„An sich glauben – das war für mich entscheidend“
Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft (IYWF 2026) rückt die HSWT jeden Monat Frauen ins Licht, die Landwirtschaft und Ernährungssysteme prägen.
Dr. Kathrin Meinhold forscht im internationalen Projekt EcoSiPas. Es untersucht, wie Agroforst- und silvopastorale Systeme ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger gestaltet werden können. Diese Systeme sollen auch Landwirtinnen stärken – durch resilientere Produktionsweisen, neue Einkommensmöglichkeiten und mehr Sichtbarkeit ihrer Arbeit. Gemeinsam mit Partnern in Brasilien entwickelt das Team wissenschaftliche Grundlagen und begleitet die praktische Umsetzung auf landwirtschaftlichen Betrieben.
Welche Stationen haben Ihren Weg in Ihr heutiges Berufsfeld geprägt?
Kathrin Meinhold: Da gibt es zwei Dinge, die mich besonders geprägt haben. Zum einen meine Auslandserfahrungen: Ich habe mit Ernährungswissenschaften angefangen, aber mir hat der größere Zusammenhang gefehlt. Deshalb habe ich mich stärker in Richtung Landwirtschaft entwickelt. Durch Praktika in verschiedenen Ländern habe ich gesehen, wie wichtig es ist, Dinge ganzheitlich zu betrachten. Es bringt nichts zu sagen, „Fisch ist gesund, esst mehr Fisch“, wenn gleichzeitig Überfischung ein massives Problem ist. Diese globalen Zusammenhänge zu verstehen, hat mich stark beeinflusst.
Zum anderen hat mich meine Kindheit geprägt. Lebensmittel selbst herzustellen und zu wissen, wo Dinge herkommen, war in meiner Familie immer wichtig. Dieses Bewusstsein begleitet mich bis heute.
Welche Unterstützung ist aus Ihrer Sicht besonders hilfreich für Frauen, die in Ihrem Bereich Fuß fassen möchten?
Das Wichtigste ist die eigene Motivation. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch. Ich hatte aber oft das Glück, in Teams zu arbeiten, in denen ich mich gleichberechtigt gefühlt habe. Unterstützung kann aus vielen Richtungen kommen: Familie, Freundeskreis, Kolleg:innen oder Angebote der Hochschule. Man muss offen sein, sich informieren und die passenden Angebote für sich finden. Und man sollte sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen oder Rollenbildern beeinflussen lassen. An sich glauben – das war für mich entscheidend.
Welche Wirkung hat die UN-Kampagne IYWF aus Ihrer Perspektive – und was sollte daraus langfristig entstehen?
Ich hoffe sehr, dass die Kampagne Wirkung zeigt. Frauen in der Landwirtschaft leisten weltweit enorm viel, aber oft bleibt das unsichtbar. Deshalb finde ich es großartig, dass sie in den Mittelpunkt gestellt werden. Was ich schwer einschätzen kann, ist, ob solche Kampagnen auch Menschen außerhalb unserer „Bubble“ erreichen, also diejenigen, die sich nicht ohnehin mit Ernährungssystemen beschäftigen. Genau das wäre aber wichtig.
Langfristig wünsche ich mir, dass mehr über die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft geforscht und gesprochen wird, und dass daraus konkrete Verbesserungen entstehen. Frauen treffen in vielen Haushalten Entscheidungen über Ernährung und Anbausysteme. Wenn man sie stärkt, stärkt man ganze Ernährungssysteme.