„Man darf die Leichtigkeit nie verlieren.“
Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft (IYWF 2026) rückt die HSWT jeden Monat Frauen ins Licht, die Landwirtschaft und Ernährungssysteme prägen.
Vanessa Simon hat im Sommer 2026 ihr Studium der Landwirtschaft am Campus Triesdorf abgeschlossen. Zuhause arbeitet sie auf dem elterlichen Bio-Betrieb mit Acker- und Gemüsebau mit Direktvermarktung. Dort ist sie für den Gemüsebau, das betriebliche Verwaltungswesen sowie die Betreuung der Social-Media-Kanäle zuständig.
Was hat Dich zum Studium Landwirtschaft Triesdorf geführt?
Die Liebe zur Landwirtschaft habe ich bereits durch das Aufwachsen auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb mit auf den Weg bekommen. Nach meinem Abschluss an der FOS in Triesdorf habe ich schon ganz klar gewusst: ein Studium in Triesdorf wird folgen! Der Ort hat mich begeistert, da die familiäre Atmosphäre mit der fachlichen Kompetenz hier Hand in Hand gehen. Die HSWT hat mich dann mit ihrem praxisnahen Studium überzeugt: Vom Hörsaal zum Acker oder zu den Landmaschinen waren es oft nur wenige Meter.
Welche Aufgaben erwarten Dich beruflich in der Zukunft?
Voraussichtlich in den nächsten Jahren werden mein Bruder und ich gemeinsam den Bio-Betrieb meiner Eltern übernehmen. Er wird sich hauptsächlich auf den Ackerbau konzentrieren und ich werde für den Gemüsebau verantwortlich sein, aber natürlich hilft man einander auch aus. Ich freue mich darauf, meine Ideen in den Betrieb einbringen und nachverfolgen zu können. Für mich ist es ein großer Schritt von der Theorie in die reale Arbeitswelt, aber ich freue mich auf die Herausforderungen und Möglichkeiten, die die Übernahme mit sich bringt.
Welche Erfahrungen hast du in der Vergangenheit als Frau in der Landwirtschaft gemacht?
Ich habe schon gemerkt, dass mir einige Aufgaben, die überwiegend von männlichen Kollegen getätigt werden, nicht zugetraut wurden. Hier musste ich teilweise stark dafür kämpfen, dass man mir die Möglichkeit des Versuchens zugesteht, um dann zeigen zu können, dass ich diese Aufgaben auch als Frau bewältigen kann.
Frauen in der Landwirtschaft werden oft noch belächelt oder dass eine Frau einen Traktor fährt, immer noch als Besonderheit angesehen. Es stimmt, dass Frauen Dinge manchmal etwas anders angehen, sich manchmal mehr Gedanken über Lösungsansätze machen und erst dann ausprobieren, aber ich sehe darin keinen Nachteil – neue Lösungen brauchen manchmal einen Perspektivenwechsel und Vorbereitung.
Was hat dir als Frau in der landwirtschaftlichen Branche geholfen, um weiterzukommen und was rätst du anderen Frauen?
Ich denke, eine gute Mischung aus Struktur und Flexibilität. Eine grobe Struktur im Arbeitsalltag zu haben, ist absolut notwendig, gerade wenn man viele Faktoren zeitgleich im Blick behalten muss. Gleichzeitig ist es gerade in der Landwirtschaft wichtig, flexibel zu bleiben und immer weiterzumachen. Auch, wenn es nicht nach Plan geht, darf man die Leichtigkeit nie verlieren. Als Frau in dieser Branche ist es unglaublich wichtig, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu haben und sich nicht von anderen einschüchtern zu lassen. Der Glaube an sich selbst und seine Ideen ist der erste Schritt zu innovativen und kreativen Lösungen und davon kann man in der Landwirtschaft nie genug haben!
Wie ist deine Meinung zur UN-Kampagne IYWF?
Ich finde es schön, dass den Frauen in der Landwirtschaft ein ganzes Jahr gewidmet wird. Im Alltag, aber auch auf Messen oder Tagungen, ist der landwirtschaftliche Bereich immer noch sehr männerdominiert. Daher freut es mich, durch die Kampagne auch von Geschichten anderer Frauen aus der Landwirtschaft zu erfahren und Impulse für mich selbst sammeln zu können.