Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences
10.12.2015

Praxistag der Triesdorfer Schulen 2015

Thomas Dengler
350 Interessierte sind zum Praxistag der Triesdorfer Schulen 2015 gekommen.
Zum Schluss gab es eine Diskussionsrunde.

Um die 350 Besucherinnen und Besucher haben kürzlich den Praxistag der Triesdorfer Schulen im Alten Reithaus wahrgenommen, um sich zum Thema "Jetzt noch investieren - Quo Vadis Investitionsförderung" zu informieren. Nach Fachvorträgen zu Rahmenbedingungen der Agrarpolitik und -märkte sowie zu verschiedenen Sichtweisen der Investitionsförderung waren sich die Teilnehmenden zum Schluss einig: Es ist nicht wichtig, ob und wieviel Förderung man für eine Investition bekommt, sondern ob der Betrieb und die Familie die Voraussetzungen für diesen Schritt erfüllen und geschlossen hinter dieser neuen Herausforderung stehen. Im positiven Fall bildet die Förderung einen wichtigen Beitrag zur Investitionsfinanzierung und am Ende auch zur Liquiditätssicherung in schwierigen Zeiten auf den Agrarmärkten.

Die Veranstaltung findet einmal jährlich in Triesdorf statt, wird abwechselnd von den Bildungseinrichtungen organisiert und von der Vereinigung Ehemaliger Triesdorfer e.V. unterstützt. In 2015 hat Hochschulprofessor Dr. Johannes Holzner mit seinem Team die Federführung übernommen.

 

Die Vorträge im Überblick:

Rahmenbedingungen der Agrarpolitik und Agrarmärkte

Matthias Borst | Bayerischer Bauenrverband (BBV) | Direktor des Fachbereichs Agrar- und Umweltpolitik

Matthias Borst ging in seinem Vortrag speziell auf die Entwicklungen bei den Direktzahlungen und bei den Zahlungen der "2. Säule" ein. Er stellte dar, welche Rolle diese Zahlungen für die Landwirtschaft gerade in schwierigen Jahren wie aktuell spielen. So liegt der Anteil der staatlichen Zahlungen am Unternehmensgewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr zwischen 45% (Bayern) und 90% (Schleswig-Holstein).
Am groben Rahmen der Agrarförderung wird sich laut seinen Ausführungen bis ins Jahr 2020 nichts ändern. Es wird vermutlich nur einige kleine Anpassungen in einzelnen Teilbereichen geben. Auch eine Verschiebung der nächsten GAP-Reform nach hinten ist aufgrund der EU-Parlamentswahlen in 2019 möglich.

Rahmenbedingungen der Investitionsförderung

Julius Andreae | Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach (AELF)

Julius Andreae stellte in seinem Vortrag heraus, wie die aktuellen Voraussetzungen und Vorgaben für investitionswillige Betriebe aussehen. So können Unternehmen mit ihren geplanten Investitionen Punkte sammeln, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Je höher die Punktzahl eines Vorhabens, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein positiver Förderbescheid erteilt wird.
Weiterhin ging er auf die verschiedenen Fördersätze und Förderobergrenzen ein. Seiner Meinung nach sollten sich Landwirte länger mit dem Thema der Investition beschäftigen und sich möglichst konkrete Vorstellungen über die Ausführung machen, bevor sie einen unausgereiften Förderantrag stellen. Wichtig ist jedoch, dass es vor dem Bewilligungsbescheid keinen Baubeginn geben darf.

Investitionsförderung aus Sicht der Berater

Günter Schmidtell | BBV LandSiedlung GmbH

Landwirte können im Rahmen des Agrarförderprogrammes (AFP) von der BBV LandSiedlung GmbH beraten werden. Die Beratung für Betriebe bezieht sich auf die Bereiche Bauvorbereitung, -phase und -abschluss bei der Beantragung der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF). Nach Günter Schmidtell gehen die Leistungen von Kosten-, Angebots- und Baukontrolle bis hin zur Einreichung der Rechnungen für den Mittelabruf. Ein Betreuer ist ab einer Investitionssumme von 250.000€ Pflicht und bereits ab einer Investitionssumme von 100.000€ zuschussfähig.
Günter Schmidtell zeigte die Entwicklung der bewilligten Anträge seit dem Jahr 2007 und stellte heraus, dass 2015 das erste Jahr sein könnte, in dem nicht alle Anträge, welche die Fördervoraussetzungen erfüllen, bewilligt werden. Dies liegt nicht an der Anzahl der Anträge, sondern an den reduzierten Mitteln, welche zur Verfügung stehen. So haben sich die Fördermittel für die aktuelle GAP-Periode (2014-2020) im Vergleich zur letzten (2007-2014) auf rund 75 Millionen jährlich halbiert. Aus Sicht des Beraters besteht aber in Bayern noch ein erheblicher Bedarf an Investitionen speziell im Bereich der Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung in Milchviehbetrieben, wofür die EIF eine wichtige Grundlage bildet.

Investitionsförderung aus Sicht des Investors

Andreas Ziehr| Landwirt

Herr Ziehr hat im Jahr 2012 einen Milchviehstall für 180 Milchkühe gebaut und dafür die Förderung aus dem AFP in Anspruch genommen. Er stellte dar, welche Gedanken sich ein Betriebsleiter vor bzw. während und nach dem Bau macht und machen sollte. Ein zentraler Punkt, welcher in den anderen Vorträgen immer wieder angesprochen wurde, ist die Finanzierbarkeit. Hier sollte seiner Meinung nach nicht auf den letzten Euro kalkuliert, sondern ein Puffer berücksichtigt werden. Speziell Kostensteigerungen während der Bauphase, zu leistende Mehrwertsteuerzahlungen und verzögerte Förderzahlungen können in manchen Betrieben sehr schnell zu Liquiditätsengpässen führen. Weiterhin sollte bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen auch mit schwächeren Milchpreisen kalkuliert werden, um sicherzugehen, dass die Zahlungsfähigkeit auch in diesen Fällen gewährleistet ist. Aus seiner Sicht ist die Investitionsförderung nicht ausschlaggebend für die Entscheidung zu einer Investition, aber sie stellt eine wichtige Komponente für die Finanzierung des Vorhabens dar.

 

Ein weiterer und häufig vernachlässigter Aspekt bei den Planungen - das ergab die anschließende Diskussionsrunde - ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften im Betrieb. Viele Betriebe berücksichtigen diesen Punkt erst, wenn der neue Stall steht und festgestellt wird, dass die Kapazitäten nicht mehr ausreichen.

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