Larven der Schwarzen Soldatenfliege als Proteinfuttermittel
Prof. Dr. Jörg Rühle von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) forscht intensiv zur Schwarzen Soldatenfliege (BSF). Beim Triesdorfer Werkstattgespräch gab er Einblicke in seine Arbeit.
Den Dialog mit Prof. Dr. Jörg Rühle führte Prof. Dr. Klaus-Peter Wilbois im Rahmen der Triesdorfer Werktstattgespräche im Wintersemester 2024/25. Dieser ist hier zusammengefasst wiedergegeben.
Wie trägt die Zucht von Soldatenfliegenlarven zu einer angestrebten Kreislaufwirtschaft bei, insbesondere im Hinblick auf die Verwertung von sonst ungenutzten organischen Abfällen?
Die Schwarze Soldatenfliege (BSF) kann aus einer Vielzahl von organischen Materialen hochwertiges Proteinfuttermittel erzeugen. Sie ist anspruchslos und wandelt wenig wertvolles Material in hochwertiges Eiweiß und Fett um. Dies trägt zu einer nachhaltigen Nutzung organischer Reste bei, die sonst entsorgt würden.
Welche ökologischen Vorteile bietet die Nutzung von Soldatenfliegenlarven als Proteinquelle im Vergleich zu traditionellen Futtermitteln wie Soja oder Fischmehl?
Fischmehl ist hochwertig, aber aufgrund der Überfischung problematisch. BSF-Larven könnten eine nachhaltige Alternative sein. Soja verursacht durch Anbau und Transport hohe CO2-Emissionen. Durch heimisch erzeugte BSF-Larven könnten diese Emissionen reduziert und der Regenwald geschont werden.
Welche Rolle können die Larven der BSF mittel- bis langfristig bei der Proteinversorgung von monogastrischen Nutztieren wie Schweinen und Geflügel spielen, und gibt es bereits praktische Erfahrungen in der Fütterung?
BSF-Mehl darf nicht in der Wiederkäuerfütterung eingesetzt werden, kann jedoch andere Proteinquellen in Rationen für Schweine, Geflügel und Fisch teilweise oder gänzlich ersetzen. In Hunde- und Katzenfutter ist die BSF oftmals bereits ein fester Bestandteil. In Ländern wie Thailand und Uganda wird BSF bereits flächendeckend als Proteinfuttermittel genutzt.
Wie könnten BSF-Larven zur globalen Ernährungssicherung innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen beitragen?
Während heute ca. 2300 m2 Fläche zur Ernährung eines Menschen jährlich zur Verfügung stehen, werden es 2050 schätzungsweise nur noch 1500 m2 sein. Insekten bieten eine flächenunabhängige Proteinquelle. Allein in Deutschland fallen jährlich mehr als 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Diese Mengen sind willkommene Futtergrundlagen für unterschiedliche Insektenarten zur Bereicherung der Nahrungsgrundlage. Und gerade in Entwicklungsländern mit wenigen technischen und finanziellen Möglichkeiten lassen sich Insekten wie die Schwarze Soldatenfliege zur Schließung der Proteinlücke mit überschaubaren Mitteln erzeugen.
Gibt es Vorbehalte oder Missverständnisse in der Öffentlichkeit gegenüber der Nutzung von Insekten und deren Larven als Futter- oder Lebensmittel, und wie könnte man diese gegebenenfalls abbauen?
In unserem Kulturkreis tun wir uns noch schwer, Insekten zu füttern oder gar zu verzehren. Durch Aufklärung und Kommunikation könnten dabei Vorbehalte abgebaut werden. Eine Verkostung von Insektenprodukten könnte helfen, den Genuss daran zu entdecken. Bei unseren Nachbarn in Frankreich gibt es wesentlich weniger Berührungsängste. Und die Insektenzucht ist weltweit auf dem Vormarsch.