Katrin Kell
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Katrin Kell

„Vom Erdeschaufeln bis zum virtuellen Lehrmodul ist alles dabei“

Katrin Kell sprüht vor Energie, sogar durchs Telefon hindurch. Sie lebt für das Arbeiten mit Pflanzen und Menschen: „Das fasziniert mich einfach. Ich würde sofort wieder Gartenbau studieren“, begeistert sie sich. Die gebürtige Münchnerin gehört seit 1989 zur HSWT: Erst war sie Studentin an der Hochschule, nach ihrem Abschluss 1994 übernahm sie eine Stelle an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau, die später über die Forschungsanstalt für Gartenbau in die Hochschule integriert wurde. Es ist aber nicht so, als sei Katrin Kell nie aus Oberbayern rausgekommen. „Nach meiner Ausbildung zur Gärtnerin mit Fachrichtung Gemüsebau habe ich drei Jahre lang als Gehilfin gearbeitet – davon jeweils ein halbes Jahr in Kalifornien und Australien. Zurückgekommen bin ich in den bayerischen November – das war hart“, erinnert sie sich und lacht. „In Australien haben eintönige Akkord-Erntearbeiten auf dem Feld den Arbeitsalltag bestimmt. Das war für mich ein wichtiger Anstoß, ein Studium draufzusatteln – einfach, um mehr Auswahlmöglichkeiten bei der beruflichen Tätigkeit zu haben“, erzählt sie.

Mitten im Geschehen

In ihrer Position als Ingenieurin am Institut für Gartenbau der HSWT obliegt ihr derzeit die Betriebsleitung Gemüsebau sowie die technische Leitung des Kleingartens für Gemüse, der zu den Weihenstephaner Gärten gehört. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Pflanzenkultivierung und der Organisation der Betriebsabläufe auch Fortbildungen für die gärtnerische Praxis und den Freizeitgartenbau.

Darüber hinaus gibt die 56-Jährige Vorlesungen, unterstützt in der Hochschullehre und ist an Forschungsprojekten beteiligt. Und sie ist gefragte Expertin für Gemüsebauthemen in der Presse – kaum eine deutschsprachige Gartenbaufachzeitschrift oder eine bayerische TV-Sendung zum Gärtnern, in der Katrin Kell nicht schon zu Wort gekommen ist.

„An die HSWT bin ich gegangen, weil mir neben dem tollen Team die Aufgabenstellung der damaligen Versuchsanstalt gefallen hat: sehr praxisorientiert und eine enge Zusammenarbeit mit Firmen und Gärtnereien, die wir beispielsweise beraten. Ich war und bin mitten im Geschehen“, sagt sie. Anpacken, praktisch denken und unter Leuten sein – das gilt auch, wenn Katrin Kell die Studierenden im Praktikum Versuchswesen betreut oder bei der statistischen Auswertung ihrer Abschlussarbeiten unterstützt. „Ich schätze den Austausch der Generationen“, betont sie. „Da werden Denkweisen immer wieder in Frage gestellt - das fordert einen und man bleibt lebendig.“

Die Aufgabenbereiche in ihrer Position haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder stark verändert, aber nicht zuletzt das macht es für Katrin Kell spannend. „Ich habe viel Verantwortung, aber auch viel Entscheidungsfreiheit“, sagt sie. Ihr gefällt die Vielfalt: „Bei mir ist vom Erdeschaufeln bis zum virtuellen Lehrmodul wirklich alles dabei.“ Das unter einen Hut zu bringen, ist erst recht Motivation für Katrin Kell, die ihr gutes Umdenk- und Improvisationsvermögen nicht zuletzt auf den Umgang mit der Natur zurückführt. „Bei der Arbeit mit Pflanzen ist man immer auch von der Witterung abhängig. Auf die hat man keinen Einfluss und sie hält sich auch oft nicht an Vorhersagen. Das macht demütig und erdet, denn man erkennt, dass nicht immer alles so kommt, wie man es geplant hat.“

Von Menschen und Pflanzen

Das Beste an ihrer Arbeit? Die Gartenbauerin muss nicht lange überlegen: „Die Menschen und die Pflanzen, oft draußen sein und dazulernen.“ Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr auch Projekte im Ausland. „Kurz nach dem Jugoslawienkrieg waren wir in Bosnien vor Ort, um zu ermitteln, wie es den Kleinbauern dort geht und welche Unterstützungsmöglichkeiten in Frage kommen. Das hat einen starken Eindruck bei mir hinterlassen und mir mal wieder bewusstgemacht, dass viele von uns hier in einer Seifenblase leben“, erinnert sich Katrin Kell. Ein anderes Mal, Ende der Neunzigerjahre, ergab sich über Kontakte während eines wissenschaftlichen Symposiums in Kanada eine Einladung nach China, um dort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines gartenbaufachlichen Instituts fortzubilden.

Kontakte und Netzwerke stehen für Katrin Kell auch mit im Fokus ihres Vorsitzes beim Verband Weihenstephaner Ingenieure e.V. Über diese Position bleibt sie im Austausch mit vielen Alumnae und Alumni der HSWT sowie ehemaligen Kolleginnen und Kollegen.

Auch in ihrer Freizeit spielen Pflanzen, Menschen und die Weitergabe von Wissen eine große Rolle. Die Freisingerin geht sehr gerne in die Berge und ist beim Deutschen Alpenverein als Wanderleiterin mit Schwerpunkt Alpenflora aktiv. Dabei findet sie auch die schönsten Motive für ihr weiteres Hobby, das Fotografieren. Und wenn es mal nicht Arnika, Enzian oder Gämswurz sein sollen, dann gerne Felgen, Zahnkranz und Kettenblätter: „Fahrräder sind meine Leidenschaft“, schwärmt Katrin Kell, „nicht nur fahren, sondern auch reparieren: auseinanderbauen und wieder zusammenschrauben – genau mein Ding.“