20.04.2018 | Fakultät Landwirtschaft

Forum ländliche Regionalentwicklung: Fachlicher Austausch über Perspektiven und Chancen ländlicher Regionen

Prof. Dr. Manfred Geißendörfer

Triesdorf - Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat am 19. April 2018 zum "Forum Ländliche Regionalentwicklung" geladen. Mehr als 200 Fachbesucher und Studierende haben über Themen der sozialen Dorfentwicklung, Chancen der Digitalisierung, den Aufbau regionaler und ökologischer Wertschöpfungsketten sowie Möglichkeiten zur Verminderung des Flächenverbrauchs diskutiert. Veranschaulicht wurden die Themen durch zahlreiche Modellvorhaben aus Bayern und darüber hinaus.

Ländliche Räume müssen sich zahlreichen Herausforderungen stellen, um im Wettbewerb bestehen zu können, etwa der nachhaltigen Energieerzeugung, dem Flächenverbrauch, demografischen Wandel, soziale Infrastrukturen, aber auch der Digitalisierung, Nahversorgung und regionalen Wertschöpfung. Vertreter aus Wissenschaft, Landwirtschafts- und Heimatministerium sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind sich einig: die Rahmenbedingungen für das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum werden sich ändern.

Der ländliche Raum macht 85 Prozent des EU-Gebiets aus. Um diesen zu stärken wurde Cork 2.0, ein Zehn-Punkte-Plan, erstellt, der strategische Leitlinien für einen modernen und wettbewerbsfähigen ländlichen Raum vorgibt. Kernforderung sind Investitionen in das Potenzial ländlicher Gebiete - nicht nur in Bezug auf Arbeitsplätze und Wachstum, sondern auch auf eine bessere Verknüpfung mit anderen Politikbereichen, um etwa Klimawandel und Integrationsaufgaben bewältigen zu können, so Heino von Meyer, Leiter des OECD-Center Deutschland.

Hubert Bittlmayer, Amtschef im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, erinnerte an die umfassenden Hilfen für Dorf- und Regionalentwicklung, die über verschiedene bayerische Förderprogramme für eine möglichst eigenständige Entwicklung der ländlichen Gebiete zur Verfügung gestellt werden. Nach wie vor repräsentiere der ländliche Raum die Vielfalt Bayerns durch seine Kulturlandschaften und müsse durch eine zukunftsorientierte Politik in seiner Leistungsfähigkeit weiter gestärkt werden. Nicht zuletzt deshalb sei der Freistaat einer der attraktivsten Wohn-, Wirtschafts- und Urlaubsstandorte in Europa.

Die zunächst sektoral ausgerichtete Strukturpolitik entwickle sich in vielen kleinen Schritten zu einer stärker räumlichen und Sektor übergreifenden Politik, wie Prof. Dr. Otmar Seibert, HSWT, die Bemühungen zur Entwicklung ländlicher Räume erläuterte. Auf dem Weg dahin seien neue Handlungsschwerpunkte gesetzt und die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft erweitert worden. So könnten ländliche Gebiete heute individuelle Strategien erarbeiten und „Alleinstellungsmerkmale“ so ausbauen, dass eine hohe Lebensqualität gesichert, das regionale Standortprofil geschärft und neue regionale Märkte erschlossen werden können. Eine multi-sektorale räumliche Entwicklungspolitik „aus einem Guss“ scheitere aber immer noch häufig an der dazu notwendigen Koordinierung der Ziele und Fördermaßnahmen der verschiedenen Fonds und Ressorts.

Welche Stellschrauben sich durch regionale Initiativen und regionale Politik überhaupt beeinflussen lassen, erläuterte Gerhard Wägemann, Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in seinem Beitrag. Am Beispiel der Zukunftsinitiative Altmühlfranken zeigte er, wie beispielsweise Wirtschaftsförderung, Tourismus, Bildung, Demografie, Familie und ehrenamtliches Engagement in einer Organisationseinheit gebündelt werden können. Dadurch ließen sich in der Projektberatung und -umsetzung, aber auch in der Außendarstellung des Landkreises, viele Synergien nutzen.

In vier thematischen Foren wurden zudem Projektbeispiele und Strategien gezeigt, um grundlegende Entwicklungen benennen und Handlungsansätze für die eigene Region identifizieren zu können. Ein Kompetenz-Netzwerk zum Thema Demenz in der Rhön, ein Digitaler Dorfladen im Steinwald und der Aufbau neuer Partnerschaften in der Regionalvermarktung in bayerischen Ökomodellregionen verdeutlichten, wie individuell solche Entwicklungsvorhaben aussehen können. Auch Möglichkeiten zur effizienteren Nutzung von Flächen gemäß „Innen- vor Außenentwicklung“ wurden in Impulsvorträgen vorgestellt.

Dass die kontinuierliche Arbeit an Transferlösungen eine Aufgabe vieler regionaler Managementstellen ist, wurde in der abschließenden Zusammenfassung von Prof. Dr. Manfred Geißendörfer deutlich. Deshalb sei es wichtig, Fachpersonal mit Querschnittskompetenzen für regionale Entwicklungsaufgaben auszubilden. Der nun auch mit Unterstützung der regionalen Politik gesicherte Masterstudiengang Regionalmanagement der HSWT helfe, den steigenden Bedarf für solche Aufgaben und Prozesse zu decken.

Das Fachforum Ländliche Regionalentwicklung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird in regelmäßigen Abständen eine Plattform für Akteure aus Praxis, Wissenschaft, Politik und Verwaltung bieten, um wechselseitig Forschungsergebnisse, Best Practice-Erfahrungen und Netzwerkwissen auszutauschen.

Kontakt

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Am Hofgarten 4
85354 Freising

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
T +49 8161 71-3416
presse [at]hswt.de