Den Garten klimafit machen – Tag des Freizeitgartenbaus
Die Herausforderungen des Klimawandels sind längst im Gartenalltag angekommen. Bei der Veranstaltung erhielten rund 100 Teilnehmende praxisnahe Einblicke, wie sie ihre Gärten anpassen können.
Die aktuelle Hitzeperiode und ausbleibende Niederschläge zeigen deutlich, dass der Klimawandel auch im Hausgarten spürbar ist. Verschärfte Regelungen zur Wasserentnahme, wie zuletzt in der Stadt München, verdeutlichen zusätzlich die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Wasser. Vor diesem Hintergrund widmete sich der diesjährige Tag des Freizeitgartenbaus an der HSWT der Frage, wie Gärten auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zukunftsfähig gestaltet werden können.
Wasser nachhaltig nutzen
Den Auftakt machte Prof. Dr. Michael Beck, HSWT, mit einem Vortrag zum Thema nachhaltige Bewässerung. Im Fokus standen Maßnahmen sowie Strategien, Niederschläge möglichst lange in der Fläche zu halten. Regenwasser sammeln, bedarfsgerecht gießen und wassersparende Bewässerungssysteme wie die Tröpfchenbewässerung einzusetzen, gehören zu den wichtigsten Anpassungsmaßnahmen.
Der Referent betonte, dass nachhaltiges Wassermanagement nicht auf einer einzelnen Maßnahme beruhe. Vielmehr sei ein Zusammenspiel von Boden, Pflanzenwahl und Bewässerungstechnik erforderlich. Künftig könnten zudem die Nutzung von Grauwasser oder aufbereitetem Wasser an Bedeutung gewinnen.
Vielfalt als Erfolgsstrategie im Gemüsebau
Wie sich der Klimawandel auf den Anbau von Gemüse auswirkt, erläuterte Katrin Kell, HSWT. Viele Hauptgemüsearten gibt es nahezu weltweit, angepasst für unterschiedlichste Klimabedingungen. Es gilt, die richtige Art und Sorte für den jeweiligen Standort zu finden.
Weil die Entwicklung des Klimas aber nicht exakt vorhersehbar ist, minimiert ein vielfältiges Sortiment die Risiken. Empfohlen wurden Arten und Sorten mit geringerem Wasserbedarf und ein möglichst breites Spektrum an Kulturen anzubauen. Als Gewinner bei hohen Temperaturen wurde die Aubergine genannt.
Pflanzen mit natürlichen Anpassungsstrategien
Der Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Hauser, HSWT, zeigte, wie Beet- und Balkonpflanzen Trockenheit und Hitze durch Anpassungen in Morphologie, Anatomie und Physiologie begegnen. Zu nennen sind beispielsweise behaarte Blätter, besondere Blattoberflächen, sukkulente Pflanzen oder das Vorhandensein von Speicherorganen. Er stellte verschiedene Arten aus dem Beet- und Balkonsortiment vor, die sich gut für die zunehmend trockenen und heißen Bedingungen eignen.
Fruchtbare Böden als Schlüssel zur Klimaanpassung
Die enge Wechselwirkung zwischen Klima, Boden und Pflanzenwachstum stand im Mittelpunkt des abschließenden Vortrags von Dr. Annette Bucher, HSWT.
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung eines gesunden Bodens. Ein gut strukturierter, belebter und humusreicher Boden kann Wasser und Nährstoffe besser speichern und bildet damit die Grundlage für vitale Pflanzen. Eine wichtige Grundregel ist, dass das Wachstum stets durch den Faktor begrenzt wird, der am wenigsten verfügbar ist.
Auch bei der Düngung gelte das Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit: Nicht viel hilft viel, sondern die richtige Versorgung entscheidet über den Erfolg.
Forschung liefert praxisnahes Wissen
Grundlage der Vorträge war das Forschungsprojekt GartenKlima, das am Institut für Gartenbau der HSWT bearbeitet wurde. In zehn Bildungsmodulen werden Themen wie Bewässerung, Pflanzenschutz, Boden und Düngung behandelt. Neben grundlegenden Informationen zum Klimawandel vermitteln die Module vor allem praxisnahe Anpassungsstrategien für einen klimafesten Garten.
Die Veranstaltung machte deutlich: Mit einer durchdachten Pflanzenwahl, einem nachhaltigen Umgang mit Wasser und einem fruchtbaren Boden können Freizeitgärtnerinnen und Freizeitgärtner bereits heute wichtige Maßnahmen ergreifen, um ihre Gärten fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen.
Am Nachmittag wurden die Teilnehmenden in Kleingruppen an vier Stationen auf dem Gelände noch mit praktischen Tipps versorgt.