Andreas Schwarzer,
Korinna Schmitz,
Kristian Förster
3D-Modell zur Beurteilung der Wirksamkeit von naturbasierten Lösungen (2026) Poster auf dem Tag der Hydrologie, März 2026 .
Am Beispiel der Stadt Selbitz (Landkreis Hof) wurden im Projekt SCHWAMMBOX neue Ansätze zur Bewertung, Modellierung und praxisnahen Umsetzung von naturbasierten Lösungen entwickelt. Diese werden im Weiteren als ‚Schwammflurmaßnahmen‘ bezeichnet. Selbitz engagiert sich seit einer Überschwemmung mit Schäden in Millionenhöhe im Jahr 2021 aktiv in Fragen der Klimaanpassung und hat bereits erste Maßnahmen im Rahmen eines vorangegangenen Pilotprojekts umgesetzt. Die enge Zusammenarbeit mit kommunaler Verwaltung, lokalen Initiativen und der Bevölkerung ermöglicht eine praxisorientierte Umsetzung wissenschaftlicher Konzepte. Der technische Teil des Projekts verfolgt zwei Schritte: Modellierung – Darstellung des Wasserhaushalts unter Berücksichtigung von Schwammflurmaßnahmen.Toolbox „Schwammbox“ – Ableitung einer Effizienzbewertung und Übertragbarkeit auf andere Regionen. Neben der technischen Umsetzung soll die Akzeptanz für Schwammflurmaßnahmen gestärkt und die Menschen vor Ort zu befähigt werden, langfristig Verantwortung für eine klimaresiliente Entwicklung zu übernehmen. Schwammflurmaßnahmen sollen mithilfe einer hydrologischen Modellierung in Form von räumlich in drei Dimensionen differenzierten, physikalisch basierten Modellen im Catchment Modelling Framework (CMF; KRAFT et al. 2011) abgebildet werden. Für die Modellierung wurde CMF gewählt, da es als flexibler, physikalisch basierter Modellbaukasten die Abbildung komplexer hydrologischer Prozesse ermöglicht und frei verfügbar ist. Der 3D-Ansatz berücksichtigt sowohl horizontale als auch vertikale Strukturen, um die Interaktionen zwischen Oberflächen, Bodenschichten und Vorfluter realistisch darzustellen. Im Fokus steht dabei, wie sich der Wasserhaushalt durch die Maßnahmen über die Zeit verändert – insbesondere im Kontext von Starkregen und Dürre. Die Modellierung unterstützt das Gesamtziel des Projekts, die Wirksamkeit von Schwammflurmaßnahmen besser zu verstehen und langfristig übertragbare Erkenntnisse für andere Kommunen, Projekte und Modellregionen zu gewinnen. Dabei werden auch Lösungsansätze entwickelt, die eine Kalibrierung des Systems ohne klassische Messstationen ermöglichen. Das Modell zur Simulation wird nach Fertigstellung als Open-Source-Software veröffentlicht. Für die Plausibilisierung und Kalibrierung des Modells werden zwei Datenquellen genutzt: (1) Wasserstandsdaten und Abflussmengen im Vorfluter, erhoben durch Citizen Science (CrowdWater), und (2) Bodenfeuchtedaten aus drei CRNS-Sensoren (Cosmic-Ray Neutron Sensing, eine Methode zur flächenhaften Erfassung der Bodenfeuchte). Erste Plausibilisierungen mit den Citizen-Science-Daten zeigen eine vorläufige Übereinstimmung mit den Simulationsergebnissen und liefern Hinweise auf stimmige Modellannahmen. Die CRNS-Sensoren sind seit Sommer 2025 an drei Schwammflurmaßnahmen in Selbitz installiert und sammeln kontinuierlich Daten. Bis Anfang 2026 sollen sie kalibriert werden, um die Echtdaten und die modellierten Daten zu vergleichen und das Modell weiter zu validieren. Dieses Poster stellt den entwickelten Modellansatz schematisch dar und es werden erste Ergebnisse der für die Kalibrierung genutzten Daten von CRNS und CrowdWater dargestellt und verglichen. Zudem wird ein Ausblick auf die geplante Toolbox des Modells aufgezeigt, welches eine generalisierte Übertragung der Projekterkenntnisse auf ähnliche Fragestellungen erlauben soll. Das entwickelte Modell mit seiner Toolbox richtet sich an Landschaftsplaner:innen und Hydrologen:innen, um die hydrologischen Effekte von Schwammflurmaßnahmen im Rahmen des Wassermanagements in der Landschaft besser einzuschätzen zu können.
Trotz großer Anstrengungen und vieler kostenintensiver Maßnahmenumsetzungen scheint die Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie in weiter Ferne. In vielen Fällen ist dies vor allem auf hydromorphologische Defizite zurückzuführen, so auch an der Diemel, ein 110,5 Kilometer langes Nebengewässer der Weser in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Diese Studie soll aufzeigen, wie mit geringen finanziellen Mitteln und auf Initiative des bewirtschaftenden Vereins („low-budget/bottom-up“ Ansatz) eine naturnahe Gewässerentwicklung nach WRRL-Vorgaben zum Erfolg führen kann. Die Gesamtkosten von 120.000 € für 1,5 km Gewässerstrecke an der Diemel belegen, dass eine ökologische Aufwertung nicht an hohe Budgets gebunden sein muss. Getragen vom Wasserverband Diemel Marsberg (mit 80% Förderung durch die Bezirksregierung Arnsberg, NRW) und seit 2018 initiiert und organisiert durch planar e.V., sowie weiteren Partnern vor Ort, steht die Maßnahme für gelebte Bürgerbeteiligung. Weiterhin verbindet das Projekt praktischen Gewässerschutz mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Kooperation mit der Universität Kassel und schafft so eine mögliche Blaupause für vergleichbare Vorhaben.Die Umsetzung der Renaturierung war gezielt auf die unmittelbare Behebung der Schlüsseldefizite ausgerichtet und konzentrierte sich auf die Umlenkung in neu profilierte Gerinne mit punktueller Verplombung des Altlaufs, wobei sämtliches Aushubmaterial vor Ort verblieb. Durch grobe Vorstrukturierung, Totholzeinbau und Anlage von Pool-Riffle-Sequenzen wurde die eigendynamische Entwicklung initiiert. Ein iterativer Prozess mit wiederholten, gezielten Kleinsteingriffen ermöglichte herausragende ökologische Verbesserungen bei sehr niedrigen Kosten. Die die Umsetzung erfolgte im Zeitraum von zwei Förderperioden mit vier konzentrierten Bauphasen mit einem Gesamtzeitaufwand von 4-5 Wochen - jeweils im Spätherbst bis Frühjahr der Jahre 2023/2024 und 2024/2025.Die Wirkung der Renaturierung konnte bereits nach kurzer Zeit nachgewiesen werden. Ein Monitoring von insbesondere der Gewässerstruktur und der Fischfauna nach dem BACI-Design dokumentiert die positive Entwicklung. Die Ergebnisse zeigen eine mehr als verdoppelte Gewässeroberfläche mit neuer Strukturvielfalt und einer Verbesserung des Habitatindexes von „deutlich verändert“ auf „gering verändert“ bis „unverändert“. Weiterhin konnte eine schnelle Besiedlung durch Fisch-Leitarten mit Reproduktionsnachweis (u.a. Äsche und Elritze) bei gleichzeitig verbessertem Hochwasserrückhalt beobachtet werden. Die ökologische Entwicklung zeigt damit eine außergewöhnlich schnelle und positive Dynamik.Eine Besonderheiten der Maßnahme ist, dass diese von engagierten Privatpersonen initiiert wurden und zeigt, wie zivilgesellschaftliches Engagement Renaturierungen erfolgreich kooperativ und kosteneffizient vorantreiben und umsetzen kann. Durch innovative Methoden wie der Wiederverwendung des Aushubs vor Ort und einen iterativen Prozess mit wiederholten, gezielten Kleinsteingriffen erreichten wir herausragende ökologische Verbesserungen zu außergewöhnlich niedrigen Kosten. Dafür wurde unser bereits durch die Deutschen Umwelthilfe prämiert. Es soll engagierten Bürgern und Gewässerentwicklungsplaner helfen ähnliche Projekt zu initiieren.
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Andreas Schwarzer,
Bastian Steinhoff-Knopp,
Daniel Westerholt,
Kristian Förster
Minimale Aufbauhöhen von Gründächern können den Abflussbeiwert gegenüber versiegelten Flächen halbieren (2025) Posterpräsentation auf dem Tag der Hydrologie 2025 in Augsburg, 19.-21.03.2025 .
In diesem Projekt sollen Schwammflurmaßnahmen bzw. deren Umsetzung in der Landschaft aus hydrologischer Sicht begleitet werden, um eine Toolbox für die zukünftige Planung solcher Maßnahmen zu …
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