Den Garten klimafit machen – Tag des Freizeitgartenbaus

Teilnehmende stehen mit dem Rücken zur Kamera im Kleingarten der HSWT. Es ist eine der Stationen beim Tag des Freizeitgartenbaus
© Franziska Kohlrausch

Die Herausforderungen des Klimawandels sind längst im Gartenalltag angekommen. Bei der Veranstaltung erhielten rund 100 Teilnehmende praxisnahe Einblicke, wie sie ihre Gärten anpassen können.

Die aktuelle Hitzeperiode und ausbleibende Niederschläge zeigen deutlich, dass der Klimawandel auch im Hausgarten spürbar ist. Verschärfte Regelungen zur Wasserentnahme, wie zuletzt in der Stadt München, verdeutlichen zusätzlich die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Wasser. Vor diesem Hintergrund widmete sich der diesjährige Tag des Freizeitgartenbaus an der HSWT der Frage, wie Gärten auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zukunftsfähig gestaltet werden können.

Wasser nachhaltig nutzen

Den Auftakt machte Prof. Dr. Michael Beck, HSWT, mit einem Vortrag zum Thema nachhaltige Bewässerung. Im Fokus standen Maßnahmen sowie Strategien, Niederschläge möglichst lange in der Fläche zu halten. Regenwasser sammeln, bedarfsgerecht gießen und wassersparende Bewässerungssysteme wie die Tröpfchenbewässerung einzusetzen, gehören zu den wichtigsten Anpassungsmaßnahmen.
Der Referent betonte, dass nachhaltiges Wassermanagement nicht auf einer einzelnen Maßnahme beruhe. Vielmehr sei ein Zusammenspiel von Boden, Pflanzenwahl und Bewässerungstechnik erforderlich. Künftig könnten zudem die Nutzung von Grauwasser oder aufbereitetem Wasser an Bedeutung gewinnen.

Vielfalt als Erfolgsstrategie im Gemüsebau

Wie sich der Klimawandel auf den Anbau von Gemüse auswirkt, erläuterte Katrin Kell, HSWT. Viele Hauptgemüsearten gibt es nahezu weltweit, angepasst für unterschiedlichste Klimabedingungen. Es gilt, die richtige Art und Sorte für den jeweiligen Standort zu finden.
Weil die Entwicklung des Klimas aber nicht exakt vorhersehbar ist, minimiert ein vielfältiges Sortiment die Risiken. Empfohlen wurden Arten und Sorten mit geringerem Wasserbedarf und ein möglichst breites Spektrum an Kulturen anzubauen. Als Gewinner bei hohen Temperaturen wurde die Aubergine genannt.

Pflanzen mit natürlichen Anpassungsstrategien

Der Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Hauser, HSWT, zeigte, wie Beet- und Balkonpflanzen Trockenheit und Hitze durch Anpassungen in Morphologie, Anatomie und Physiologie begegnen. Zu nennen sind beispielsweise behaarte Blätter, besondere Blattoberflächen, sukkulente Pflanzen oder das Vorhandensein von Speicherorganen. Er stellte verschiedene Arten aus dem Beet- und Balkonsortiment vor, die sich gut für die zunehmend trockenen und heißen Bedingungen eignen.

Fruchtbare Böden als Schlüssel zur Klimaanpassung

Die enge Wechselwirkung zwischen Klima, Boden und Pflanzenwachstum stand im Mittelpunkt des abschließenden Vortrags von Dr. Annette Bucher, HSWT. 
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung eines gesunden Bodens. Ein gut strukturierter, belebter und humusreicher Boden kann Wasser und Nährstoffe besser speichern und bildet damit die Grundlage für vitale Pflanzen. Eine wichtige Grundregel ist, dass das Wachstum stets durch den Faktor begrenzt wird, der am wenigsten verfügbar ist.
Auch bei der Düngung gelte das Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit: Nicht viel hilft viel, sondern die richtige Versorgung entscheidet über den Erfolg.

Forschung liefert praxisnahes Wissen

Grundlage der Vorträge war das Forschungsprojekt GartenKlima, das am Institut für Gartenbau der HSWT bearbeitet wurde. In zehn Bildungsmodulen werden Themen wie Bewässerung, Pflanzenschutz, Boden und Düngung behandelt. Neben grundlegenden Informationen zum Klimawandel vermitteln die Module vor allem praxisnahe Anpassungsstrategien für einen klimafesten Garten.

Die Veranstaltung machte deutlich: Mit einer durchdachten Pflanzenwahl, einem nachhaltigen Umgang mit Wasser und einem fruchtbaren Boden können Freizeitgärtnerinnen und Freizeitgärtner bereits heute wichtige Maßnahmen ergreifen, um ihre Gärten fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen.

Am Nachmittag wurden die Teilnehmenden in Kleingruppen an vier Stationen auf dem Gelände noch mit praktischen Tipps versorgt.

  • Michael Beck schaut lächelnd in die Kamera. Er referiert im Hörsaal am Tag des Freizeitgartenbaus
    Prof. Dr. Michael Beck, Leitung Institut für Gartenbau, referiert über eine nachhaltige Bewässerung © Franziska Kohlrausch
  • Dr. Annette Bucher steht vor den Teilnehmenden. Rechts neben ihr ist ein Bildschirm zu sehen, der am Tag des Freizeitgartenbaus das Programm Gartenklima zeigt
    Dr. Annette Bucher stellt den Teilnehmenden das Programm GartenKlimA vor © Franziska Kohlrausch
  • Katrin Kell hält einen Feuchtefühler in der Hand und erklärt diesen den Anwesenden am Tag des Freizeitgartenbaus
    Katrin Kell gibt bei der Führung Tipps zur Automatisierung der Bewässerung © Franziska Kohlrausch
  • Lukas Lorff steht im Kleingarten umrahmt von Gemüsekulturen und spricht zu den Teilnehmenden am Tag des Freizeitgartenbaus
    Lukas Lorff zeigt bei den Führungen im Kleingarten Gemüsearten, die gut bei heißen Temperaturen angebaut werden können. © Franziska Kohlrausch
  • Prof. Dr. Bernhard Hauser spricht im Hörsaal am Tag des Freizeitgartenbaus über Beet- und Balkonblumen
    Prof. Dr. Bernhard Hauser referiert über die Anpassungsstrategien von Pflanzen an hohe Temperaturen und Wassermangel. © Franziska Kohlrausch
  • Sebastian Born steht im seitlichen Profil zu der Kamera und gibt am Tag des Freizeitgartenbaus während der Führung Tipps zum Sortiment von Beet- und Balkonpflanzen
    Sebastian Born gibt bei der Führung Informationen zur Züchtungsarbeit von Beet- und Balkonpflanzen. © Franziska Kohlrausch