Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
23.11.2022

Trissolcus japonicus: Gegenspieler der schädlichen Marmorierten Baumwanze gefunden

Amanda Shala
Rückenansicht einer adulten Marmorierten Baumwanze (Foto: HSWT)
Entwicklungszyklus der Marmorierten Baumwanze (Abbildung: HSWT)
Durch Wanzen verursachte Schäden an einer Birnenfrucht: Je früher im Jahr die Saugtätigkeit einsetzt, desto stärker prägen sich die Deformationen aus. (Foto: HSWT)
Parasitiertes Eigelege der Grünen Gartenwanze (Foto: Olaf Zimmermann, LTZ Augustenberg)
Die Samurai-Schlupfwespe hat eine Größe von etwa 1,1 bis 1,8 mm. Weibchen werden etwas größer als die Männchen (Foto: Olaf Zimmermann, LTZ Augustenberg)

Forscherinnen der Versuchsstation für Obstbau in Schlachters haben die Samurai-Schlupfwespe (Trissolcus japonicus) auf dem Campus Weihenstephan entdeckt. Sie ist ein wichtiger Hoffnungsträger für eine mögliche biologische Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze.

Die HSWT forscht an der Versuchsstation für Obstbau Schlachters im Interreg-Projekt Schädigende Wanzen im Obstbau zu Verbreitung und Bekämpfungsmöglichkeiten der Marmorierten Baumwanze im Lindauer Raum. Die Ausbringung chemischer Pflanzenschutzmittel ist aufgrund des ganzjährigen Zufluges des Schädlings in die Kulturpflanzen kritisch zu betrachten. Die Entdeckung der asiatischen Schlupfwespenart am Standort Weihenstephan könnte nun eine Lösung bringen: Sie parasitiert vor allem Eier der Marmorierten Baumwanze (Halyomorpha halys).

Die Samurai-Schlupfwespe als Gegenspieler

Halyomorpha halys ist eine optisch unauffällige Baumwanzenart aus der Familie Pentatomidae, die mit mehr als 200 verschiedenen Wirtspflanzenarten in ackerbaulichen, forstwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen schädigend auftritt. Ursprünglich in Asien beheimatet, hat sie durch den globalen Handel und klimatische Veränderungen neue Lebensräume erschlossen. Im europäischen Raum wurde sie das erste Mal in Zürich im Jahr 2004 nachgewiesen.

Trissolcus japonicus ist einer der natürlichen Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze in der asiatischen Heimat. Es handelt sich hierbei um einen Eiparasitoid: die Wespe sticht Eier der Wanze an und legt ihre eigenen Eier darin ab. Diese entwickeln sich innerhalb der Wanzeneier und schließlich schlüpft eine Wespe statt einer Wanze. Für Deutschland gab es bisher nur außerhalb Bayerns Funde dieser Schlupfwespenart. Nun gelang im Juni 2022 der Zweitnachweis für Bayern am Campus Weihenstephan der HSWT in Freising. Der Erstnachweis in München erfolgte durch das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg.

Nachweis der Schlupfwespenart: erster Schritt zur biologischen Bekämpfung in Deutschland

In Europa parasitieren heimische Schlupfwespenarten Eier der Marmorierten Blattwanze. Nicht alle Arten jedoch können ihre Entwicklung abschließen und der Nachwuchs verendet in den Wanzeneiern. Insgesamt führt die Parasitierungsrate heimischer Schlupfwespen also zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. In Italien werden bereits Individuen von Trissolcus japonicus in die Anlagen ausgesetzt. Auch in der Schweiz laufen Untersuchungen zur Parasitierung mit dieser Schlupfwespenart.

In Deutschland sind solche Versuche nicht möglich, da es hierzulande noch keine Zulassung zur Freisetzung dieses Nützlings gibt. Im März 2022 wurde dazu ein Antrag durch das LTZ Augustenberg gestellt. Ein Ziel des HSWT-Projekts ist es, das Vorhandensein dieser Schlupfwespenart nachzuweisen, denn erst dann ist eine der Voraussetzungen für den Einsatz als Nützling erfüllt.

Detailliertere Informationen finden Interessierte in dieser Forschungs-News der HSWT sowie auf der HSWT-Forschungsprojektseite.

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