Globo-Dinner: Impulse für globale Gerechtigkeit

  • Datum: 01.07.2026
Das Publikum sitzt auf Bänken im Foyer des D1-Gebäudes am Campus Weihenstephan.
© Josef Gangkofer

Beim Globo-Dinner am 25. Juni an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) wurde die Weltbevölkerung auf 100 Menschen verkleinert und damit sichtbar, fühlbar und diskutierbar, wie ungleich Ressourcen verteilt sind und welche Verantwortung daraus erwächst.

Man stelle sich vor, 100 Menschen repräsentieren die gesamte Weltbevölkerung. Genau das wurde beim Globo Dinner erlebbar: Ein immersives Live-Experiment, das globale Ungleichheit nicht nur erklärt, sondern emotional erfahrbar macht. Gemeinsam mit der Domberg-Akademie, der Agenda21 Gruppe Faires Forum Freising und der Kolpingfamilie Freising e.V. lud die HSWT rund 100 Teilnehmende ein, bei einem Abendessen die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Globale Realität im Maßstab 1:100

Grundlage des Abends war das Sachbuch „Unser kleines Dorf – Die Welt mit 100 Menschen“ von Josef Nussbaumer, Andreas Exenberger und Stefan Neuner. Im fiktiven Dorf „Globo“ leben 100 Menschen – eine Größe, die dem eigenen sozialen Umfeld ähnelt und globale Zusammenhänge greifbar macht. Beim Globo-Dinner schlüpften die Teilnehmenden in Rollen mit unterschiedlichen Privilegien, wie etwa Zugang zu Trinkwasser, Einkommen und Ernährungssicherheit.

Die Verteilung war drastisch: 10 Prozent saßen am reich gedeckten Tisch mit Drei-Gänge-Menü, 60 Prozent erhielten Reis und Wasser, und 30 Prozent hatten keinerlei Zugang zu Nahrung oder Getränken. Die „Reichen“ saßen zudem mit dem Rücken zu den anderen. Dieser bewusst gesetzte Perspektivwechsel machte Privilegien sichtbar und gleichzeitig unsichtbar.

Das Experiment löste starke Gefühle aus: Ohnmacht, Wut, Schuld, aber auch Hilfsbereitschaft. Wer versuchte, Essen weiterzugeben, wurde wie in realen Machtstrukturen sanktioniert. HSWT-Präsident Dr. Eric Veulliet griff aktiv ein und machte damit soziale Normen sichtbar: „Ungleichheit entsteht nicht nur durch Strukturen, sondern auch durch unser Verhalten. Das Globo Dinner zeigt, wie schwer es ist, Privilegien zu hinterfragen und wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen.“

Flying Interview: Expertise aus Wissenschaft und Praxis 

Im Anschluss folgte ein dynamisches Flying Interview, moderiert von Dr. Claudia Pfrang, Direktorin der Domberg-Akademie und Dr. Eric Veulliet. Expertinnen und Experten mischten sich unter das Publikum und erläuterten globale Zusammenhänge entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Zentrale Impulse gaben:

  • Prof. Dr. Bernhard Schauberger, HSWT: Temperaturanstiege treffen Regionen unterschiedlich hart; Anpassung braucht Humusaufbau, Agroforst und Grünstreifen.
  • Prof. Dr. Özlem Özmutlu, HSWT: Die „Planetary Health Diet“ erfordert deutlich weniger tierische Produkte, um ökologische Grenzen einzuhalten.
  • Joachim Weber, HSWT: In Ostafrika steigt der Weizenkonsum stark, obwohl das Getreide importiert wird. Lokale Wertschöpfung müsse gestärkt werden.
  • Dr. Veronika Hannus, HSWT: Nachhaltigkeit ist im Gründungshub Oberbayern integraler Bestandteil der Qualifizierungsangebote.
  • Melanie Rihm, Lebensmittelretter-Café „Übrig“: Ein Drittel aller Lebensmittel wird entsorgt – die Hälfte davon durch Konsumentinnen und Konsumenten. Hier haben alle Handlungsspielräume. 
  • Rebekka Honecker, Weltladen Freising: Solidarische Landwirtschaft könne Risiken fair verteilen und regionale Ernährungssysteme stärken. 

Fazit: Erfahrung schafft Verantwortung

Das Globo-Dinner setzte als Methode da an, wo Wissen allein nicht reicht. Erst die Erfahrung von Ungleichheit am eigenen Leib öffnet den Raum für tiefere Reflexion. Die Teilnehmenden verließen den Abend mit einem klaren Impuls: Globale Ungerechtigkeit ist menschengemacht, jedoch veränderbar. „Ziel ist nicht Schuld, sondern Verantwortung“, fasste Dr. Claudia Pfrang zusammen. „Jede und jeder hat Handlungsspielräume. Das Globo-Dinner macht sie sichtbar.“ 

  • Claudia Pfrang und Eric Veulliet stehen beide an einem Stehtisch vor einem Publikum im Foyer des D1-Gebäudes am Campus Weihenstephan und halten jeweils ein Mikrofon in der Hand.
    Dr. Claudia Pfrang, Direktorin der Domberg-Akademie, und HSWT-Präsident Dr. Eric Veulliet führten durch den Abend (v. l.). © Josef Gangkofer
  • Eric Veulliet spricht mit einer Person, die an einem Tisch mit anderen Personen sitzt. Dabei hält er ihr sein Mikrofon hin.
    Die Moderation machte sichtbar, wie Privilegien wirken und welche Handlungsspielräume bestehen. © Josef Gangkofer
  • Mehrere Personen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
    Die Teilnehmenden erlebten die ungleiche Ressourcenverteilung im Maßstab 1:100 und tauschten sich über ihre Eindrücke aus. © Josef Gangkofer
  • Veronika Hannus spricht in ein Mikrofon und hält Moderationskarten in der Hand. Hinter ihr sind Personen an einem Tisch zu erkennen.
    Expertinnen und Experten mischten sich unter die Gäste und erläuterten Zusammenhänge entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Im Bild: Dr. Veronika Hannus, Leitung Gründungsförderung SUN – Startup, Unternehmertum, Nachfolge. © Josef Gangkofer

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