Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
17.07.2020

Laborpraktikum und Corona: Wie geht das zusammen?

Christine Dötzer; Fakultät BI
Warteschlange auf dem Parkplatz vor dem Labor.
Weil die Studierenden nur mit Abstand und einzeln eintreten dürfen, heißt es Schlangestehen vor dem Labor. (dieses und alle weiteren Fotos: HSWT)
Studentin vor einem Desinfektionsspender.
Erst einmal die Hände desinfizieren.
Glasgefäße und andere Utensilien am Labor-Arbeitsplatz.
Die Arbeitsplätze sind bereits mit allem ausgestattet, was die oder der Studierende während der Übung benötigen wird.
Ein Professor demonstriert einem Studenten einen Vorgang im Chemielabor.
Demonstrieren und erklären nur mit Hygieneausrüstung.
Zwei Studentinnen mit Abstand zueinander an ihren Mikroskopen.
Auch beim Mikroskopieren herrscht der gebotene Abstand.
Ein Professor nippt in seinem Arbeitszimmer an eine Getränkeprobe. Studierende sind per Zoom zugeschaltet.
Digitale Sensorik - jede und jeder erhält ein "Probierpaket" nach Hause geschickt und im Zoom-Meeting wird dann gemeinsam getestet.
Ein Roboter mit improvisierter Nase-Mund-Bedeckung.
Auch im Prozessautomatisierungs-Labor herrscht Maskenpflicht - Roboter Nao geht mit gutem Beispiel voran.

Weihenstephan | Triesdorf - Jeder und jedem Studierenden ihr beziehungsweise sein eigenes Reich, markiert mit farbigem Klebeband, in gebührendem Abstand zueinander und mit griffbereiten Reagenzien und Glasgeräten ausgestattet. Dieses Szenario in den Laboren der Fakultät Bioingenieurwissenschaften ist ungewöhnlich und erfordert penible Vorbereitung, aber es ermöglicht Laborübungen vor Ort. Denn während Vorlesungen und Seminare mit ein wenig Umdenken und entsprechender Technik digital durchführbar sind, lässt sich ein Labor nicht einfach am heimischen Schreibtisch nachstellen. Wir haben bei verschiedenen Laborübungen an der Fakultät Bioingenieurwissenschaften vorbeigeschaut, um zu sehen, wie das so läuft in Zeiten des Abstandhaltens.

Praktikum "Analytische Chemie" - 2. Semester Biotechnologie

Die Studierenden betreten das Gebäude einzeln, mit Mund-Nasen-Maske und mindestens eineinhalb Metern Abstand zueinander. Da reicht die Warteschlange nicht selten bis über den Parkplatz, auch wenn die Zahl der Arbeitsplätze im Labor auf weniger als die Hälfte der üblichen Belegung reduziert worden ist, um den Abstand überall wahren zu können. Damit trotzdem alle Studierenden zum Zug kommen, finden die Übungen in Schichten statt.

Händewaschen, desinfizieren, dann eintragen in eine Liste, mit Name, Unterschrift und der Platznummer im Labor. Wie man das aus dem Biergarten und dem Café kennt: Im Falle einer Erkrankung können mittels dieser Listen Infektionsketten erkannt und unterbrochen werden. Glücklicherweise musste in den vergangenen Monaten nie Gebrauch von einer solchen Liste gemacht werden.

An jedem Arbeitsplatz fein säuberlich aufgereiht: Messbecher, Pipetten, Reagenzien, befüllte Glasbehälter, Lappen, Handtuch: alles, was die Studierenden für ihre Versuche brauchen und normalerweise selbst aus Schränken holen, wird von Laborassistentin Barbara Baumert vorab bereitgestellt. Sie desinfiziert im Vorfeld auch sämtliche Gerätschaften und die Arbeitsplätze. Unter normalen Umständen füllen die Studierenden die für die Versuche benötigten Chemikalien selbst aus zentral im Labor platzierten Vorratsgefäßen ab - aber im Sinne der Hygiene wird derzeit jeder unnötige "Durchgangsverkehr" vermieden.

Betritt eine weitere Person - zum Beispiel eine technische Assistentin oder ein Assistent - den Arbeitsbereich, um etwas zu demonstrieren oder zu helfen, muss sie neben dem obligatorischen Mund-Nase-Schutz, der Laborschutzbrille und dem Labormantel auch Einmal-Handschuhe tragen, um eine Infektion durch das Berühren der von den Studierenden genutzten Arbeitsgeräte auszuschließen. Die Studierenden selbst dürfen direkt an ihrem zugewiesenen Arbeitsplatz wegen des möglichen Kontaktes mit Chemikalien keine Mund-Nase-Schutzmaske tragen. Hier treffen Hygieneregeln auf die Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit Chemikalien.

Vorgegeben sind all diese Maßnahmen im "SARS-Covid-2-Arbeitsschutzstandard" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die verantwortlichen Betreuerinnen und Betreuer kontrollieren die Einhaltung der Hygieneregeln während der Praktika. Theoretisch kann jederzeit eine Kontrolleurin oder ein Kontrolleur vom Gesundheitsamt vorbeischauen, um die Einhaltung der Vorgaben zu überprüfen.

"Die Lehrenden und die Aufsichtspersonen hatten mit dem erheblichen Mehraufwand bei der Organisation und der Durchführung des Laborpraktikums schon zu kämpfen, aber wir sind einfach froh, dass unsere Studierenden die laborpraktische Ausbildung auch in diesem Semester absolvieren können und dabei jede und jeder Beteiligte geschützt ist. Das ist jeden Aufwand wert", so Prof. Dr. Rolf Schödel, der an der HSWT organische und analytische Chemie lehrt.

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Praktikum Mikrobiologie

"Noch nie hatten wir so viel theoretische Vorbereitung", sagt Prof. Dr. Norbert Hopf über sein "MiBi"-Praktikum für BT­Viertsemester. In den sechs Wochen vor Pfingsten wurde über die Moodle-Plattform und in Zoom-Meetings die Theorie zu den Praktikumsversuchen durchgenommen und auch die Handgriffe für das Labor wurden bereits eingeübt - beste Voraussetzungen für einen von allen begrüßten Beginn des Praktikums in Präsenz nach Pfingsten.

Bei den Versuchen im Labor zeigt sich deshalb nun, dass eine größere Einführung oder viel Korrigieren seitens der Lehrkraft gar nicht nötig ist, das Praktikum kann sehr effizient durchgeführt werden. Die Arbeitsweise ist eine etwas andere als in Vor-Corona-Zeiten: Die Arbeit in Zweier-Teams musste aufgelöst werden, um den Sicherheitsabstand einzuhalten, auch dürfen nur fünf bis sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichzeitig im Labor arbeiten. Die Schichtzahl wurde deshalb verdoppelt und einige Versuche mussten weggelassen werden, aber das Wichtigste: Die Grundmethoden mikrobiologischen Arbeitens können von allen selbständig geübt werden.

Prof. Dr. Hopf in seinem Fazit: Digitale Lehre kann sicherlich helfen, die Theorie hinter den Versuchen und den Versuchsablauf selbst bestens vorzubereiten. Aber: Jeder, der in der Biotechnologie tätig ist, sollte die Methoden der Mikrobiologie nicht nur digital erfahren, sondern die Technik im Labor "in die Hand nehmen" und erlernen.

"Schließlich will sich auch keiner einer Wurzelbehandlung unterwerfen, wo das zahnärztliche Team sich auf seiner Homepage damit anpreist, dass es seine Fähigkeiten allein über gute YouTube-Videos erlangt hat."

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Praktikum Sensorik: Digital und analog schmecken 

Kreativ muss man sein! Diese Maxime gilt in vielen Bereichen der Lehre in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Im Sensorik­praktikum von Prof. Müller-Schollenberger wurde dies im digitalen Teil dank eines "Probierpakets" der Ensinger Mineral-Heilquellen GmbH, das die Studierenden nach Hause geschickt bekamen, umgesetzt: riechen, schmecken, testen via Zoom.

Der Präsenzteil des Praktikums unterlag strengen Hygienevorschriften: halbierte Gruppengrößen und große Abstände. Auch im mikrobiologischen Praktikum gilt: durch Plexiglas abgetrennte Arbeitsplätze und kein Austausch von Geräten und Materialien - für jeden einzelnen Platz war von der technischen Assistentin Hanna Beer alles Nötige vorbereitet. Durch die vielen Einzelgruppen musste zusätzlich auf die Samstage ausgewichen werden.

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Praktikum Prozessautomatisierung: Selbst der Roboter trägt Maske

Wie in jedem Labor der Fakultät Bioingenieurwissenschaften geht auch im Prozessautomatisierungslabor nichts ohne Mund-Nase-Bedeckung und Sicherheitsabstand - da macht auch der hauseigene Roboter NAO mit.

Trotz dieser Einschränkungen sind Studierende und Dozenten froh, das theoretische Wissen praktisch üben zu können. Prof. Claudia Brand begrüßte ihre Studierenden im Praktikum Prozessautomatisierung mit den Worten: "Ich lehre hier zwar viel über Digitalisierung, aber ich freue mich so sehr, Sie analog zu sehen!"

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