Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
08.08.2022

Startups @ HSWT | Teil 21: DIE FRISCHEMANUFAKTUR

Eva Martell und Veronika Hannus | Gerhard Radlmayr
Dr. Jenny Müller, Gründerin von 'DIE FRISCHEMANUFAKTUR' (Foto: DIE FRISCHEMANUFAKTUR)
Lieblingswasser 'Wasser Zitrone Thymian' (Foto: DIE FRISCHEMANUFAKTUR)
Lieblingswasser 'Wasser Ananas Salbei' (Foto: DIE FRISCHEMANUFAKTUR)
Lieblingswasser 'Wasser Brombeere Zitronengras' (Foto: DIE FRISCHEMANUFAKTUR)

In dieser Interviewserie präsentiert die HSWT Startups, die Teil des Food Startup Inkubators Weihenstephan (FSIWS) sind. Die Serie stellt die Unternehmen und ihre Produktideen vor, ihre Arbeitsweise und wie sie Herausforderungen meistern.

In Teil 21 berichtet Dr. Jenny Müller über ihr Startup 'DIE FRISCHEMANUFAKTUR'. Die Gründer:innen erhalten Untertützung vom Food Startup Inkubator Weihenstephan.

Eure Produktidee in ein paar Sätzen erklärt:

https://diefrischemanufaktur.de/

'lnfused Water' ist der natürlichste Weg, Wasser einen leckeren und fruchtigen Geschmack zu geben. Kräuter oder Obststücke werden einfach ins Wasser gegeben. Ohne Zusatz von Zucker erhält man so ein erfrischendes Getränk. Der Trend aus London und den Niederlanden ist in den privaten Haushalten schon längst angekommen. Im Einzelhandel ist 'Infused Water' noch nicht angekommen, da die Herstellung sehr aufwendig ist und es bisher nur wenige Tage haltbar bleibt.

Was macht Euer Produkt einzigartig?

Wir haben ein einzigartiges Verfahren entwickelt, das diese Probleme löst und bieten als erstes Startup Deutschlands fertiges 'Infused Water' an. Wir haben den Fokus insbesondere auf eine lange Haltbarkeit gelegt und erreichen dabei nun 16 Wochen. Da es 'Infused Water' in Deutschland noch nicht fertig zu kaufen gibt, kann hier kein Wettbewerbsvergleich angestellt werden. In Österreich und den Niederlanden gibt es schon ähnliche Produkte auf dem Markt, mit denen nur eine Haltbarkeit von 4-5 Tagen erzielt wird. Unser Herstellungsprozess ist patentiert und weltweit einmalig.

Wie kamt Ihr auf diese Idee?

Ich (Dr. Jenny Müller) habe 5 Jahre bei der REWE Group in der Strategie gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich gesehen, wie viele frische Produkte weggeschmissen werden. Einmal stand ich im Lager eines Marktes vor einem Müllsack, der randvoll mit abgelaufenen Salaten und Wraps gefüllt war. Dabei entstand der Entschluss: „Da muss ich etwas ändern!“. Zuerst sind wir mit frischen Obstsalaten gestartet, die 10 Tage halten. Aufgrund des Preises waren wir damit nicht erfolgreich. Als ich in Österreich 'Infused Water' im Supermarkt gesehen habe und da auch wieder so viele 30%-Sticker darauf waren, weil es nur zwei Tage haltbar und kurz vor dem Ablaufdatum war, dachte ich: Warum macht man das nicht länger haltbar?! Und so haben wir unser LIEBLINGSWASSER entwickelt. Und das läuft so gut, dass wir im Sommer mehr Nachfrage hatten, als wir produzieren konnten

Welche Aspekte sind Euch bei Produkt, Verpackung und Vertrieb in Hinblick auf eine mögliche Markteinführung besonders wichtig?

Bei unserem Produkt ist uns Transparenz im wörtlichen und übertragenen Sinne super wichtig. Deshalb ist unsere Verpackung aus Glas: man sieht die Früchte und Kräuter, die den Geschmack geben, im Wasser schwimmen. Und man kann auf unserer Webseite nachsehen; woher sie kommen: aus Deutschland, Europa oder von weiter weg.

Welche Schwierigkeiten musstet Ihr im Prozess der Produktentwicklung überwinden?

Wir hatten bei der Haltbarkeitstechnologie eigentlich damit gerechnet, dass wir HPP (High Pressure Pasteurisation) nutzen können. Da haben wir aber nur schreckliche Ergebnisse erzielt, entweder sah es okay aus und hat richtig eklig geschmeckt oder es ging vom Geschmack, sah aber unappetitlich aus. Irgendwann haben wir beschlossen, dass wir eine andere Technologie brauchen. Da haben wir dann noch länger entwickelt und das Ergebnis schmeckt auf jeden Fall super und schaut gut aus.

Wie habt Ihr euch motiviert, wenn es mal nicht so rund lief?

Mit der Vorstellung, wie geil es noch werden kann!

Die Zusammenarbeit im Team war beziehungsweise ist sicherlich nicht immer einfach, oder? Wie habt Ihr diese gestaltet, sodass es gut funktioniert?

Anfangs haben wir zu zweit gegründet, das hat nicht so gut gepasst, sodass wir uns nach einem Jahr wieder getrennt hatten. Seitdem ist das Team kontinuierlich auf inzwischen 13 Leute angewachsen.

Was war für euch der triumphalste beziehungsweise emotionalste Moment bislang?

Der emotionalste Moment war, als wir realisiert hatten, dass unser erstes Produkt (Obstlaune – Obstsalat) wirklich nicht funktioniert. Wir waren mitten in einer Finanzierungsrunde und uns sind so gut wie alle Investoren weggebrochen. Das 'Lieblingswasser' hatten wir gerade fertig entwickelt, aber noch keinen einzigen Test dazu gemacht. Die Entscheidung, dafür einen Bankkredit aufzunehmen und weiterzumachen oder DIE FRISCHEMANUFAKTUR insolvent gehen zu lassen, fiel sehr schwer. Weiterzumachen war aber definitiv die richtige Entscheidung.

Tauscht Ihr euch mit anderen Startups aus beziehungsweise vernetzt euch? Wie?

Klar. Wir sind ständig im Austausch mit anderen Gründer:innen. Über Social Media, den Food Startup Inkubator, über Pitchevents oder einfach, weil wir inzwischen Freunde geworden sind.

Welche Tipps könnt Ihr anderen Startup-Gründer:innen in der Lebensmittelbranche oder anderswo geben?

Das Wichtigste ist durchhalten! Einfach weitermachen! Irgendeine Lösung gibt’s immer!

Welche Pläne habt Ihr für die Zukunft eures Startups?

Wir haben gerade unsere eigene Produktion aufgebaut und wollen nächstes Jahr ganz Deutschland mit unserem 'Lieblingswasser' beliefern.

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Info: Food-Startup-Inkubator der HSWT

Anfang Juni 2019 hat die HSWT den Food-Startup-Inkubator Weihenstephan (FSIWS) ins Leben gerufen. Dieser ermöglicht es Studierenden sowie Mitarbeiter:innen der HSWT und der am Campus Weihenstephan verbundenen Einrichtungen, ihre Unternehmensideen im Lebensmittelbereich zur Marktreife zu bringen. Hochschulexterne Gründer:innen können über den FSIWS fachkompetente Studierende aus allen Bereichen der Lebensmittelwertschöpfungskette als Partner:innen oder Mitarbeiter:innen gewinnen, etwa im Rahmen von Abschlussarbeiten oder mit den Studierenden als Mitgründer:innen.

Link zum Startup des Vormonats:

Startups @ HSWT | Teil 20: www.hswt.de/presse/news/article/startups-hswt-teil-20-nudeo.html

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