Dr. Dieter Lohr referiert bei der HEF-Akademie zum Thema Torfausstieg

Auf einem hölzernen Untergrund im Freien steht eine aufgeklappte Holzkiste mit zwölf Fächern in zwei Reihen und einem mit Holzstreben unterteilten Glasdeckel. Die zwölf Fächer sind jeweil mit zwei Substraten gefüllt, die durch beschriftete Schilder gekennzeichnet sind.
© HSWT

Im Rahmen der Vortragsreihe der Hans Eisenmann-Akademie „Gartenbauwissenschaften: Zukunft gestalten“ im Sommersemester 2025 bot Dr. Dieter Lohr eine Einschätzung zum Torfausstieg bis 2030.

Dr. Dieter Lohr vom Institut für Gartenbau an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf informierte die 30 Teilnehmenden der Online-Vortragsreihe Anfang Juni über das Thema „Torfausstieg bis 2030 – Wunschdenken oder realistische Option?“ und gab neben Einblicken in den aktuellen Stand der Forschung auch sachdienliche Hinweise zur Bewertung von Torfersatzstoffen.

Vom Alleskönner zu herausfordernden Ersatzstoffen

In seinem Vortrag erklärte der Wissenschaftler der HSWT zunächst, warum sich Torf über Jahrzehnte hinweg so großer Beliebtheit erfreuen durfte: Die hohe Wasserspeicherfähigkeit bei gleichzeitiger Durchlüftung mache ihn neben anderen Eigenschaften aus pflanzenbaulicher Sicht zum idealen Ausgangsstoff für Kultursubstrate. Genau darin besteht die Herausforderung bei der Findung eines Ersatzstoffes: Zwar kommen einige der Ersatzsubstrate an die Beschaffenheit des Torfs heran, bis jetzt könne ihn aber keines eins zu eins ersetzen. Hinzu kommen diverse individuelle Herausforderungen der Ersatzstoffe, wie das logistische Problem der langen Lieferketten bei Kokosmark oder der instabile Stickstoffhaushalt bei Holzfasern.

Forschungszwischenstand und Ausblick

Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Verbesserung von Vor-Ort-Analysen, damit die Gartenbaubetriebe den Nährstoffversorgungszustand der Kulturen besser überwachen und schneller auf ungünstige Veränderungen reagieren können. Allgemein liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor allen Beteiligten, damit Ziele wie der vollständige Torfausstieg im Hobbygartenbau bis 2026 und ein weitgehender Verzicht im Erwerbsgartenbau bis 2030 erreicht werden – denn 2024 lag der Torfanteil bei Hobbyerden im Mittel bei etwa 30 % und bei Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau bei etwas über 60 %.

Vermittlungsarbeit in der Branche und im Hobbygartenbau

Dr. Dieter Lohr betonte auch, dass der Umgang mit torffreien Substraten mehr Fachwissen erfordere – eine Vermittlungsarbeit, die bei Produktionbetrieben geleistet werden muss und kann, aber auch beim Hobbygartenbau nicht unterschätzt werden sollte. Denn die Möglichkeiten, auf erfolglose Versuche mit Torfersatzstoffen zu reagieren, sind bei Hobbygärtner:innen begrenzt und ein Wegfall des Freizeitgartenbaus für die Branche folgenschwer. Daher lautet der Appell des Experten, auch über die Branche hinaus zu informieren, um unausgereiftem Halbwissen und Fehlinformationen entgegenzuwirken.

  • Ein Mann mit kurzer Hose und T-Shirt bückt sich über am Boden stehende Kisten mit grünen kleinen Pflanzen und ist mit Werkzeugen in einer Kiste tätig.
    Entnahme von Erdpresstöpfen für die Vor-Ort-Analyse © HSWT
  • Auf einem weißen Untergrund stehen durchsichtige Gläser mit jeweils einem Messgerät am Deckel. In den Gläsern befinden sich Zylinder, die mit Substraten in unterschiedlichen Brauntönen gefüllt sind.
    Bestimmung der mikrobiellen Abbaubarkeit von Torfersatzstoffen mittels des OxiTop-Messsystems © HSWT
  • Eine Frau mit roter Bluse steht im Freien zwischen verschiedenen Pflanzen. Im Hintergrund ist ein Gebäude zu erkennen sowie Bäume, ein bewachsenes Gebäudedach und blauer Himmel.
    Balkonkastenschauanlage mit torfreduzierten und torffreien Blumenerden © HSWT

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