19.09.2017

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und Hochschule Weihenstephan-Triesdorf vereinbaren Förderung für Nachwuchskräfte aus Afrika und Forschungsprojekte für Afrika

Tanja Tenschert
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zu Besuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zu Besuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Kooperationsvereinbarung unterzeichnet
Kooperationsvereinbarung unterzeichnet: 25 junge Agrar-Fachkräfte aus Afrika werden künftig an der HSWT in einem Postgraduiertenkurs ihr Wissen über "Wertschöpfungsketten in der Agrarwirtschaft" vertiefen.
Versuchsanbau mit Salat Lollo Rosso unter der "Augsburger Tubular Photovoltaikanlage" auf dem Gelände der HSWT
Versuchsanbau mit Salat Lollo Rosso unter der "Augsburger Tubular Photovoltaikanlage" auf dem Gelände der HSWT
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zu Besuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller zu Besuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Zusage der Forschungsförderung
Die Forschung im Bereich Bewässerung und Agro-Photovoltaik der HSWT wird künftig vom BMZ gefördert: Vizepräsident Prof. Dr. Markus Reinke, Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, Prof. Dr. Sebastian Peisl, MdB Erich Irlstorfer, Prof. Dr. Bruno Ehrmaier (v.l.n.r.)

Weihenstephan | Triesdorf – 25 junge Agrar-Fachkräfte aus Afrika werden künftig die Chance haben, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in einem Postgraduiertenkurs ihr Wissen über "Wertschöpfungsketten in der Agrarwirtschaft" zu vertiefen. Im Rahmen eines Besuches auf dem Campus in Triesdorf unterzeichnete Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller kürzlich eine entsprechende Vereinbarung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit der HSWT. Das gemeinsame Angebot richtet sich an herausragende Master-Absolventen von Universitäten in ausgewählten afrikanischen Partnerländern, wie das BMZ mitteilte. Die afrikanischen Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler können einen fünfmonatigen Postgraduiertenkurs an der Hochschule belegen, der durch einen Grundlagensprachkurs in Deutsch ergänzt wird. Die fachliche Ausbildung umfasst Studienarbeiten und Lehrveranstaltungen zur nachhaltigen Agrarproduktion, zu Planung und Management von Wertschöpfungsketten, zur Analyse von Märkten sowie zur Entwicklung von Geschäftsideen für den einheimischen Markt. Die Module haben einen hohen Praxisbezug. Ein Alumni-Netzwerk soll zudem die Kooperation zwischen der HSWT und den Hochschulen der Partnerländer stärken.

Die Kooperation des Bundesentwicklungsministeriums mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist eingebettet in das BMZ-Leuchtturm-Vorhaben "Grüne Innovationszentren" und den "Marshallplan mit Afrika": Allein in Afrika hat das BMZ inzwischen dreizehn Innovationszentren eingerichtet, deren Ziel unter anderem die Vermittlung moderner und nachhaltiger Anbaumethoden für die Landwirtschaft ist.

Die Teilnehmer des Postgraduiertenkurses werden aus den dreizehn Partnerländern mit Innovationszentren kommen. Jährlich kommen 20 Millionen junge Menschen in Afrika neu auf den Arbeitsmarkt. Klimawandel und die Sicherung einer angemessenen Ernährung für eine schnell wachsende Bevölkerung sind zentrale Herausforderungen der afrikanischen Landwirtschaft. Deswegen sind gut ausgebildete und mit einer modernen Agrarwirtschaft vertraute Nachwuchsführungskräfte wichtig, um neue berufliche Perspektiven in ihrer Heimat zu schaffen.

Agro-Photovoltaik und optimierte Bewässerungssysteme

Hilfe zur Selbsthilfe wolle er schaffen, so Müller. Und so informierte er sich einige Tage später bei einem weiteren Besuch in Weihenstephan über geeignete Forschungsprojekte der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, deren Ergebnisse direkt in Afrika zur Anwendung kommen könnten. Etwa die Mehrfachnutzung von Photovoltaikanlagen. Seit 2013 beschäftigt sich Prof. Dr. Bruno Ehrmaier beispielsweise mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche unterhalb von Photovoltaikanlagen. Insbesondere in (semi-)ariden Gebieten können so neben der Energiegewinnung auch noch eine durch den Schatten optimierte Pflanzenproduktion oder eine offene Viehhaltung erfolgen. Mittels flexibler Dachrinnen kann zudem Wasser in Tanks für Trockenzeiten gesammelt werden.

Eine weitere Agro-Photovoltaik-Anlage ("Augsburger Tubular Photovoltaik") mit  Produktionsbedingungen unter niedrig aufgeständerten Photovoltaik-Modulen (2 - 2,5 m) stellten Dr. Michael Beck und Dr. Vesselinka Petrova-Koch vor. Die Anlage besteht aus Rohrmodulen aus gehärtetem Glas, die mit Photovoltaikzellen ausgestattet sind. Die Röhren zeigen gegenüber Photovoltaik-Platten eine deutlich geringere Lichtminderung. Daher wurde der Ertrag in Versuchsreihen vor Ort lediglich um 7 bis 20 Prozent reduziert, verglichen mit einem Freilandanbau. Im einstrahlungsintensiven Afrika würde es voraussichtlich keine Ertragseinbußen geben. Bei den bislang unter dieser Anlage kultivierten Gemüsearten habe sich der Schatten sogar positiv auf die Pflanzenfrischmasse ausgewirkt. Unter afrikanischen Bedingungen sei demnach ein für Pflanzen besseres Klima zu erwarten. Für die serienmäßige Entwicklung der Photovoltaik-Zellen suchen die Projektleiter nun eine Firma, die Aufständerung müsse noch optimiert werden, ansonsten sei das System einsatzbereit.

Ein effizienter Umgang mit der Ressource Wasser könne zudem erreicht werden, wenn anstelle der bisher überwiegend eingesetzten Überschussbewässerung, etwa durch Flutbewässerung oder Überkopfberegnung, eine Defizitbewässerung erfolgen würde. Hier werden die Pflanzen nur bei Bedarf gewässert. Gemessen wird dieser Bedarf beispielsweise mittels Sensoren, die die Saugspannung im Boden ermitteln. Erreicht die Spannung einen bestimmten Wert, wird die Bewässerung ausgelöst. Bedarf und zugehöriger Wert variieren je nach Pflanze. Prof. Dr. Sebastian Peisl und Prof. Dr. Nasser Haboub, syrischer Gastwissenschaftler an der HSWT, arbeiten derzeit an einem Bewässerungssytem, das sich ideal auf aride Gebiete übertragen lässt.  Über das "Smart Irrigation with Remote Control" lässt sich die Entwicklung der Pflanzen beobachten und die Bewässerung individuell steuern. Das System lässt sich mit Photovoltaikanlagen kombinieren, die dann den Strom für die Funksteuerung liefern.  Ein Support via Internet ermöglicht beispielsweise Updates der Steuer- und Regelalgorithmen auch über weite Entfernungen.

Bundesentwicklungsminister Müller sicherte eine Förderung der Forschung zu. Im Oktober wird eine Delegation des BMZ die Details besprechen. 

Kontakt

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Am Hofgarten 4
85354 Freising

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
T +49 8161 71-3416
presse [at]hswt.de