Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
10.09.2020

Start-ups @ HSWT, Teil 13: Sonnengläschen

Christine Dötzer
Sonnengläschen stellt Brotaufstriche aus Gemüse her, das wegen äußerlicher Makel nicht verkauft werden kann. (Foto: Sonnengläschen)
Das Trio versucht, möglichst viel Gemüse, das nicht den Marktstandards entspricht, zu retten. (Foto: Sonnengläschen)
Team Sonnengläschen (von links): Luisa Pelzer, Anja Baumgärtner und Franziska Doll. (Foto: Sonnengläschen)

Weihenstephan | In dieser Interviewserie präsentiert die HSWT Start-ups, die von oder unter Mitarbeit von Studierenden oder Alumni der HSWT ins Leben gerufen wurden. Die Serie stellt die Unternehmen und ihre Produktideen vor, ihre Arbeitsweise und wie sie Herausforderungen meistern.

Im 13. Teil präsentieren Luisa Pelzer, Anja Baumgärtner und Franziska Doll ihr Projekt `Sonnengläschen´. Die drei angehenden Gründerinnen studieren an der HSWT Lebensmitteltechnologie im sechsten Semester.

 

Eure Produktidee in ein paar Sätzen erklärt:

Bei Sonnengläschen steht unser Motto “No waste - it's taste”, also die Rettung von unperfekten aber trotzdem super leckeren Lebensmitteln, im Vordergrund. Unser Ziel ist es, Gemüse, welches aufgrund von äußerlichen Schönheitsmakeln oder ganz einfach der falschen Größe, nicht verkauft werden kann, in einen qualitativ hochwertigen Brotaufstrich zu verwandeln. Unsere Produkte sind vegan, und der Aufstrich Tomate-Basilikum ist sogar komplett ohne Allergene, sodass sie wirklich für jeden geeignet sind.

Was macht euer Produkt einzigartig?

An erster Stelle natürlich das gerettete Gemüse. Wir versuchen, in unseren Gläschen so viel Gemüse wie möglich zu retten. Deshalb sind in dem 135-Gramm-Glas aktuell 162 Gramm Tomaten in einer aufkonzentrierten Form enthalten, was dem Aufstrich sein sehr intensives Aroma verleiht. Durch die Verwendung von gerettetem Gemüse versuchen wir auch, unser Produkt so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das Gemüse beziehen wir direkt von den Landwirten, sodass Zwischenlieferanten und lange Transportwege wegfallen, was noch einmal den Nachhaltigkeitsaspekt unterstreicht.

Wie kamt ihr auf diese Idee?

Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein Projekt mit einem sinnvollen, nachhaltigen Zusatznutzen auf die Beine stellen wollen. Zuerst kam uns die Idee, Reste wie beispielsweise Karottengrün zu verwerten. Nach kurzer Recherche haben wir gemerkt, dass das Problem viel größer ist. Uns war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, wie viel genießbares Gemüse es nicht vom Feld auf den Teller schafft. Und genau dort wollten wir ansetzen und ein Produkt aus diesem aussortierten Gemüse entwickeln.

Welcher Aspekt ist euch bei eurem Produkt, bei dessen Verpackung oder Vertrieb besonders wichtig - auch im Hinblick darauf, dass es evtl. einmal auf den Markt kommt?

Starten wollen wir mit einem regionalen Vertrieb. Gerade hier stellt die Glasverpackung für uns die sinnvollste und nachhaltigste Option dar. Wichtig war uns auch die Verwendung eines schadstofffreien Deckels, ohne Weichmacher oder PVC, da gerade bei ölhaltigen Produkten diese unerwünschten Stoffe leicht in das Lebensmittel migrieren können. Eine tolle Möglichkeit, die sich bei unserem Produkt anbietet, wäre auch der Vertrieb über die Verbindung zu den Landwirten, die uns mit Gemüse versorgen.

Welche Schwierigkeiten musstet ihr im Prozess der Produktentwicklung überwinden?

Bei unserem Produkt ergaben sich zwei größere Probleme: Die Haltbarkeit und die Konsistenz. Letzteres kam durch den hohen Wassergehalt des verarbeiteten Gemüses zustande. Wir konnten es allerdings leicht beheben. Bei der Haltbarkeit war es schon schwieriger. Letztendlich haben wir uns deshalb erst einmal auf zwei der drei entwickelten Aufstrichrezepturen konzentriert. An der dritten tüfteln wir aber in der Zwischenzeit auf jeden Fall weiter.

Wie habt ihr euch motiviert, wenn es mal nicht so rund lief?

Zum Glück hatten wir bis jetzt noch nicht das Problem, dass eine Herausforderung komplett unlösbar war. Wir sind auch privat sehr gut befreundet, wodurch wir uns gegenseitig leicht wieder motivieren können. Außerdem hat uns das positive Feedback zu unserer Idee immer wieder einen Motivationsschub gegeben. Sehr große Unterstützung haben wir auch von Seiten der HSWT erhalten. Besonders unser Ansprechpartner beim Food Startup Inkubator hatte bei Problemen jeglicher Art stets ein offenes Ohr für uns.

Die Zusammenarbeit im Team war bzw. ist sicherlich auch nicht immer einfach, oder? Wie habt ihr diese gestaltet, so dass es gut funktioniert?

Dass es bei drei Leuten im Team doch ab und an zu Uneinigkeiten kommen wird, war uns klar. Hier ist es uns besonders wichtig, jederzeit offen miteinander zu kommunizieren. Bisher hat das auch super geklappt und wir konnten gute Kompromisse finden.

Was war für euch der triumphalste bzw. emotionalste Moment bislang?

Das war für uns das erste Treffen mit einem Landwirt, für ein erstes Gespräch zur Verwendung des bei ihm anfallenden Knoblauch-Ausschusses. Hier haben wir viel positives Feedback aber auch wertvolle Tipps erhalten, was uns noch einmal in unserer Idee bestärkt hat.

Tauscht ihr euch mit anderen Start-ups aus bzw. vernetzt euch? Wie?

Einerseits haben wir natürlich durch das Modul “Gründung eines Food-Startups" viel Kontakt mit den anderen Teams. Spannend ist hierbei, dass sie an einem ähnlichen Punkt wie wir stehen, sodass alle auch mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Außerdem sind wir mit einigen Teams auch privat befreundet, weshalb hier der Austausch besonders intensiv auch außerhalb der Hochschule stattfindet.

Welche Tipps könnt ihr anderen Start-up-Gründern - ob in der Lebensmittelbranche oder in einem anderen Bereich - geben?

Wir haben festgestellt, dass es wenig bringt, sich selbst zu überschätzen und man sich stattdessen bei Fragen auch mal trauen darf, Wissen von anderen zu erhalten. Man muss nicht alles selbst können oder wissen. Externe Hilfe einzuholen ist völlig normal und dadurch kann man sich wieder fokussierter den eigenen Stärken und Aufgaben widmen.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft eures Start-ups?

Der nächste Schritt ist, dass wir uns ein Netzwerk an Landwirten aufbauen, von denen wir unperfektes Gemüse beziehen können. Anschließend werden wir mit Hochdruck daran arbeiten, dass uns ein erfolgreicher Markteintritt gelingt.

 

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Info: Food-Start-up-Inkubator der HSWT

Anfang Juni 2019 hat die HSWT den Food-Start-up-Inkubator Weihenstephan (FSIWS) ins Leben gerufen. Dieser ermöglicht es Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der HSWT und der am Campus Weihenstephan verbundenen Einrichtungen, ihre Unternehmensideen im Lebensmittelbereich zur Marktreife zu bringen. Hochschulexterne Gründerinnen und Gründer können über den FSIWS fachkompetente Studierende aus allen Bereichen der Lebensmittelwertschöpfungskette als Partner oder Mitarbeiter gewinnen, etwa im Rahmen von Abschlussarbeiten oder mit den Studierenden als Mitgründende.

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