Weltregenwaldtag 2026: Schutz und Nutzung als gemeinsame Aufgabe
HSWT-Professor Dietrich Darr erklärt am heutigen Weltregenwaldtag, wie internationale Forschung, lokale Wertschöpfung und Nicht-Holz-Waldprodukte zum Schutz der Regenwälder beitragen.
Dietrich Darr ist Professor für nachhaltige und resiliente Farm- und Ernährungssysteme an der Fakultät Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung. Gemeinsame mit internationalen Kolleg:innen hat er einen Policy Brief für die International Union of Forest Research Organizations (IUFRO) verfasst. Ihr Ziel: die Förderung von Ansätzen für eine nachhaltige waldbasierte Bioökonomie. Der Brief wurde am 12. Mai 2026 auf dem UN Forum on Forests (UNFF21) vorgestellt.
Herr Prof. Darr, wie wichtig ist internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit für eine waldbasierte Bioökonomie?
Dietrich Darr: Internationale Zusammenarbeit ist absolut zentral, weil die großen Treiber der Wald- und Bioökonomiekrise – Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Ressourcenknappheit und soziale Ungleichheiten – grenzüberschreitend wirken. Unser Policy Brief zeigt, wie Wissen aus Forstwissenschaft, Ökologie, Ökonomie und Politik weltweit gebündelt werden kann. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit lokalen Zielgruppen, damit Lösungen vor Ort funktionieren. Ohne internationale Kooperation blieben viele Initiativen fragmentiert und weniger wirksam.
Welche Bedeutung haben Nicht-Holz-Waldprodukte und warum werden sie noch immer unterschätzt?
Nicht-Holz-Waldprodukte (NWFP) wie Lebensmittel, Arzneipflanzen oder Naturfasern tragen wesentlich zu Ernährungssicherheit, Einkommen und kultureller Identität bei. Gleichzeitig können sie fossile Rohstoffe ersetzen, oft biologisch abbaubar und weniger problematisch. Ihre Nutzung ist häufig mit Biodiversitätsschutz vereinbar. Politisch bleiben sie dennoch unterschätzt, weil Waldpolitik traditionell auf Holz und Flächenschutz fokussiert ist und NWFP in kleinteiligen Wertschöpfungsketten weniger sichtbar sind.
Was zeigt Ihre Forschung in Brasilien über das Zusammenspiel von Nutzung und Schutz?
Produkte wie Açaí, Paranüsse oder Pequi stammen aus naturnahen Waldsystemen, deren Erhalt Voraussetzung für ihre Nutzung ist. Die Paranuss ist ein besonders anschauliches Beispiel: Sie wächst nur in intakten Ökosystemen und schafft durch lokale Verarbeitung Einkommen. Zertifizierungen eröffnen den Zugang zu Nischenmärkten und verstärken den Anreiz, Wälder zu erhalten.
Was sollte am Weltregenwaldtag im Fokus stehen?
Entscheidend sind klare Landrechte, bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, die Beteiligung lokaler Gemeinschaften und mehr Nachfrage nach entwaldungsfreien Produkten. Finanzierungsmodelle wie CO2‑Märkte oder Zahlungen für Ökosystemleistungen können den Waldschutz stärken. Schutz und nachhaltige Nutzung dürfen nicht als Gegensatz verstanden werden, sondern als gemeinsame Aufgabe.