Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
07.06.2022

HSWT unterstützt die erste Klimakonferenz des Landkreises Freising

Gerhard Radlmayr
Erste Klimakonferenz des Landkreises Freising in den Räumen der HSWT. Im Bild (v.l.n.r.): Landrat Helmut Petz und HSWT-Präsident Dr. Eric Veulliet mit den Referent:innen Lena Kohlrausch, Prof. Dr. Stefan Rahmstorf und Prof. Dr. Stephan Mitschang (Foto: HSWT)
Teilnehmer:innen der ersten Klimakonferenz des Landkreises Freising im Hörsaal der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Foto: HSWT)
Ein grünes Windrad beim Blick aus dem D1-Gebäude der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf soll die Energiewende symbolisieren. (Foto: HSWT)
Bei den Themenwerkstätten der Freisinger Klimakonferenz wurde intensiv über Lösungsansätze diskutiert. (Foto: HSWT)
HSWT-Präsident Dr. Eric Veulliet (rechts) freut sich über das Engagement von Studierenden, die ihre Projektarbeit im Rahmen des Projekts "Photovoltaik auf Freiflächen im Landkreis Freising – Flächenpotenzialanalyse inklusive Gestaltungsempfehlungen" vorstellen. (Foto: HSWT)

Freising – Das Landratsamt Freising hatte mit Unterstützung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) am 20./21. Mai 2022 die erste Freisinger Klimakonferenz am Campus Weihenstephan auf die Beine gestellt. „Wir wollen, wir können, wir müssen und wir werden die Energiewende schaffen“: Landrat Helmut Petz ist überzeugt davon, dass zwangsläufig umgesteuert werden muss, um dem Klimawandel entgegenzutreten.

Die Frage sei allein, „ob wir die Energiewende im Landkreis Freising aus eigener Kraft schaffen oder ob wir uns in wenigen Jahren mit staatlichen Vorgaben und Zwangsmaßnahmen zur Reduzierung der Emissionslast konfrontiert sehen werden“, so Petz weiter: „Nicht handeln ist keine Alternative“. Er erinnerte daran, dass der Kreistag des Landkreises Freising bereits im Jahr 2007 beschlossen hat, den Landkreis bis zum Jahr 2035 komplett aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Es sei zwar schon einiges passiert, aber es müsse schneller vorangehen.

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, konnten die Teilnehmer:innen im Hörsaal den eindrücklichen Worten der Expert:innen entnehmen: „Wir laufen sehenden Auges in eine Klimakatastrophe“, mahnte HSWT-Präsident Dr. Eric Veulliet, Hausherr der Veranstaltung. Die Situation sei ernst und daher werde es langsam Zeit aufzuwachen. „Machen Sie was“, so der eindringliche Appell Veulliets, dem es ein besonderes Anliegen war, die Freisinger Klimakonferenz in den Räumen der „Klimahochschule“ möglich zu machen und das Landratsamt Freising bei der Organisation zu unterstützen.

„Menschengemachter Klimawandel“

Mit Prof. Dr. Stefan Rahmstorf hielt einer der deutschland- und weltweit renommiertesten Klimaforscher das Impulsreferat. „Ich kann leider keinen Optimismus verbreiten“, bedauerte der Professor der 'Physik der Ozeane' der Universität Potsdam. Die Voraussagen der Wissenschaft verhießen seit längerem nichts Gutes, wenn Politik und Gesellschaft beim Klimaschutz nicht gravierend umdenken würden. Extreme Hitze, extreme Niederschlagsereignisse mit Flutkatastrophen sowie Brände auslösende Dürren nehmen unvermindert zu, so Prof. Rahmstorf weiter, der die Schuld daran eindeutig den Menschen zuschreibt: „Die moderne Erwärmung ist komplett menschengemacht“, zitierte er aus dem jüngsten IPCC-Bericht des Weltklimarates 2022. Nun gelte es, eine „Vollbremsung hinzulegen“, um das Ziel einer durchschnittlichen Erderwärmung von maximal 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nicht zu verfehlen. Dafür müssten die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2030 halbiert werden.

Kommunen in der Mitverantwortung

Ziel der Freisinger Klimakonferenz war das Erarbeiten von lokalen und regionalen Handlungsoptionen zur Bremsung des Klimawandels. Dabei legte Landrat Petz besonderes Augenmerk auf die Hauptzielgruppe der Veranstaltung, die gemeindlichen Vertreter:innen: „Die Energiewende liegt nicht nur, aber auch und vor allen Dingen in gemeindlicher Hand“, sagte Landrat Petz. Im Vergleich zu Bund und Ländern hätten die Gemeinden vor Ort wichtige Steuerungsinstrumente und Handlungsoptionen in der Hand: „Legen wir also los!“

Prof. Dr. Stephan Mitschang, Ordinarius für Stadt- und Raumplanung an der TU Berlin, Direktor des Instituts für Städtebau Berlin und einer der Koryphäen des Städtebaurechts in Deutschland, referierte über „Planerische Darstellungs- und Festsetzungsmöglichkeiten zu Klimaschutz und Klimaanpassung“. Flächennutzungs- und Bebauungspläne könnten so gestaltet werden, dass sie dem Klima Rechnung tragen. Über die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der kommunalen Handlungsmöglichkeiten hatte zuvor Lena Kohlrausch berichtet, Doktorandin an der Universität Leipzig.

Themen und Maßnahmen

Der zweite Tag der Klimakonferenz war den „Themenwerkstätten“ gewidmet: Welche Maßnahmen gibt es im Landkreis? Wo wollen wir hin? Welche Hindernisse sind vorhanden? Wie kommen wir zu unserem Ziel? Diese vier Leitfragen standen im Fokus der Diskussion in insgesamt 21 “Werkstattbereichen“ in den für die kommunale Handlungsebene wichtigsten Themenbereichen Energieerzeugung, Energieeinsatz und Energieeinsparung.

Unter fachkundiger und strukturierter Moderation von Moritz Strey (LRA Freising) und Martina Bauer (HSWT) wurden wichtige Erkenntnisse für die Umsetzung der Energiewende im Landkreis Freising erarbeitet. So war man sich einig, dass die Gemeinden bei der Errichtung von Photovoltaik (PV)-Anlagen eine Vorbildfunktion übernehmen sollen. Ein Prozent der Landkreisfläche sollte für PV-Freiflächenanlagen zur Verfügung stehen und es sollen finanzielle Anreize für Bürger:innen geschaffen werden, um die Fläche von PV-Anlagen auf Dächern zu verdreifachen. Gemeinsam wollen die Kommunen dafür sorgen, dass etwa 30 neue Windräder im Landkreis gebaut werden. Dafür gelte es, die richtigen Standorte zu finden. Auch der weitere Ausbau der Solarthermie soll durch Zusammenarbeit und Fördermöglichkeiten der Gemeinden forciert werden. Essentiell sei es, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) noch attraktiver zu gestalten. Weitere Diskussionsthemen waren die CO2-Bindung in den regionalen Mooren und Wäldern sowie alternative und nachhaltige Bauweisen.

Bürger einbeziehen

„Wir müssen die Menschen mitnehmen“, betonte Landrat Petz. „Das gelingt am besten, wenn die Menschen im Landkreis über ihre Handlungsmöglichkeiten informiert werden und von der Energiewende auch persönliche Vorteile haben.“ Deshalb werde es eine weitere Klimakonferenz geben, die sich dann speziell an die Menschen im Landkreis richten wird und wie diese durch finanzielle Anreize, Beratung und Teilhabe einbezogen werden könnten.

Wie geht es weiter?

Die Klimakonferenz war laut den Verantwortlichen der Startschuss einer „Klimadekade“, in der sich entscheiden würde, ob die Energiewende im Landkreis Freising aus eigener Kraft zu schaffen sei. So baten die beiden Energiebeauftragten des Landkreises Freising, Moritz Strey und Ivan Mikan, die Anwesenden dann auch, sich zu Arbeitsgruppen zu den Themen Mobilität, Versorgungsinfrastruktur, CO2-Senken, Energieeinsatz, Energieerzeugung, Rechtsrahmen sowie Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Vernetzung anzumelden. Einige Anmeldungen sind bereits eingegangen. Weitere Anmeldungen per E-Mail an energiewende [at]kreis-fs.de sind herzlich willkommen.

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(Quelle: Pressebericht des Landratsamts Freising vom 27.05.2022, siehe Links)

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