Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
31.05.2021 | International Office, Funding and Career Service

Von der Isar an den Liffey - eine Dozentenmobilität in Coronazeiten

Frieder Luz

Frieder Luz absolviert seit 2020 einen Gastaufenthalt in Irland und unterrichtet Studierende am University College in Dublin. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Warum nach Dublin?

Für mein Ausscheiden aus meiner aktiven Lehrtätigkeit nach 27 Jahren Weihenstephan hatte ich mich für das sogenannte Blockmodell entschieden. Damit stellte sich für mich die Frage, wofür ich die zwei Jahre Freistellungszeit sinnvoll nutzen könnte. Klar war, dass ich mich nicht von einem auf den anderen Tag komplett von der Lehre verabschieden würde - zu sehr liegt mir die Arbeit mit den Studierenden und der Landschaftsarchitektur.

Die Antwort kam unvorhergesehen während einem meiner Abschiedsbesuchen an mehreren Partneruniversitäten, mit denen ich als Auslandsbeauftragter über viele Jahre gute Kontakte pflegte. Im Frühjahr 2019 besuchte ich so auch das Department of Landscape Architecture am University College in Dublin (UCD). In einer Teepause nach meinem Gastinput sagte meine Kollegin und Head of Department Karen Foley: "When you retire from Weihenstephan you must come here - we need people like you". Der Satz hatte es in sich! Ich war zunächst überrascht, wurde mir aber schnell klar, dass sich darin eine sehr gute Gelegenheit bot, weiterhin in der Lehre tätig zu bleiben und an einer ausländischen Partneruni von meinen durch mich geknüpften Kontakten zu profitieren. Unterstützt wurde der Aufenthalt aus Mitteln des Erasmusprogramms.

Teaching abroad -  unter Corona Bedingungen

Um es kurz zu machen: ich bin nun schon das zweite Semester in Dublin!
Es macht mir nach wie vor viel Spaß, am UCD zu lehren - vor und mit Corona, das auch hier, wie überall alles verändert hat. An den wirklich nicht leicht zu verstehenden irischen Akzent habe ich mich auch gewöhnt!

Was zunächst als Sabbatical Vertretung für einen Kollegen begann, entwickelte sich zu einem auf zwei Jahre ausgelegten Gastaufenthalt. Ich organisiere und betreue mit Kolleginnen und Kollegen im Bachelorstudiengang mehrere Studienprojekte, die in der Landschaftsarchitektur in Studios mit hoher Präsenz betreut und bearbeitet werden. Dazu gehören regelmäßige Exkursionen, sogenannte Site Visits, in die Bearbeitungsgebiete überwiegend im Raum Dublin. Die Fieldtrips, das Vermitteln von Fachwissen und Vorortkenntnis im Gelände waren stets eine meiner Lieblingstätigkeiten und wird auch von den hiesigen Studierenden besonders geschätzt Insgesamt war und bin ich damit meist an drei bis vier Tagen in der Woche beschäftigt, was genügend Raum für persönliche Freizeit und Ausflüge lässt. Irland ist dafür ein wunderbares Land - das habe mir schon immer unsere Erasmusstudierenden berichtet.

Mit Corona wurde die Lehre im Studio im letzten Wintersemester zwar eingeschränkt aber nicht ausgesetzt. Das liegt daran, dass die Lehre im Studio als Laborlehre eingestuft wird und somit möglich blieb, auch dank der geringen Semestergrößen von 20-25 Studierenden. Dazu mussten in den Studios umfangrieche Änderungen vorgenommen werden. Alle Vorlesungen wurden online abgehalten. dennoch waren die Studierenden gerne im Studio und waren dankbar, ihre KommilitonInnen und uns Lehrende persönlich sehen zu können.

Im jetzigen Sommersemester wurde dies aufgrund der Sorge um Virusmutanten weiter eingeschränkt, "Face to Face" - Präsenzveranstaltungen- wurden auf Exkursionen beschränkt, die wir jedoch das ganze Semester über durchgeführt haben. Da nie alle Studierenden teilnehmen konnten, wurden die Exkursionen aufgezeichnet und online zur Verfügung gestellt.

Neben den Bachelorstudierenden betreue ich durchgehende einige Masterstudierende persönlich bei ihren Bestandskartierungen im Gelände und online.

Als Fazit sind sich alle Lehrenden einig, dass es zwar relativ gut gelungen ist, alle Lehrveranstaltungen auf einen hohen Anteil an Onlinelehre um zu stellen unter Beibehaltung der unverzichtbaren Geländetermine. Dabei konnte jedoch auf keinen Fall das gewohnte Niveau in der Lehre und den Lehrergebnissen vermittelt werden wie in der Präsenzlehre.

So freuen sich alle -Lehrende und Studierende - auf die vorgesehene volle Präsenzlehre im kommenden Wintersemester.

Persönliche Reflexion

Bereits zur Halbzeit kann ich das von mir gewählte (und möglicherweise entwickelte) geförderte Modell für die Freistellungsphase der Altersteilzeit als sehr nützlich und erfolgreich bewerten: Zuhause zwei Jahre früher den Platz für eine jüngere Nachfolgerin (!) frei gemacht, an einer ausländischen Partneruniversität in Englisch weiterhin Fachwissen und Erfahrungen vermittelt und noch genügend freie Zeit für persönliche Erfahrungen auf der grünen Insel zu haben - besser kann ich mir den Übergang kaum vorstellen. Alles in allem eine persönliche Herausforderung, die ich nur weiterempfehlen kann!

Ohne Förderung wäre diese Erfahrung allerdings nicht möglich und auch nicht zu erwarten, wobei vielen KollegInnen diese Fördermöglichkeiten gar nicht bewusst sind. Auch nicht die Tatsache, dass die Förderung nicht auf aktive Kolleginnen beschränkt ist und auch noch im (Un)ruhestand genutzt werden kann! (Ich stehe bereits in Kontakt mit anderen Partnerunis...).

Wir haben an der HSWT eine beachtliche Zahl interessanter Partneruniversitäten in interessanten Ländern und laufend KollegInnen, die sich über das Ende Ihrer Dienstzeit Gedanken machen dürfen. Ich habe als Auslandsbeauftragter schon immer zu den Studierenden gesagt: "Wer daheim bleibt, ist selber schuld" -  dies auch für uns Lehrende genauso! 

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