Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
25.01.2016 | Fakultät Wald und Forstwirtschaft

"Forst in Frauenhand" - Podiumsdiskussion an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft

Prof. Dr. Fiona Schönfeld
Podiumsdiskussion Forst in Frauenhand
Die Fakultät Wald und Forstwirtschaft hat zur Podiumsdiskussion geladen: sechs Referentinnen und Referenten aus dem Forstbereich haben ihre Erfahrungen zum Thema "Forst in Frauenhand" geschildert. Foto: Barbara Dorn

Weihenstephan - In forstlichen Studiengängen liegt die Frauenquote bei knapp 30 Prozent. Bei den Prüfungen für die 3. Qualifikationsebene im Forst lag der Anteil in den vergangenen Jahren ähnlich hoch. Etwa 40 Prozent der Waldbesitzenden in Bayern sind Frauen, im Alleineigentum, zusammen mit dem Partner oder in einer Erbengemeinschaft. Forst ist also auch Frauensache.

"Forst in Frauenhand" - unter diesem Titel haben kürzlich an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sechs Referentinnen und Referenten diskutiert.

Lisa Riedel, Absolventin der HSWT, berichtete als junge Revierleiterin von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit ihren männlichen Kollegen und Mitarbeitern - auch wenn deren Erfahrungsschatz aufgrund langjähriger Berufstätigkeit teilweise reicher sei als ihr eigener. Akzeptanz im Kollegen- und Mitarbeiterkreis erreiche man – unabhängig vom Geschlecht – durch Leistung und Kompetenz. Geschlechtsspezifische Besonderheiten wurden hinsichtlich der Tätigkeit als Revierleiterin im Forst kaum thematisiert.

Ihren Alltag als Waldbesitzerin schilderte Angelika Morgenroth: Es sei schwierig gewesen, in dieser Männerdomäne Fuß zu fassen. Heute ist sie Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg - den Respekt der männlichen Kollegen habe sie sich aber erarbeiten müssen. Sie hat eine Vielzahl anspruchsvoller Angebote für die forstpraktische Weiterbildung innerhalb der Vereinigung  initiiert - und sei damit ein Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Waldbesitzerinnen besonders konstruktiv und innovativ sei, so der forstliche Berater Hans-Peter Schreier. Er berichtete aus seiner persönlichen Erfahrung mit gemischten Teams, von intensivem Engagement und ausgeprägter Kreativität und der damit verbundenen starken Wirksamkeit.

Hinsichtlich der Frage, wie sich Frauen in der Verbandsarbeit und in bedeutungsvollen Ehrenamtsposten zahlreicher und stärker engagieren können, wurden vor allem die Hemmnisse diskutiert. Beispielsweise erschwere es, so Katharina Brändlein, selbständige Forstingenieurin und Unternehmerin, sich ehrenamtlich zu engagieren, wenn die Kinderbetreuung immer wieder geklärt werden müsse. Dennoch seien die Gestaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, Frauen im Forstbereich zu fördern, besondere Anreize für eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Die Diskussion zum Thema Gleichstellung zeigte, dass dieser Bereich forstintern mittlerweile eine hohe Bedeutung hat. Insbesondere die Gleichstellungskonzepte der beiden wichtigsten forstlichen Arbeitgeber in Bayern – Bayerische Forstverwaltung und Bayerische Staatsforsten – lassen die Entwicklung nachvollziehen. Aus dem aktuellen Gleichstellungskonzept der Bayerischen Staatsforsten von 2011 geht hervor, dass in der Beschäftigtengruppe der Beamtinnen und Beamten Frauen mit einem Anteil von sechs Prozent vertreten sind (40 Beamtinnen), während 94 Prozent männliche Beamte (579) sind. Den größten Anteil erreichen weibliche Beschäftigte in der Angestelltengruppe mit einem Frauenanteil von 59 Prozent (261) gegenüber 41 Prozent an Männern (184). Aus diesen Zahlen geht jedoch nicht hervor, wie hoch der Anteil an Forstingenieurinnen und -ingenieuren der 3. Qualifikationsebene ist. Laut Gleichstellungskonzept der Forstverwaltung beträgt der Anteil der Frauen in der Forstverwaltung in der 3. Qualifikationsebene im Jahr 2013 13 Prozent (77). Die Konzepte dokumentieren die Fortschritte in der Gleichstellungsarbeit und werden stetig weiterentwickelt.

Das Thema "Frauenvereine im Forst" wurde intensiv diskutiert, da es kontrovers gesehen wurde: Einerseits bergen solche separaten Vereine für Frauen das Risiko einer Ausgrenzung und lösen nicht das grundlegende Problem, dass relevante Entscheidungsebenen und -gremien von Männern dominiert werden. Andererseits können Frauen in solchen Gruppen Eigeninitiative entwickeln und Entscheidungen und Zielsetzungen treffen, die ihnen nicht "von außen" diktiert werden. Auch zeigt sich, dass die Mitwirkung in solchen Gruppen für Frauen eine Vorstufe darstellen kann, um später in gemischten Teams und Vereinen zentrale Funktionen zu übernehmen.

Eine Möglichkeit des Netzwerkens zwischen Forstfrauen in Bayern, ist das BayernMentoring Programm der Hochschule. Ziel des BayernMentoring ist es, junge Frauen in (informations-)technischen Studiengängen berufsorientierend zu begleiten und zu fördern. Das Vorbild der Fachfrauen aus der Wirtschaft soll zu einer konsequenten Karriereplanung ermutigen und einen reibungslosen Einstieg in das Berufsleben ermöglichen. Studentinnen können einen Einblick erlangen, wo die tatsächlichen Herausforderungen im Forstberuf liegen und wie man als Frau damit umgehen kann. Mentorinnen bleiben auf diesem Wege mit der forstlichen Ausbildungsstätte vernetzt und können über das Mentoring auch die Begeisterung für den Forstberuf vermitteln.

Die Veranstaltung war eine Plattform für die Belange von Frauen in der Forstwirtschaft und sie ermöglichte, das Thema ins Bewusstsein von Akteurinnen und Akteuren zu rücken. An dem Abend wurden das starke Engagement und die fachliche Kompetenz von Frauen im Forst sowie die bisherigen Fortschritte in der Gleichstellung deutlich. Aber gerade der Bereich der Gremienarbeit und die Frage, in welcher Form Forstfrauen ihre Anliegen vertreten und ihre Ziele am besten erreichen, stellt für die Zukunft eine große Herausforderung dar und bleibt Anlass für Diskussionen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiums:

  • Angelika Morgenroth, Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg und Waldbesitzerin
  • Hans-Peter Schreier, Forstlicher Berater der Waldbesitzervereinigung Bamberg vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg
  • Anja Schrecke, Sachbearbeiterin im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Bayerischen Forstverwaltung
  • Margret Kolbeck, stellvertretende Referatsleiterin im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie stellvertretende Bundesvorsitzende im Bund Deutscher Forstleute e. V. und Mitglied im Verein Frauen im Forstbereich e. V.
  • Lisa Riedel, Revierleiterin bei den Bayerischen Staatsforsten AöR und Mentorin im BayernMentoring-Programm der HSWT
  • Cornelia Schönlau, Mitgründerin der Interessengemeinschaft Waldbesitzerinnen Bayern und Waldbesitzerin
  • Katharina Brändlein, selbständige Forstingenieurin und Unternehmerin
  • Grußwort: Hochschulfrauenbeauftragte Frau Prof. Dr. Monika Gerschau
  • Initiatorin und Moderation: Frauenbeauftragte der Fakultät Wald und Forstwirtschaft Dr. Fiona Schönfeld

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