Weihenstephaner Versuche zu Süßkartoffeln im Freiland (1)

Die Süßkartoffel hat große Bedeutung als Nahrungspflanze. Mit einer Jahresproduktion von über 140 Mio t gehört das Windengewächs weltweit zu den sieben wichtigsten Nahrungspflanzen. Unter den Knollengewächsen nimmt sie Rang drei ein, hinter Kartoffeln und Maniok. Der Anbau als Grundnahrungsmittel findet in allen warmen Ländern der Tropen und Subtropen statt. In Ruanda beträgt die Pro-Kopf-Produktion z.B. etwa 150 kg.
Aufgrund ihres hohen Wärmeanspruches hat der Anbau in Deutschland bisher keine Bedeutung. Versuche seit 2007 zeigen jedoch, dass ein Anbau auch bei uns im Freiland sehr wohl möglich ist. Die prognostizierte Klimaerwärmung könnte den Anbau von Süßkartoffeln in Deutschland zusätzlich begünstigen. Bisher interessieren sich überwiegend Öko-Gemüsebaubetriebe für einen Anbau, zur Erweiterung ihres Sortimentsangebotes. Doch auch für landwirtschaftliche, vor allem Kartoffeln produzierende Betriebe könnte der Anbau interessant sein, weil in diesen Betrieben geeignete Böden und Maschinentechnik bereits vorhanden sind.
Die größte Problematik für interessierte Betriebe bestand bisher in der Beschaffung von Jungpflanzen und geeigneten Sorten für den Anbau in Deutschland.
In den Versuchen 2013 wurden deshalb aktuelle Standardsorten und eigene meristemvermehrte Auslesen auf ihre Eignung für den Anbau geprüft. Untersucht wurden die Sorten bezüglich Ertrag, Qualität, Wuchsverhalten, Geschmack und Lagereignung sowohl im Freiland- als auch im Unter-Glas-Anbau.

Abb. 1: Feldbestand Mitte Juli 2013 auf Biomulchfolie
Abb. 1: Feldbestand Mitte Juli 2013 auf Biomulchfolie
Abb. 2:  Pflanzen aus Meristemvermehrung bieten hohe Anbausicherheit
Abb. 2: Pflanzen aus Meristemvermehrung bieten hohe Anbausicherheit

Varianten und Versuchsdurchführung

Untersucht wurden 2013 im Freiland 8 Sorten/Auslesen. In Tabelle 1 sind die verschiedenen Sorten bzw. Auslesen und deren Herkünfte dargestellt.

Tab. 1: Süßkartoffelsorten im Freilandanbau 2013

Die Jungpflanzen wurden in KW 13/14 über Stecklinge vermehrt. Beetvorbereitung, Grunddüngung  (100 kg N/ha Floranid; 75 kg K2O als Kalimagnesia) und das Verlegen der Biomulchfolie erfolgte am 22.05.13 (KW 21). Aufgrund starker Niederschläge und Kälte konnte erst in KW 23 (06.06.13) gepflanzt werden. Der Anbau erfolgte 2-reihig auf Beetbreiten von 1,5 m. Der Pflanzenabstand in der Reihe betrug 40 cm, die Pflanzdichte lag somit bei 3,3 Stück/m². Der Versuch wurde mit 4 Wiederholungen als Blockanlage durchgeführt. Eine Parzelle umfasste 12-16 Pflanzen.
Am 11.07. wurde eine zusätzliche N-Kopfdüngung mit 75 kg N/ha als Kalkammonsalpeter ausgebracht. Die Bewässerung erfolgte nach Bedarf über Kreisregner, vor allem zur Zeit der Knollenbildung ab etwa Mitte Juli. Die Unkrautbekämpfung in den Wegen geschah per Hackfräse oder von Hand. Pflanzenschutzmaßnahmen waren nicht nötig. Der Versuch wurde am 30.09. geerntet (von Hand mit Grabgabel), nachdem zuvor das Laub entfernt worden war.

Abb. 3: Süßkartoffelknollen zum Erntetermin
Abb. 3: Süßkartoffelknollen zum Erntetermin

Ergebnisse im Freilandanbau

Für die Auswertung wurden alle Knollen einzeln gewogen und dann folgender Klassierung (siehe Tabelle 2) zugeordnet sowie der Gesamtertrag ermittelt.

Tab. 2: Gewichtsklassifizierung für die Versuchsauswertung

Marktfähiger Ertrag, stückbezogen

Hier zeichneten sich signifikante Unterschiede zwischen den Sorten ab. Den höchsten marktfähigen Stück-Ertrag erreichte 'Beauregard' mit rund 15 Knollen/m². Auch 'S8' und 'Bonita' verzeichneten mit rund 12 Knollen/m² hohe Stückerträge. Bei 'S8' konnten hingegen nur unter 5 Knollen/m² geerntet werden (Abb. 4).

Abb. 4: Einfluss verschiedener Sorten auf den marktfähigen Stückertrag von Süßkartoffeln
Abb. 4: Einfluss verschiedener Sorten auf den marktfähigen Stückertrag von Süßkartoffeln

Marktfähiger Ertrag, gewichtsbezogen

Den höchsten marktfähigen Gewichtsertrag erreichte 'S4' mit 4 kg/m² vor 'Beauregard' mit rund 3,5 kg/m². Zwischen 2 und 3 kg/m² lag der Ertrag der Sorten 'Bonita', Evangelina', 'S10' und 'Covington'. Als vergleichsweise ertragsschwach erwiesen sich 'Murasaki' und 'S8' (Abb. 5).

Abb. 5: Einfluss verschiedener Sorten auf den marktfähigen Gewichtsertrag von Süßkartoffeln
Abb. 5: Einfluss verschiedener Sorten auf den marktfähigen Gewichtsertrag von Süßkartoffeln

Klassierung Knollengewicht und durchschnittliches Knollengewicht

In Bezug auf die Klassierungen ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den Sorten.
Gewichtsbezogen lag der Anteil nicht markfähiger Ware bei den Sorten 'S4' und S10' unter 10 %, während er bei 'Murasaki' und 'S8' knapp 30 % erreichte. 'S10', 'Covington' und' Evangelina' fielen durch den mit rund 25 % hohen Anteil an großen Knollen mit 300 - 450 g Gewicht auf (siehe Abb. 8).

Abb. 6: 'Evangelina'
Abb. 6: 'Evangelina'
Abb. 7: 'Murasaki'
Abb. 7: 'Murasaki'

Wie die Klassierungen gezeigt haben, spreizte sich das Knollengewicht über ein sehr großes Spektrum. Das durchschnittliche Knollengewicht ist daher nur begrenzt aussagefähig. Bei 'Murasaki' betrug es knapp 200 g, bei 'S8' rund 450 g. (Abb. 9).

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Abb. 8: Sortenunterschiede bei der gewichtsbezogenen Einteilung in die USA-Gewichtsklassen
Abb. 8: Sortenunterschiede bei der gewichtsbezogenen Einteilung in die USA-Gewichtsklassen
Abb. 9: Durchschnittliches Knollengewicht von Süßkartoffeln, Freilandanbau auf Mulchfolie 2013
Abb. 9: Durchschnittliches Knollengewicht von Süßkartoffeln, Freilandanbau auf Mulchfolie 2013

Zusammenfassung

Beim Freilandanbau 2013 zeigten sich deutliche Ertragsunterschiede zwischen den Sorten. 'Beauregard' und 'S8' fielen als besonders ertragsstarke Sorten auf. 'Evangelina' bleibt aufgrund guter Erträge bei vergleichsweise leichter Beerntbarkeit erwähnenswert. 'Murasaki' hat unter Freilandbedingungen zwar ein beachtliches Wurzel- und Blattwachstum entwickelt, dieses aber nicht in Knollenertrag umgesetzt und blieb von daher vergleichsweise ertragsschwach.

Hinweis

In der nächsten Ausgabe des Infodienstes Weihenstephan folgt Teil 2 über die Versuchsergebnisse bezüglich Süßkartoffelanbau im Gewächshaus.

Geschmack und Knollenqualität von acht Süßkartoffelsorten

Im Dezember 2013 wurden in einem Sensoriktest bei acht Sorten die Kriterien Farbe, Geruch, Textur und Geschmack bewertet und daraus eine Gesamtbeurteilung erstellt. Dazu kochte und pürierte man die Knollen.

Geschmacklich am besten beurteilten die Tester die Sorten 'S10' und 'Evangelina', wobei die Unterschiede insgesamt sehr gering eingestuft wurden. Bei der Gesamtbewertung der Knollenqualität gefielen 'S1' und 'Beauregard' besonders gut (s. Abb. 9).

Abb. 9: Unterschiede in der sensorischen Bewertung von verschiedenen Süßkartoffelsorten
Abb. 9: Unterschiede in der sensorischen Bewertung von verschiedenen Süßkartoffelsorten

Infodienst Weihenstephan - August 2014

Gemüsebau

Verfasser

Thomas Jaksch
T +49 8161 71-3367
thomas.jaksch [at]hswt.de

Teil 2 - Gewächshausversuche

Ausgabe September 2014