01.06.2016 | Land- und Ernährungswirtschaft

Hans-Josef Fell zu Gast an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Karina Appelmann
Engagiert im Bachelor-Studiengang Management erneuerbarer Energien (ME) an der HSWT: Prof. Dr. Oliver Falk (Verfahrenstechnik), Prof. Dr. Tanja Barton (Studiendekanin), Hans-Josef Fell als Gastreder und Dr. Andreas Horn von Sonnenkraft Freising e.V.
Engagiert im Bachelor-Studiengang Management erneuerbarer Energien (ME) an der HSWT: Prof. Dr. Oliver Falk (Verfahrenstechnik), Prof. Dr. Tanja Barton (Studiendekanin), Hans-Josef Fell als Gastreder und Dr. Andreas Horn von Sonnenkraft Freising e.V.
Hans-Josef Fell (li.) zu Gast an der HSWT mit Prof. Dr. Oliver Falk, Prof. Dr. Tanja Barton, Dr. Andreas Horn von Sonnenkraft Freising e.V. und Vize-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Rommel (v.l.)
Hans-Josef Fell (li.) zu Gast an der HSWT mit Prof. Dr. Oliver Falk, Prof. Dr. Tanja Barton, Dr. Andreas Horn von Sonnenkraft Freising e.V. und Vize-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Rommel (v.l.)
Hans-Josef Fell beim Gastvortrag an der HSWT im Studiengang ME
Hans-Josef Fell beim Gastvortrag an der HSWT im Studiengang ME
"Wenn ich hier in den gefüllten Saal schaue, ist mir nicht Angst und Bange um die Energiewende,“ begrüßte Hans-Josef Fell die Studierenden in den vollen Rängen des Hörsaals beim Vortrag mit dem Fokus "Globale Abkühlung ist machbar"
"Wenn ich hier in den gefüllten Saal schaue, ist mir nicht Angst und Bange um die Energiewende,“ begrüßte Hans-Josef Fell die Studierenden in den vollen Rängen des Hörsaals beim Vortrag mit dem Fokus "Globale Abkühlung ist machbar"

Weihenstephan - Ein besonderer Gast ist zu Besuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Hans-Josef Fell – einer der geistigen Väter des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) 2000 – referiert unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung zur 10H-Regelung und zur Energiewende über das Thema „Globale Abkühlung ist machbar“. Prof. Dr. Barton, Studiendekanin des Bachelor-Studiengangs „Management erneuerbarer Energien“ ist es gelungen, Herrn Fell als Gastredner im Rahmen ihres Moduls „Energierecht“ zu gewinnen. Aufgrund des großen Interesses und der Aktualität wurde der Gastvortrag für alle Interessierten geöffnet. In der anschließenden Diskussion stellt sich Hans-Josef Fell den Fragen der Studierenden. Die besondere Aktualität des Themas wird dadurch deutlich, dass der Vortrag einen Tag nach der Urteilsverkündung des bayerischen Verfassungsgerichtshofes stattfindet, der die sog. 10H-Regelung in Bayern für verfassungsgemäß erklärt hat (höhenbezogener Mindestabstand von Windkraftanlagen in Bayern als Voraussetzung für die bauplanungsrechtliche Privilegierung im Außenbereich).

Hans-Josef Fell war 15 Jahre (1998 – 2013) lang für das Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Bundestages und prägte in dieser Zeit vor allem die Entwicklung der Klima-, Umwelt- und Energiepolitik. Heute ist er als Präsident der Energy Watch Group, einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern, tätig.

Nach der Begrüßung des Referenten durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. Rommel und die Studiendekanin des Studiengangs Management erneuerbarer Energien, Prof. Dr. Barton, begrüßt der Referent die Studierenden mit den Worten „wenn ich hier in den gefüllten Saal schaue, ist mir nicht Angst und Bange um die Energiewende.“

Herr Fell zeigt zu Beginn seines Vortrages die globalen Herausforderungen unserer Zeit auf. Hierbei nennt er die Erderwärmung, die Umweltverschmutzung, peak oil, die Wirtschaftskrise sowie die Flüchtlingsbewegung. Er kommt zu dem Schluss, dass diese Herausforderungen mit der Nutzung fossiler und nuklearer Rohstoffe verbunden sind. Erneuerbare Energien können entscheidend zur Lösung dieser Herausforderungen beitragen, so der Referent. Die Einführung des EEG im Jahr 2000 sei ein Kampf gegen die etablierte Energiewirtschaft gewesen und viele hätten nicht an den Erfolg der erneuerbaren Energien geglaubt. Doch die Väter des EEG sollten recht behalten. Die erneuerbaren Energien entwickelten sich rasant und die Prognose im Jahr 2000 zum Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch für das Jahr 2010 von 12,5% wurde mit 17,0% deutlich überschritten. Die exponentielle Entwicklung der erneuerbaren Energien im Stromsektor in Deutschland – der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch lag im Jahr 2015 bei 32,5% – dürfe nicht abgewürgt werden. Denn schon heute sei die Stromerzeugung aus Windenergie und solarer Strahlungsenergie günstiger als die Stromerzeugung aus neuen Kohle- und Gaskraftwerken. Um die Erde wieder „abzukühlen“ sind nach Fell zwei Punkte unumgänglich: Die Emission von Treibhausgasen muss gestoppt und Kohlenstoff aus der Atmosphäre herausgeholt werden. Nur so können die im Klimavertrag von Paris im Dezember 2015 festgelegten Ziele erreicht werden, erläutert Fell. Um die Treibhausgasemissionen auf null zu senken, ist eine Durchdringung der erneuerbaren Energien erforderlich. Das Herausholen des Kohlenstoffes aus der Atmosphäre kann durch Humusaufbau, großflächige Aufforstung, Begrünung von degradiertem Land, Grünlandbeweidung sowie Umstellung auf biologische Landwirtschaft erreicht werden.

Nach Ansicht des Referenten verhinderten die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und Bayern jedoch eine Umstellung des Energiesystems auf 100% erneuerbare Energien. Zwar führten die Richter des bayerischen Verfassungsgerichtshofes in der Begründung zur Entscheidung am 9.5.2016 an, dass die Festlegung des Mindestabstands auf die 10-fache Anlagenhöhe die verbleibende Fläche für Windenergieanlagen in Bayern erheblich einschränke. Jedoch beseitige die 10H-Regelung nicht den räumlichen Anwendungsbereich für den Privilegierungstatbestand und sei somit verfassungsgemäß, so die Entscheidung der Richter. Sichtlich enttäuscht über diese Entscheidung merkt Herr Fell an: „Die Richter erwähnten in ihrer Entscheidung mit keiner Silbe den Klimaschutz. Aber dies ist doch der Grund, warum wir die erneuerbaren Energien schleunigst ausbauen müssen.“

Hieran anschließend stellt Herr Fell die rhetorische Frage: „Was ist zu tun?“ Zuerst müsse die politisch-mediale Debatte für erneuerbare Energien gestärkt werden. Ferner müsse die Politik Anreize zur Flexibilisierung und zur regionalen Vermarktung der erneuerbaren Energien schaffen. Das im derzeitigen Referentenentwurf des EEG 2016 enthaltene Ausschreibungsmodell bewertet Herr Fell als kontraproduktiv, da hierdurch der Zubau gedeckelt und somit ein ambitionierter Ausbau der erneuerbaren Energien verhindert werde. Weiter führt Herr Fell aus, dass nach dem Wegfall der EEG-Vergütung eine Anschlussvergütung für EE-Anlagen notwendig sei. Es müssten neue Geschäftsmodelle gesucht werden, damit die erneuerbaren Energien unabhängig von einer politischen Unterstützung wirtschaftlich betrieben werden können und eine Kombikraftinvention in Speicher und Erzeugung erfolgt, so der Referent. Die Herausforderungen, welche mit der fluktuierenden Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie einhergeht, könnte durch verschiedene Maßnahmen bewältigt werden. Einerseits könnten Wasserkraft, Biomasse und Geothermie Ausgleichsenergie liefern. Aber auch die Flexibilisierung des Stromverbrauches, die Nutzung der Vielfalt von Speicherinvestitionen, die Verknüpfung der Energiesektoren und auch der Netzausbau sind hierbei nach Ansicht des Referenten von entscheidender Bedeutung. Der Klimaschutz müsse in die Verfassung aufgenommen werden, die Förderung der erneuerbaren Energien fortgeführt, eine Kohlenstoffsteuer eingeführt und Subventionen fossiler und atomarer Rohstoffe beendet werden, damit die Umstellung auf eine vollständig regenerative Energieversorgung möglich wird, erläutert der Referent. Abschließend stellt Herr Fell in seinem Vortrag fest, dass Wirtschaftsunternehmen bereits in erneuerbare Energien investieren und Beteiligungen an Unternehmen, welche mit fossilen Energien ihr Geld verdienen, veräußern. Somit habe die Wirtschaft bereits verstanden, dass fossile und atomare Investments unrentabel seien.

Im Anschluss an den Vortrag stellt sich Herr Fell beherzt der kontroversen Diskussion mit den Studierenden verschiedener Studiengänge über seine Ausführungen zur Machbarkeit der globalen Abkühlung.

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