„Die Landwirtschaft ist für mich weit mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung.“

Eine Person mit verschränkten Armen und Brille steht zwischen Gemüsepflanzen und blickt in die Kamera.
© Heike Beyerlein Fotografie

Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft (IYWF 2026) rückt die HSWT jeden Monat Frauen ins Licht, die Landwirtschaft und Ernährungssysteme prägen.

Anna-Lena Dworschak hat ihr Studium Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing & Management (Vorgängerstudiengang Agribusiness) an der HSWT 2023 erfolgreich abgeschlossen. Die Alumna arbeitet seitdem im elterlichen Bio-Gemüseanbaubetrieb, wo sie für die Saisonarbeitskräfte, das Personalmanagement, Zertifizierungen und viele organisatorische Aufgaben zuständig ist. Letztes Jahr übernahm sie die Leitung eines Bio-Milchviehbetriebs mit über 170 Tieren.

Welcher Weg hat Sie in Ihr heutiges Berufsfeld geführt?

Anna-Lena Dworschak: Mir war nicht immer klar, dass mein Weg in die Landwirtschaft führen würde. Durch Zufall bin ich dann auf den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing & Management aufmerksam geworden. Besonders die Vielfalt des Studiums hat mich sofort begeistert. Mir war schnell klar: Das ist genau das Richtige für mich. Während meines Studiums ergab sich die Möglichkeit für unsere Familie, einen damals noch konventionell geführten Milchviehbetrieb zu übernehmen. Seit April 2025 bin ich für den Stall verantwortlich.

Welchen Herausforderungen sind Sie auf Ihrem Weg begegnet?

Der Weg in die Landwirtschaft war nicht immer einfach und bringt auch heute noch Herausforderungen mit sich. Als Frau habe ich oft das Gefühl, mich zunächst beweisen zu müssen. Das kostet viel Kraft, denn viele männliche Kollegen werden selbstverständlich akzeptiert. Trotzdem würde ich mich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden. Die Landwirtschaft ist für mich weit mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung. Es erfüllt mich mit Stolz zu sehen, was ich gemeinsam mit meinem Team im Stall bereits erreicht habe.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Frauen in der Landwirtschaft selbstverständlich als Betriebsleiterinnen, Unternehmerinnen und Entscheidungsträgerinnen wahrgenommen werden. Ich möchte nicht ständig erklären müssen, warum ich einen Betrieb leite oder fachliche Entscheidungen treffe. Es sollte selbstverständlich sein, dass auch Töchter landwirtschaftliche Betriebe übernehmen und Frauen Familienleben und Betriebsführung erfolgreich miteinander verbinden können, ohne dafür hinterfragt zu werden.

Was ist für Frauen wichtig, die in Ihrem Beruf tätig werden möchten?

Sich zu trauen, den eigenen Weg zu gehen! Die Landwirtschaft ist ein unglaublich vielseitiger und erfüllender Beruf. Wer mit Leidenschaft dabei ist, kann hier viel bewegen. Man darf sich nicht von Vorurteilen oder Zweifeln anderer aufhalten lassen.

Wie ist Ihre Einstellung zur UN-Kampagne „International Year of the Woman Farmer“?

Einerseits finde ich es schade, dass es überhaupt ein Themenjahr braucht, um sichtbar zu machen, was Frauen in der Landwirtschaft tagtäglich leisten. Frauen spielen seit Generationen eine tragende Rolle auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Andererseits bietet die Kampagne die Chance, Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen, ihre Leistungen anzuerkennen und jungen Frauen Mut zu geben, ihren eigenen Weg in der Branche zu gehen. Diese Aufmerksamkeit sollten wir nutzen – nicht, um uns darauf auszuruhen, sondern um langfristig mehr Gleichberechtigung und Anerkennung zu erreichen.