Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Absolventenprofile Lebensmitteltechnologie

Vielen Studieninteressierten ist nicht bewusst, welch vielfältige Berufsmöglichkeiten sie nach einem Lebensmitteltechnologie-Studium an der HSWT haben. Um hier ein wenig Orientierung zu geben, stellen wir auf dieser Seite einzelne Absolventinnen und Absolventen und ihre Erfahrungen vor. Sie geben Einblicke in ihren derzeitigen Job, berichten von ihren Aufgaben, welche Anforderungen an Bewerber gestellt werden - und natürlich davon, was ihnen an ihrem Beruf gefällt.

Franz Kuhnert

Ingenieur am Lehrstuhl/Institut

Absolventenjahr

2017

Für mich "Das Wichtigste" im Studium

"Das Wichtigste" im Studium, war für mich der offene Kontakt zu den Professoren, welche immer aufgeschlossen für Fragen und hilfsbereit waren. Außerdem stand die fachliche- und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt. Etliche Studieninhalte motivierten mich zur weiteren Recherche abseits der Vorlesungen oder gaben den Anstoß für interdisziplinäre Recherchen und Diskussionen mit Kommilitonen und Freunden. Apropos Freunde: während der Zeit an der Berufsoberschule und danach im Studium, habe ich gute Freundschaften geschlossen.
Ich empfehle den Studierenden das lückenlose Mitmachen bei den Tutorien und Übungen. Hierbei verinnerlicht ihr die Inhalte wesentlich effektiver, als Zuhause am Schreibtisch. Außerdem solltet ihr eure Wahlmodule nach wirklicher Interesse auswählen und nicht nach Schwierigkeit, zeitlichen Gründen, etc. Dies gilt auch für Praxissemester und Bachelorarbeit. Damit könnt ihr die Weichen für die anschließende Karriere stellen.

Bisheriger Werdegang

  • Ausbildung zum Molkereifachmann
  • Berufserfahrung in der Projektbearbeitung
  • Berufsoberschule
  • Studium der Lebensmitteltechnologie
  • Ingenieur am Lehrstuhl/Institut

Aktuelle Tätigkeit

Aktuell arbeite ich als Ingenieur am Lehrstuhl für Lebensmittelverfahrenstechnik. Hier unterstütze ich Doktoranden/Postdocs bei wissenschaftlichen Projekten und Lehrveranstaltungen. Durch die vielseitigen Arbeitsthemen in Forschung/Lehre, lerne ich permanent dazu.

Ein Beispiel aus meinem Tätigkeitsbereich

Der Projektleiter möchte ein bestimmtes Verfahren testen, welches beispielsweise an eine aktuelle Publikation angelehnt ist. Dies soll im Labor-/Technikumsmaßstab umgesetzt werden. Nach weiterer Recherche, überlegen wir uns im Team die Herangehensweise und konstruieren Methoden und Versuche. Steht der Versuchsplan, führe ich den Versuch an den jeweiligen Anlagen durch und übernehme parallel/anschließend verschiedene Analysen. Hierbei kann ich mich zu jeder Zeit einbringen und aktiv mitgestalten. Dies gilt insbesondere auch für Praktika.

 

 

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Bernadette Sturm

Qualitätssicherung/Produktentwicklung

bernadette.sturm[at]yahoo.de

Absolventenjahr

2015

Für mich "Das Wichtigste" im Studium

...war die Vielfältigkeit der verschiedenen Fächer. Sie geben einem persönlich einen guten Überblick über verschiedene Arbeitsbereiche der Lebensmittelindustrie als auch der Nebenindustrien und Forschungseinrichtungen. Es gibt einem das Verständnis an Probleme heranzutreten und einen gewissen "Anker", um einen Lösungsansatz für Probleme zu finden.
Im Nachhinein hat mir die Kombination vieler verschiedener Fächer geholfen. Lebensmittelrecht als auch Qualitätsmanagement sind für mich sehr wichtige Fächer, da sie den Rahmen des Arbeitens bilden. Die Fächer Lebensmittelchemie und funktionelle Lebensmittel haben mir ein Verständnis dafür gegeben, wie chemische Parameter ineinandergreifen und wie Einflüsse zu beurteilen sind. Natürlich wird in der Praxis auch einfach viel ausprobiert, viel alltägliches Handeln basiert auf Erfahrungswerten um wirklich gut zu werden.

Meine Empfehlung für Studierende und Studieninteressenten

Dieses Studium verpflichtet einen vielfältig interessiert zu sein. Es zeigt Stärken und Schwächen in den Naturwissenschaften auf. Es lohnt sich natürlich vor Studienbeginn schon zu wissen, wohin die Reise geht. Die meisten finden diese aber auch erst während des Studiums heraus.
Meistens ist der Satz nicht empfehlenswert: "Das werde ich nie wieder nach dem Studium brauchen!" - Meiner Erfahrung nach ist es immer gut, nur einen kleinen Funken davon zu verstehen, was ein Fachmann einem erklärt. Problemlösungen finden oft in Kombination von verschiedenen Fachleuten statt. Zusätzlich braucht es immer jedoch jemanden, der versteht was der andere meint.

Bisheriger Berufsverlauf

  • Lehre zur Hotelfachfrau
  • Berufsoberschule
  • Studium (inkl. Auslandssemester + Praxissemester)
  • Berufserfahrung bei einem Schokoladen- und Süßwarenhersteller

Aktuelle Tätigkeit

Eingestellt wurde ich als Elternzeitvertretung vorerst begrenzt auf ein Jahr. Angefangen habe ich in der Qualitätssicherung (Wareneingangs/ und Warenausgangskontrolle sowie  Zwischenkontrolle).
Heute bin ich größtenteils in der Produktentwicklung eingesetzt.

Ein Beispiel aus meinem aktuellen Tätigkeitsbereich

Meine Kollegen übergeben mir die Kundenwünsche in Kombination mit deren eigenen Vorstellungen, beziehungsweise mit Vorgaben von bereits existierenden Produkten. Ich bestelle Rohstoffe und informiere mich bei unseren Lieferanten über deren Produktportfolio. Meine Arbeit besteht oft aus der Vorbereitung von neuen Rezepturen bzw. Arbeitsanweisungen zur Musterherstellung. Die sachgemäße Dokumentation sowie die Anfertigung einer Produktspezifikation fallen auch in diesen Arbeitsbereich.

 

 

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Thomas Mittermaier

Prozessexperte Verpackung

Absolventenjahr

2013

Für mich "Das Wichtigste" im Studium

Für mich war es das wichtigste, meine Studieninhalte von Beginn an möglichst frei und nach meinen persönlichen Interessen zu wählen. Ich konnte dabei aus dem vielfältigen Angebot der Hochschule (auch aus anderen Studiengängen) wählen und dadurch meinen Studienverlauf vom ersten Semester an sehr stark individualisieren.
Bei den Vorlesungsinhalten war mir sehr wichtig, dass Inhalte mit Praxisbeispielen veranschaulicht wurden und "Ingenieursdenken" vermittelt wurde.

Meine Empfehlung für Studierende und Studieninteressenten

Macht das Studium zu eurem Studium. Stecht aus der Masse heraus, indem ihr die Dinge nicht wie alle anderen macht. Macht die Dinge anders, macht sie besser!

Bisheriger Berufsverlauf

Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zur Elektrofachkraft für Gebäudetechnik absolviert und danach noch einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Direkt im Anschluss meines Studiums der Lebensmitteltechnologie konnte ich, auch dank meiner Berufsausbildung, eine Anstellung im Bereich der Anlagen- und Verfahrenstechnik bei MSD Animal Health, ein produzierender, weltweit agierender Pharmakonzern, ergattern.
Zunächst lagen meine Aufgabenschwerpunkte sehr stark auf qualitätsrelevanten Prozessen, da ich als Schulungs-, Dokumentations- und Packmittelbeauftragter eingesetzt wurde. Nach circa zwei Jahren schloss sich eine Eineinhalbjährige Phase als Leiter der Anlagen- und Verfahrenstechnik in der Verpackung an, in der ich Verantwortung über sechs Mitarbeiter hatte. Danach wechselte ich erneut innerhalb des Unternehmens auf die – für mich interessantere – Position des Prozessexperten und stellvertretenden Abteilungsleiters der Verpackung.

Aktuelle Tätigkeit

Prozessexperte Verpackung von Pharmazeutika:

  • Fachliche Führung von ca. 30 MA der Verpackungsabteilung
  • Anlagenbeschaffung inkl. Qualifizierung
  • Kontrolle und Genehmigung der Herstellprotokolle
  • Beauftragter für Maschinensicherheit

Ein Beispiel aus meinem aktuellen Tätigkeitsbereich

Ein Großteil meiner Arbeitszeit entfällt auf die Optimierung von Prozessen und Anlagen. Gerade arbeite ich unter anderem an der Beschaffung einer "End of Line" Verpackungsanlage, mit deren Hilfe die Verkaufseinheiten (Faltschachteln) in Lieferkartons verpackt und im Anschluss vollautomatisch auf Paletten gestapelt werden sollen.
Ein derartiges Projekt beginnt zunächst mit der Festlegung der Benutzeranforderungen, aus denen dann das Lastenheft (User Requirements Specification, kurz URS) entsteht. Hierbei gilt es vor allem die unterschiedlichsten Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen zusammen zu tragen, da sich beispielsweise die Anforderungen des Bedienpersonals teils grundlegend von den Anforderungen des Wartungspersonals unterscheiden können. Im Anschluss beginnt die für mich interessanteste Phase des Projektes, die Design- und Konzeptfindung. Aufgrund der begrenzten Platzmöglichkeiten und der großen Unterschiede in den zu verpackenden Produkten ist es nicht möglich Anlagen "von der Stange" zu kaufen, sondern man agiert im Bereich des Sondermaschinenbaus. Im Vordergrund der Tätigkeit in dieser Phase steht eine teils über Monate gehende, enge Zusammenarbeit mit Anbietern für Sondermaschinen, in denen ein geeignetes Konzept gefunden werden muss, das alle Kundenanforderungen in sich vereint. Geeignete Werkzeuge zur Auswahl der Lieferanten sind hierbei Referenzbesuche bei anderen Medikamentenherstellern – die darüber hinaus immer als Informations- und Innovationsaustausch dienen – und Besuche direkt in der Produktionsstätte des Machinenbauers. Im Anschluss findet die Konstruktionsphase der Anlage statt. Nach Beendigung dieser findet eine mehrtägige Werksabnahme der Anlage vor Ort beim Lieferanten statt, die Factory Acceptance Test (FAT) genannt wird. Hierbei wird überprüft, ob alle an das Design gestellten Anforderungen der Anlage berücksichtigt wurden. Schlussendlich findet der Site Acceptance Test (SAT) statt, bei dem am Aufstellungsort überprüft wird ob die Anlage in Bezug auf Installation, Funktion und Leistung den gestellten Anforderungen entspricht.
Begleitend zu all diesen oben dargestellten Projektschritten findet die Qualifizierung der Anlage statt. Im Rahmen dieser Qualifizierung wird überprüft und dokumentiert, ob die Anlage allen Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP) genügt, sowie ob alle gesetzlichen und konzerninternen Vorgaben im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes berücksichtigt wurden.
Nach erfolgreicher Beendigung der Qualifizierung wird die Anlage für den Routinebetrieb freigegeben, und es beginnt zeitgleich ein weiteres Projekt: Die Optimierung der Waren- und Personalprozesse an der Anlage sowie die technische Optimierung.

 

 

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Produktentwicklung Brandt Zwieback-Schokoladen

Jan Gusewski

J.Gusewski [at]Brandt-GmbH.de

Vor dem Studium

Ausbildung und Gesellenjahre als Koch und Schreiner

Lebensmitteltechnologiestudium

Oktober 2004 bis Oktober 2008

Tätigkeit nach dem Studium

Leiter der Produktentwicklung bei Brandt Zwieback-Schokoladen im Bereich Schokolade

Rückblick: Gedanken zum Studium

In den gut 10 Jahren zwischen Beendigung der Realschule und Beginn des Studiums habe ich eine Ausbildung zum Koch und eine zum Schreiner absolviert und in beiden Berufen als Geselle gearbeitet. Während der Gesellenzeit als Schreiner wurde ich zunehmend unzufriedener mit meiner Arbeit sowie der Zukunftsperspektive in diesem Beruf. Deshalb entschloss ich mich erneut, etwas Neues zu beginnen. Da ich mich auf jeden Fall weiter entwickeln und weiter qualifizieren wollte, beschloss ich das Fachabitur nachzuholen und zu studieren. Hierbei stand aufgrund meiner Erfahrungen als Koch fest, dass ich etwas studieren wollte was mit Lebensmitteln zu tun hat. Nach ein paar Recherchen und dem Besuch des Studieninformationstages an der FH Weihenstephan habe ich für mich entschieden Lebensmitteltechnologie zu studieren mit dem Ziel hinterher in der Produktentwicklung zu arbeiten. In einem Jahr holte ich das technische Fachabitur an der BOS nach und begann im Herbst 2004 das Studium an der FH Weihenstephan mit dem Ziel Diplom Ingenieur (FH) der Lebensmitteltechnologie.
Der Beginn des Studiums mit dem Grundstudium stellte sicher für viele eine relativ große Hürde dar. Für mich persönlich war das Grundstudium zwar teilweise anspruchsvoll aber gut zu schaffen. Ich hatte den Vorteil, dass ich aufgrund des frisch vorher absolvierten Technischen Fachabiturs das nötige „Handwerkszeug“ für die naturwissenschaftlichen Grundlagen wie Mathematik, Physik und Chemie mitgebracht habe. Nach Bestehen des Vordiploms schloss sich für mich nahtlos das Hauptstudium an. Das Hauptstudium beschäftigte sich zum Teil sehr detailliert mit dem kompletten Bereich der Lebensmitteltechnologie und der industriellen Herstellung von Lebensmitteln (von Mineralwasser über Mehl bis zum Bier). Diesen Teil des Studiums fand ich persönlich sehr interessant, muss allerdings im Rückblick bemängeln, dass zu viel Wert auf Details gelegt wurde. Das heißt, es wurde uns z.B. sehr ausführlich die Getreidetechnologie inklusive Mehlanalytik vermittelt. Von der Berechnung der benötigten Menge Anstellsauerteig bis hin zur Bestimmung der Enzymaktivität im Mehl wurde nichts ausgelassen. Das mag gut sein für jemanden der später in diesem Bereich arbeitet, aber für den Großteil eines Jahrgangs ist solches Detailwissen von zweifelhaftem Nutzen. Ich finde es gut, richtig und absolut wichtig, dass alle Bereiche der Lebensmittelindustrie (-technologie) behandelt wurden. Dieses hat bei mir zu einem umfassenden Verständnis der Lebensmittelverarbeitung geführt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sich das Wissen auf Grundlagen und grundsätzliche physikalisch chemische mikrobiologische und verfahrenstechnische Zusammenhänge konzentriert, denn von diesem Wissen profitiere ich jetzt bei der täglichen Arbeit. In den andern Bereichen des Grundstudiums wurde mehr Wert auf übertragbare Grundlagen gelegt. Denn diese Grundlagen qualifizieren mich, sei es in Hygienefragen in denen mir das Wissen aus der Mikrobiologie hilft oder die Kenntnisse aus dem Qualitätsmanagement und Lebensmittelrecht sowie Lebensmittelchemie oder Verfahrenstechnik. Dies sind Dinge die ich im Beruf brauche. Wertvoll im nachhinein gesehen waren die angeboten FWP- und AWP-Fächer, denn es hilft z.B. wenn man aufgezeigt bekommt wie man Word, Excel und Co. sinnvoll einsetzt. Die Spezialisierung zum Ende des Studiums durch die Schwerpunktwahl war für mich eine gute Vorbereitung auf meine jetzige Arbeit. Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich das zweite Praxissemester. Dies absolvierte ich bei der Firma Müller-Milch im Bereich F&E. Hier konnte ich überprüfen ob sich meine Vorstellungen der Arbeit in der Produktentwicklung in der Realität decken und so überprüfen, ob ich dort später arbeiten wolle.
Neben vielen fachlichem Wissen habe ich auch viele persönliche Erfahrungen gesammelt und mich weiterentwickelt. So war es eine Herausforderung und sehr gute Erfahrung ein Semester lang ein Tutorium zu organisieren und abzuhalten. Diese Erfahrungen haben mich komplett enthemmt, wenn es darum geht vor einer größeren Gruppe einen Vortrag zu halten oder in freier Rede unangenehme Fragen zu beantworten, was in meinem beruflichen Alltag gelegentlich vorkommt.
Das Studium war im Rückblick eine schöne und äußerst lehrreiche Zeit. Was man auch nicht vernachlässigen sollte ist die Tatsache, dass man wahrscheinlich sein ganzes Arbeitsleben lang nicht mehr soviel Freizeit hat. Denn trotz aller Berichteschreiberei und Prüfungsvorbereitung hatte ich reichlich Zeit für mein Privatvergnügen. In welchem Job hat man schon 3 Monate Urlaub (Lehre höchstens).

Einblick: Beschreibung der eigenen, täglichen Arbeit

Seit November 2008 arbeite ich bei der Firma Brandt Zwieback-Schokoladen am Standort Landshut. In Landshut befindet sich die komplette Schokoladen-Sparte der Brandt Gruppe. Wir in der Produktentwicklung kümmern uns um die Neuentwicklung sowie die Weiterentwicklung und Rezeptumstellungen von allen Schokoladen-Produkten welche in der Brandt Gruppe produziert werden. Das heißt, ich habe bei meiner täglichen Arbeit mit Schokoladenhohlfiguren, Pralinen flüssig und klassisch gefüllt, Schokoladen und Zucker-Dragees, überzogenen Produkten sowie der eigentlichen Schokoladenherstellung zu tun. Allein diese Spannweite an Produkten macht meine Arbeit interessant, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Zu Beginn meiner Tätigkeit stand eine längere Einarbeitungszeit in der ich mir Spezialwissen und praktische Fähigkeiten im Umgang mit Schokolade angeeignet habe und mich mit dem Standort und den dort vorhanden Produktionsanlagen und Möglichkeiten vertraut gemacht habe. Diese Einarbeitung war das Verbindungsglied zwischen dem Erlernten aus dem Studium und dem Wissen aus dem Betrieb. Jetzt nach der Einarbeitung besteht meine tägliche Arbeit aus den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Dies lässt sich am besten an einem Beispiel zeigen. Wenn wir ein neues Produkt entwickeln, steht am Anfang eine Idee, eine Kundenanforderung oder dergleichen, aber auf jedem Fall eine Besprechung mit der Marketingabteilung, der Produktion und allen weiteren Abteilungen die betroffen sind. An diesen Schritt schließt sich meistens für mich eine Phase an, in der ich mich mit den benötigten Rohstoffen und deren Lieferanten auseinandersetzten muss. Anschließend stellen wir klassisch handwerkliche Muster her. Diese dienen zum Einen um einzuschätzen ob das neue Produkt sich produzieren lässt und sich damit das Marketing, der Vertrieb und ggf. auch der Kunde eine genaue Vorstellung von dem Produkt machen kann. Anhand der hergestellten Muster erstellen wir erste Rezepturen. Bei positivem Feedback des Kunden schließt sich meist eine Phase von Lagertests und/oder Versuchen unter realen Produktionsbedingungen an, bis schließlich ein Produkt produziert werden kann. An dieser groben und vereinfachten Darstellung lässt sich gut sehen wie komplex die Arbeit in der PE ist. Wir sind genau wie das Studium interdisziplinär. Ich arbeite also mit fast allen Bereich des Unternehmens zusammen und genau das macht die Arbeit in der Produktentwicklung so interessant. Dazu kommt das wir alle Schritte einer Entwicklung mitbekommen, anders als vielleicht in einem großen Konzern. Das bedeutet für mich, ich arbeite praktisch mit Schokolade und stelle Muster her und habe einen Teil Schreibtischarbeit zu erledigen oder nehme an Besprechungen teil und das macht für mich den Reiz aus.

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Gruppenleiterin Produktentwicklung Chocolat Frey AG (CH)

Anja Kubuschok

Vor dem Studium

Mittlere Reife, Abitur, Praktikum (Bäckerei)

Lebensmitteltechnologiestudium

Oktober 2002 bis Februar 2007

Tätigkeit nach dem Studium

Gruppenleiterin Produktentwicklung bei der Chocolat Frey AG in der Schweiz

Rückblick: Gedanken zum Studium  

Nachdem ich auf dem Gymnasium Chemie und Erdkunde als Leistungskurse gewählt hatte, begann die Qual der Wahl. Was sollte ich studieren? Nach Besuchen der Tage der offenen Tür an der LMU Weihenstephan und bei der FH Weihenstephan, wurde mir schnell klar, dass ich lieber eine praxisorientierte FH Ausbildung möchte und nicht 8 Semester „nur“ Theorie. Lebensmitteltechnologie hatte mir gefallen, da ich meine Chemiegrundlagen gut gebrauchen konnte und mir die Chemie auch Spass macht. Wenn ich gefragt werde, was im Studium vermittelt wird, sage ich meistens: Von allem etwas, aber nichts richtig tief d.h. es ist ein eher auf breites Wissen angelegtes Studium, das sich nicht in Spezialwissen verliert. Immerhin weiss ich immer, wo ich nachschlagen muss oder wer mir helfen könnte, und darauf kommt es später im Beruf auch an. Das vielfältige Studium lässt einem viele Möglichkeiten offen und es ist alles andere als langweilig. Zu Beginn konnte ich mir noch nicht vorstellen, wo wir „Lemis“ (Lebensmitteltechnologen) gebraucht werden könnten, aber mit der zunehmenden Komplexität der Nahrungsmittelproduktion ist es immer wichtiger geworden, den Gesamtüberblick über die Herstellung (Einkauf, Labor, Entwicklung, Qualität, Produktion, Verkauf, Marketing…) zu behalten. Und genau das kann ein Lebensmitteltechnologe. Wer Interesse hat, kann sich natürlich auch in einem Bereich spezialisieren. Aber in Stein gemeisselt ist das nicht, ich habe zum Beispiel Qualitätsmanagement als Vertiefungsrichtung gewählt, arbeite aber jetzt in der Produktentwicklung. Als Überbleibsel bin ich noch im HACCP-Team (Beurteilung von prozessbedingten Gefahren, die sich auf die Gesundheit des Endkonsumenten auswirken könnte) tätig. Besonders abwechslungsreich sind die beiden Praxissemester, bei denen verschiedene Unternehmen „von innen“ kennengelernt werden können. Im ersten Praxissemester gewann ich zunächst einmal einen Eindruck, wie eigentlich so eine Fabrik funktioniert. Erst im zweiten Praxissemester habe ich gemerkt, wie nützlich das meiste ist, was ich im Studium gelernt habe. Auch um Kontakte zu knüpfen ist ein Praktikum gut. Nachdem mir die Realitätsnähe so wichtig war, habe ich auch meine Diplomarbeit bei einem Nahrungsmittelhersteller gemacht, dies erklärt auch die etwas längere Studienzeit. Die zusätzliche Zeit war jedoch gut investiert.

Einblick: Beschreibung der eigenen, täglichen Arbeit

An meiner jetzigen Arbeitsstelle sind meine Tätigkeiten sehr abwechslungsreich. Ich arbeite in einem Team das in zwei Gruppen unterteilt ist. Meine Gruppe besteht aus drei Confiseuren und unserer guten Fee (Laborhilfe), gemeinsam arbeiten wir an Projekten, die entweder vom Marketing gewünscht sind, die wir selbst wählen, die sich durch die Unternehmensstrategie ergeben oder die sich aus „Alltags“-Problemen ergeben (z.B. Rezepturoptimierungen usw.). Die Entscheidungen für und in den Projekten treffen wir gemeinsam mit dem Marketing oder unserer Teamleiterin und natürlich der Lebensmittelsensorik (Wissenschaft der Sinnesreize eines Lebensmittels auf den Menschen). Ich muss vor allem die Koordination übernehmen, damit wir Daten rechtzeitig zur Verfügung stellen oder auch Rezept- oder Verfahrenslösungen finden und somit im Zeitplan bleiben. Rechtliche Abklärungen übernimmt unsere Rechtsabteilung, mit der ich auch in regem Kontakt stehe. Natürlich bin ich auch bei Produktionsversuchen dabei, damit unsere Neu-Entwicklungen auch wirklich unseren Ansprüchen genügen. Ich muss viel diplomatische Arbeit leisten, da ich oft zwischen Personengruppen vermittle, die sehr fachspezifisch denken (z.B. Anlagenführer und Verkäufer). Manchmal ist dies nicht ganz einfach, aber es macht mir sehr viel Spass und ich habe mit allen Bereichen in der Firma Kontakt. Natürlich degustieren wir auch regelmässig, so dass ich beim Verzehr von Schokolade nicht zu kurz komme. Neben dieser täglichen Arbeit bin ich noch in verschiedenen übergeordneten Projekten dabei, wie zum Beispiel dem Schulen der Hygieneregeln oder auch die Mitarbeit im HACCP-Team. Aufgrund der letzteren Tätigkeit bin ich zusätzlich interner Auditor, also jemand der die Qualität der Produktion überwacht. Darüberhinaus darf ich auch ab und zu Kundenanfragen beantworten oder mit Lieferanten über neue Rohmaterialen sprechen. Zusammengefasst ist es für mich sehr schön, dass es wenig festgefahrene Routinen gibt und ich so immer flexibel reagieren kann und muss.

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Technologe in der Pharmazeutischen Produktentwicklung

Christine Edlheim

christine.edlheim [at]gmx.de

Vor dem Studium

Abitur

Lebensmitteltechnologiestudium

Oktober 2001 bis April 2006

Tätigkeit nach dem Studium

Technologe in der Pharmazeutischen Produktentwicklung

Rückblick: Gedanken zum Studium

Das Studium der Lebensmitteltechnologie kann ich rückblickend als sehr vielseitig beschreiben, was auch die späteren Möglichkeiten im Berufsleben gut widerspiegelt.
Meine gewählten Schwerpunktfächer im siebten und achten Semester (Süßwarentechnologie, Produktentwicklung, Marketing & Management, Tiernahrungsmittel und Funktionelle Lebensmittel) waren ebenso bunt gemischt. Zur Zeit meines Studiums war das Studium noch ein Diplomsstudiengang mit 2 Praxissemestern, die ich in einem Schlachthof und in einer Eis-Fabrik absolviert habe. Verschiedener hätten die beiden Praktika wohl kaum sein können.
Durch diese Vielschichtigkeit des Studiums kann man wohl sagen, dass man wohl von allem, was einen später erwartet einen ganz guten ersten Eindruck bekommt. In die Tiefe geht es aber erst frühestens in den Schwerpunkt-Fächern, wenn nicht sogar erst im späteren Berufsleben. Für dieses stehen einem Absolventen dann aber immens viele Möglichkeiten offen (meine Bewerbungen reichten von der Lebensmittelindustrie über die Verpackungs-Herstellung bis hin zur Futtermittelkontrolle). Vor dem Studium hätte ich wohl auch kaum geglaubt, dass ich später einmal in der pharmazeutischen Industrie arbeiten könnte oder würde. Über die Analytische Produktentwicklung habe ich aber einen Einstieg geschafft, und dort auch über 4 Jahre lang gearbeitet, um mich jetzt wieder mehr der technologischen Seite zuzuwenden.

Einblick: Beschreibung der eigenen, täglichen Arbeit

Ich arbeite als Technologe in der Pharmazeutischen Produktentwicklung bei Hexal.
Hexal mit Sitz in Holzkirchen und etwa 4.300 Mitarbeitern in Deutschland, entwickelt, produziert und vermarktet moderne Generika zu günstigen Preisen. Mit seinem breiten Portfolio von über 300 pharmazeutischen Wirkstoffen für alle großen Indikationsgebiete leistet Hexal einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Arzneimittelversorgung bei höchster Therapiequalität.
Das Unternehmen setzt insbesondere auf gezielte Verbesserungen, durchdachte Verpackungskonzepte und individuelle Serviceleistungen sowie auf Biosimilars, das heißt Folgeprodukte von patentfreien biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln.
Hexal wurde im Jahr 1986 gegründet und ist heute nach Umsatz das größte deutsche Pharmaunternehmen.
Die technologische Entwicklung von festen oralen Darreichungsformen befasst sich mit der Etablierung eines stabilen, bioäquivalenten und robust herstellbaren Produkts.
Dies beginnt in der frühen Phase der Präformulierung, den Scale Up in den Pilot- und Produktionsmaßstab, die Etablierung bei Routineherstellern weltweit, die Bereitstellung der Studienmedikationen für klinische Studien, sowie die Unterstützung bei der Erstellung der Zulassungsdokumentation und bei Mängelbescheiden und endet mit der erfolgreichen Neueinführung des Produkts.
Meine eigene Arbeit gestaltet sich somit sehr abwechslungsreich, von Projektarbeit im Büro über  Verfahrens- und Rezepturentwicklung im Labormaßstab bis hin zur Unterstützung der Produktion beim späteren Routinehersteller der Produkte.

Exemplarisches Beispiel: Scale-Up eines Tabletten-Projekts

Nach der erfolgreichen Rezeptur und Verfahrens-Entwicklung ist der nächste Schritt im Entwicklungsprozess der Scale-Up beim späteren Routinehersteller. Das heißt, dass alle Verfahrensschritte auf den großen Produktions-Anlagen getestet und optimiert werden müssen.
In diesem Beispiel handelt es sich um ein Projekt mit Filmtabletten, das später im Schwesterwerk in Ljubljana hergestellt werden soll. Die 3 Haupt-Prozesse sind hier Wirbelschichtgranulierung, Tablettierung und Film-Coating.
Nach der Vorbereitung des Technologietransfers  mit Erstellung von Probenzugsplänen, Herstell-Anweisungen, Evaluierungsplänen etc. erfolgt dann der eigentliche Scale-Up an der Routine-Site. Hier versucht man, zusammen mit den dortigen Maschinenführern und Projektverantwortlichen, den Prozess so gut wie möglich auf die weitaus größeren Anlagen zu übertragen, und so robust wie möglich zu gestalten. Über die Variation der Prozessparameter (z.B. Zulufttemperatur beim Granulieren, Tablettiergeschwindigkeit, Sprührate des Filmlacks…) während des Scale-Up-Prozesses und dazugehörige Untersuchungen, werden Bereiche für die einzelnen Parameter definiert, die in der späteren Produktion ein konstant gleiches Produkt ergeben. Während der Produktion dieser Scale-Up-Chargen werden zu definierten Zeiten Proben gezogen, und im Nachgang analysiert. Je nach den gewonnenen Ergebnissen muss der Herstellprozess dann weiter optimiert werden.

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