HSWT Gründungsstories | Teil 60: JangaVoice
JangaVoice ist ein digitales Multi-Gefahren-Frühwarnsystem, das pastoralistische und agro-pastoralistische Gemeinschaften* in Kenias Trockengebieten mit lokalen Warnhinweisen, Marktdaten, Wasserquellen-Monitoring und Servicezugängen unterstützt. Hinter dieser Innovation steht HSWT-Alumnus Somo Guyo Jattani, der seine Erfahrungen aus dem Studium und dem SUN-Netzwerk nutzt, um Forschung in praktische Lösungen für Ernährungssicherheit und Resilienz umzusetzen. Somo hat 2025 ein Village Semester im Rahmen des Masterstudiengangs Sustainable Regional Development am Campus Triesdorf absolviert.
Was macht JangaVoice genau?
Somo: JangaVoice ist ein digitales Frühwarnsystem, das lokale Warnungen zu Dürre, Überschwemmungen, Vegetation und Ernährungslage bereitstellt. Wir überwachen Wasserquellen über IoT-Sensoren, ermöglichen die Buchung von Veterinär- und Agrovet-Diensten und liefern tägliche Marktpreise. Unser Ziel ist es, gefährdete Gemeinschaften mit verlässlichen Informationen zu stärken.
Wie profitieren die Menschen vor Ort von Deiner Plattform?
Sie erhalten lokale Klima- und Ernährungswarnungen, können Wasserquellen überwachen, Dienstleistungen buchen und Marktpreise abrufen, um faire Preise zu erzielen. Regierungen und NGOs nutzen unsere Dashboards und Hotspot-Karten für Planung und Ressourcenverteilung. Der Privatsektor erreicht Kund:innendirekt und kann Angebote gezielt platzieren.
Warum ist JangaVoice einzigartig?
Wir arbeiten nicht top-down, sondern zweiwegig: Bürger:innen melden Gefahren selbst, wir kombinieren diese Daten mit Technologie und Analytik. Unsere Plattform ist mehrsprachig, offline-fähig und über App, USSD, IVR und SMS zugänglich – also auch für Menschen ohne Internet oder Smartphone.
Wie hat Dich die HSWT und das SUN-Netzwerk geprägt?
Die Innovationskultur der HSWT und die des SUN-Netzwerks hat meinen unternehmerischen Weg stark beeinflusst. Sie hat mir gezeigt, wie man Forschung in praktische Lösungen überführt. JangaVoice ist ein direktes Ergebnis dieser Denkweise.
Wo steht JangaVoice heute und welche Ziele verfolgst Du?
Wir haben erfolgreich in Marsabit County pilotiert und befinden uns nun in der Wachstumsphase. In den nächsten zwei Jahren wollen wir 200.000 Nutzerinnen und Nutzer erreichen, mit drei County-Regierungen und 15 NGOs zusammenarbeiten und unser IoT- und Wetterstationsnetz ausbauen. Langfristig möchten wir eine panafrikanische Resilienzplattform etablieren.
Welche Tipps gibst Du anderen Gründer:innen?
Sieh Probleme als Chancen, entwickle nutzerzentriert, baue Vertrauen in den Communities auf und miss sowohl Wirkung als auch Nachhaltigkeit. Innovation entsteht dort, wo Bedürfnisse ernst genommen werden.
*Anmerkung der Redaktion:
Pastoralistische Gemeinschaften: Menschen, die überwiegend von der mobilen Tierhaltung leben. Sie ziehen mit ihren Herden (z. B. Ziegen, Schafe, Kamele, Rinder) saisonal zu Wasser- und Futterplätzen.
Agro‑pastoralistische Gemeinschaften: Menschen, die Tierhaltung und Landwirtschaft kombinieren.