem Beitrag "Der stumme Frühling 2.0: Vom Insektensterben zum Vogelsterben?". Das Thema Insektensterben erfuhr durch die 2017 veröffentlichte "Krefelder Studie" eine größere Aufmerksamkeit. Die Studie legte offen, dass über einen Zeitraum von 27 Jahren ein Biomasse-Rückgang der Fluginsekten von 75 % ermittelt wurde. In Deutschland ist darüber hinaus in den letzten zehn Jahren auch ein drastischer Vogelschwund zu beobachten. Im seinem Vortrag erläuterte Christian Magerl nähere Zusammenhänge, ging auf stärker betroffene Arten ein und skizzierte die wichtigsten Gründe für das Vogelsterben. Näher beleuchtet wurden u.a. auch die Pläne und erreichten Erfolge der unterschiedlichsten nationalen und internationalen Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Dr. Olaf Zimmermann, Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), lieferte praxisnahe Informationen und aktuelle Entwicklungen zum Thema „Neue Schaderreger im Gartenbau“. Besprochen wurden zum Beispiel verschiedene Wanzenarten, der Mittelmeernelkenwickler, die Bläulingszikade und der Japankäfer. Zum Abschluss ging Olaf Zimmermann auf eine räuberische Landplanarie (Obama nungara) ein, die sich bevorzugt von Regenwürmern ernährt und aus bodenbiologischer Sicht eine Gefahr darstellen könnte.

Jochen Kreiselmaier, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, referierte zum Thema „Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln: Bewertungsparameter und aktuelle Fakten zur eigenen Meinungsbildung“. Nach einer Einführung zur Frage der Herkunft möglicher Rückstände stellte Jochen Kreiselmaier anschaulich die unterschiedlichen Bewertungsparameter wie z.B. den RHG (Rückstandshöchstgehalt), den ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) und die ARfD (Akute Referenzdosis) vor. Abgerundet wurde der Vortrag mit einem kurzen Blick auf die öffentliche Wahrnehmung zu Pflanzenschutzmittel-Rückständen in Lebensmitteln und einem ausführlichen „Faktencheck“ zur aktuellen Situation und den unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Rückstandsgehalte (u.a. Witterung, Art der aufgetretenen Schädlinge).

Dr. Jürgen Kutscheidt, Sachverständigenbüro für Bäume aus Krefeld, übernahm das Thema „Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen: Realität und Wunschdenken“. In einem ersten Teil wurde die Ekto- und Endomykorrhiza mit ihren jeweiligen Vorteilen für den Baum näher vorgestellt und Beispiele aufgezeigt, welche Baumarten welchen Mykorrhiza-Partner besitzen. Anschließend kamen verschiedene Impfstofftypen, mögliche Ausbringungstechniken als auch erforderliche Anforderungen an Mykorrhiza-Impfstoffe anhand von Praxisversuchen, internationalen Erfahrungen und Vorgaben der Praxis (nach FLL) zur Sprache.

Dr. Arne Peters, e-nema GmbH, brachte die Teilnehmenden mit seinem Vortrag über „Parasitäre Nematoden: Erfolgreiche Partner im biologischen Pflanzenschutz“ auf den aktuellen Wissensstand über die Gruppe der entomophagen Nematoden. Die Vortragsschwerpunkte richteten sich auf Wirkungsweise, Einsatzkriterien sowie der Vorstellung von Verfahren, die gegen die Larven unterschiedlicher Insekten (u.a. Trauermücken, Dickmaulrüssler, Blatthornkäfer) aber auch gegen Schnecken erfolgreich im Einsatz sind.

Saatkrähen sorgen nicht nur im Öffentlichen Grün mit ihren zum Teil größeren Brutkolonien für Aufregung und Unmut, sondern insbesondere auch bei Landwirten, die teils größere Beeinträchtigungen auf ihren Feldern und damit finanzielle Einbußen zu beklagen haben. Nils Teufel betreut an der HSWT ein mehrjähriges Saatkrähen-Projekt und konnte mit seinem Vortrag „Saatkrähen: Biologie - Schadwirkung - Management“ den Zuhörern Informationen und Erkenntnisse aus erster Hand liefern.

Im letzten Vortrag referierte Thomas Lohrer, HSWT, der die Veranstaltung auch organisierte, über „Kompaktes Wissen zum Pflanzenschutzrecht“. Der Vortrag lieferte einen praxisnahen "Rundumschlag" verbunden mit aktuellen Entwicklungen zu den wichtigsten rechtlichen Grundlagen im Pflanzenschutz. Hierzu gehörten u.a. Erläuterungen zum Integrierten Pflanzenschutz, zur Sachkunde, zur Pflanzenquarantäne, dem Kulturbaum-Konzept des BVL und der persönlichen Schutzausrüstung.

Nach einer kurzen Abschlussbesprechung und einem Dank vor allem an alle Beteiligten der Seminarplanung und -durchführung konnte Thomas Lohrer die erstmals in hybrider Form durchgeführte Veranstaltung beenden. Der voraussichtliche Termin für das 24. Fachseminar Pflanzenschutzberatung im nächsten Jahr ist der 28. September 2023.

  • Das Foto zeigt die Studierenden an einem Aussichtspunkt in den Schwangauer Alpen. (Foto: HSWT)
    Thomas Lohrer führte durch die Veranstaltung und erläuterte die wichtigsten Aspekte im Pflanzenschutzrecht
  • Das Foto zeigt die Studierenden bei einem Ausflug zum Königssee im Nationalpark Berchtesgaden. In der Bildmitte ist eine Bootshütte mit einem Anleger zu erkennen. (Foto: HSWT)
    Dr. Christian Magerl lieferte interessante Zusammenhänge und Informationen zum nicht nur in Deutschland nachweisbaren Vogelsterben
  • Das Foto zeigt ein Gruppenbild der Studierenden im Hofgarten Weihenstephan (Foto: HSWT)
    Nils Teufel beleuchtete das Thema seines Projektes an der HSWT „Saatkrähen: Biologie - Schadwirkung - Management“
  • Zum Thema Mykorrhiza referierte Dr. Jürgen Kutscheidt
  • Dr. Olaf Zimmermann gab einen Überblick zu neuen Schaderregern im Gartenbau

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