Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
04.07.2022 | Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie

Weihenstephaner Hochschulforum Gartenbau 2022: Informative Fachtagung und Alumni-Treffen zugleich

Josef Loibl, Dominikus Kittemann | Gerhard Radlmayr
Gruppenbild der Teilnehmer:innen im Foyer des 1. OG im D1-Gebäude (Foto: HSWT)
Begrüßung durch Studiendekan Prof. Dr. Stefan Krusche (Foto: HSWT)
Prof. Dr. Dominikus Kittemann, Gastgeber und fachlicher Organisator des diesjährigen Hochschulforums Gartenbau, moderierte die Veranstaltung (Foto: HSWT)
Katrin Kell, Vorsitzende des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure e.V., überreicht den Ehrenpreis an Martin Nüberlin. (Foto: HSWT)
Ehrenpreisträger Martin Nüberlin bei seinem Festvortrag (Foto: HSWT)
Dr. Wolgang Besener bei seiner Laudatio auf den Ehrenpreisträger (Foto: HSWT)
Fachlicher und persönlicher Austausch in den Pausen (Foto: HSWT)
Gastgeber Prof. Dr. Dominikus Kittemann (2.v.l.) mit den Referenten Manfred Pülm (li.), Dr. Ulrich Mayr (2.v.r.) und Jörg Hilbers (re.) vor dem D1-Gebäude (Foto: HSWT)
Aufmerksames Auditorium im Hörsaal (Foto: HSWT)
Referent Dr. Ulrich Mayr (Foto: HSWT)
Referent Manfred Pülm (Foto: HSWT)
Referent Tim Zahn wurde aus Berlin zugeschaltet (Foto: HSWT)
Referentin PD Dr. Gaby-Fleur Böl (Foto: HSWT)
Blumenschmuck vom Team der Weihenstephaner Gärten (Foto: HSWT)

Weihenstephan – Das Weihenstephaner Hochschulforum Gartenbau der Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) verbindet wissenschaftliche Fortbildung und Austausch mit einem festlichen 'Get together' von Absolvent:innen und HSWT-Angehörigen im Sinne eines weiteren Ausbaus des Alumni-Netzwerks. Am 24. Juni 2022 fand es nun zum 7. Male statt.

Dieses Jahr war das Hochschulforum ganz bewusst auf den Tag nach dem ersten 'Alumni Homecoming Day' aller Weihenstephaner Fakultäten der HSWT gelegt worden, so dass anreisende Gäste die Möglichkeit hatten, alle beiden Alumni-Veranstaltungen zu besuchen. Auch diesmal war die Verleihung des Ehrenpreises des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure e.V. (VEW) für den Bereich Gartenbau in das Tagesprogramm integriert.

Fachvorträge: Gartenbauliche Lebensmittel – Produktion versus gesellschaftliche Erwartungen

Die ökologischen, gesellschaftlichen und klimatischen Herausforderungen der Obst und Gemüse produzierenden Branche standen im Fokus der Fachtagung. Ökonomische und soziale Anforderungen des gartenbaulichen Lebensmittelanbaus müssen in Einklang gebracht werden, regionale Wertschöpfungsketten langfristig aufrechterhalten und weiterentwickelt werden. Prof. Dr. Dominikus Kittemann, der das Fachgebiet Obstbau in Lehre und Forschung an der HSWT vertritt und die HSWT-Versuchsstation für Obstbau Schlachters am Bodensee leitet, zeichnete für das diesjährige Programm verantwortlich und moderierte die Tagung. Zu Beginn gab einen kurzen Einblick in die obstbauliche Forschung an der HSWT.

Jörg Hilbers, Geschäftsführer der Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse, skizzierte in seinem Vortrag die gesellschaftlichen Erwartungen an den Obstbau und zeigte entsprechende Ideen und Strategien für einen nachhaltigen Obstbau auf, auch Möglichkeiten, wie dieser kommuniziert werden kann. 'Ökonomische Nachhaltigkeit' sei in der aktuell sehr schwierigen ökonomischen Situation im deutschen Obstbau besonders wichtig, dabei habe der deutsche Lebensmitteleinzelhandel eine besondere Verantwortung.

Anforderungen an den internationalen Markt mit Tropenobst beleuchtete Manfred Pülm, Quality Lead bei Greenyard Fresh Germany. Er gab einen Überblick zu den Marktanteilen führender Unternehmen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und zeigte die Herausforderungen im Rahmen der zahlreichen Zertifizierungs-Standards auf. Was die sozialen und ökologischen Herausforderungen angehe, sehe er neben vielen positiven Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten jedoch die 'Geiz ist Geil'-Mentalität im deutschen LEH kritisch, vor allem im Zusammenhang mit den sozialen Bedingungen in vielen Herkunftsländern.

Die Leiterin der Abteilung 'Risikokommunikation' am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) PD Dr. Gaby-Fleur Böl gab Einblicke in die Arbeit des Instituts und erläuterte den Ablauf von Risikobewertungen am BfR. Sie führte aus, dass die tatsächlichen Risiken im Bereich Obst und Gemüse z.B. durch Pflanzenschutzrückstände in den letzten Jahrzenten verschwindend gering gewesen wären, die gesellschaftliche Wahrnehmung und mediale Darstellung dazu jedoch häufig im Widerspruch stehe. Unterschätzte natürliche Risiken gebe es in Haushalten vor allem im Bereich von Mykotoxinen und Keimen.

Der stellvertretende Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee (KOB) und Sortenprüfer Dr. Ulrich Mayr zeigte am Beispiel Apfel Entwicklungen und sich verändernde Produktanforderungen durch die Verbraucher:innen auf. Mit dem Vortragsthema 'Mythos alte Apfelsorten versus neue Apfelsorten' beleuchtete er einerseits das große Potential alter Sorten als genetische Ressourcen, andererseits jedoch auch deren Nachteile im modernen Obstbau. Das Sortenkarussell drehe sich aufgrund einer weiteren Reduktion des Planzenschutzeinsatzes vor allem um stabile Resistenzeigenschaften gepaart mit dem Wiedererkennungswert einer Sorte, so Mayr. Und: "Hier können wiederum alte Sorten für die Kreuzung mit modernen Apfelsorten interessant sein."

Tim Zahn, Referent für globale Lieferketten, Menschenrechte und Migration, der online aus Berlin zugeschaltet war, präsentierte die Ergebnisse des Oxfams Supermarkt-Check 2022. Die Nichtregierungsorganisation Oxfam vergleicht seit 2018 die Unternehmensrichtlinien und die Transparenz der größten deutschen Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen im Bereich der Menschenrechte in ihren Lieferketten.

Ehrenpreis des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure (Gartenbau, Landschaftsarchitektur) e.V. (VEW)

Das Weihenstephaner Hochschulforum Gartenbau bildet jedes Jahr einen würdigen Rahmen für die Verleihung des Ehrenpreises des VEW für den Bereich Gartenbau. Seit 1958 zeichnet der Absolventenverband jährlich je eine Persönlichkeit aus dem Bereich Gartenbau und dem Bereich Landschaftsarchitektur aus, die sich um die Hochschule besonders verdient gemacht bzw. sich im Berufsstand besonders ausgezeichnet hat. Pandemiebedingt entfielen die Preisverleihungen in den beiden vergangenen Jahren.

Dipl. agr. Ing. (FH) Martin Nüberlin, der bereits für den Ehrenpreis 2020 vorgesehen war, erhielt diesen nun 2022. Der Lindauer Obstbauer hat den gleichnamigen Obstbaubetrieb mit Direktvermarktung in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt und mittlerweile die Betriebsleitung an seine beiden Kinder übergeben. Mit seinem ehrenamtlichen Engagement hat er sich große Verdienste für den Berufsstand erworben. So war er langjähriger stellvertretender Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbauverbandes sowie Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Lindauer Obstbauern. Und Martin Nüberlin ist seit vielen Jahren Förderer und Wegbegleiter der Versuchsstation für Obstbau Schlachters der HSWT, nicht zuletzt durch sein Amt als zweiter Vorsitzender des Fördervereins.

Katrin Kell, die Vorsitzende des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure e.V., freute sich sehr, den Ehrenpreis mit Urkunde und hochwertiger Goldmünze in diesem Jahr wieder verleihen zu dürfen. Dr. Wolfgang Besener, ehemaliger Abteilungsleiter Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Augsburg, beleuchtete in seiner Laudatio das private und berufliche Schaffen des Geehrten. Mit Fleiß, Zielstrebigkeit und der notwendigen Bildung habe Nüberlin in seinem bisherigen Leben Beachtliches geleistet. Als Verbandsvertreter und als Unternehmer habe er wichtige Öffentlichkeitsarbeit geleistet und dabei stets den Austausch mit den Verbraucher:innen gesucht, so Besener. So hatte er beispielsweise mit der Eröffnung des ersten "Frucht-Drive-In" bundesweit mediale Aufmerksamkeit erregt.

Die gelungene Veranstaltung klang mit einem gut besuchten Alumni-Abend aus. Das nächste Weihenstephaner Hochschulforum Gartenbau findet im Juni 2023 statt.

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