Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Berufsfeldanalyse Gartenbau 2012/2013

An der vom Zentralverband Gartenbau und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf initiierten Berufsfeldanalyse Gartenbau beteiligten sich 2012 erfreulicherweise alle Ausbildungsstätten in Deutschland, das heißt die drei Universitäten (Berlin, Hannover und München-Weihenstephan) sowie die sechs (Fach-)Hochschulen (Berlin, Dresden, Erfurt, Geisenheim, Osnabrück und Weihenstephan). Die Auskünfte von ehemaligen Studierenden dienen dazu, die aktuellen Studienpläne der jeweiligen Hochschule zu optimieren und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes anzupassen. Außerdem soll eine derartige Befragung ein aktuelles Bild über die Arbeitsmarktsituation von Gartenbau-Absolventen liefern und damit auch den Vertretern des Berufsstandes eventuell vorhandene Defizite aufzeigen. Der komplette Bericht steht auf den Seiten der HSWT zum Download als pdf-Datei bereit.

Es wird hier auszugsweise auf vier wichtige Aspekte eingegangen:

Auswirkungen des Bologna-Prozesses

Inzwischen haben zwar alle Hochschulen auf das neue Studiensystem mit Bachelor- und Master-Abschlüssen umgestellt, unter den befragten Absolventen der letzten fünf bis zehn Jahre überwiegen aber nach wie vor die Diplom-Absolventen. Trotzdem wurden einige Auswirkungen deutlich. Beispielsweise hat sich beim Übergang von den Diplom- zu den Bachelor-Studiengängen der Unterschied bezüglich der Studiendauer zwischen Universitäten und (Fach-)Hochschulen weitgehend nivelliert (Diplom: Universitäten 62, Fachhochschulen 52 Monate; Bachelor: ca. 40 Monate).
Die Abbildung 1 zeigt die mittlere Dauer der praktischen Tätigkeiten differenziert nach den Studiensystemen, wobei durch Schraffur der jeweilige Anteil gekennzeichnet wurde, der davon im Ausland verbracht wurde. Der Rückgang der Praxiszeiten um etwa 8 Prozent (29,0 auf 26,8 Monate), der sich beim Übergang von den Diplom- zu den Bachelor-Studiengängen ergeben hat, sollte nicht verwundern, wenn berücksichtigt wird, dass bei den entsprechenden Studienreformen vielfach ein Praxissemester weggestrichen wurde. Dieser Verlust an Praxiszeit bei denjenigen Absolventen, die mit dem Bachelor-Abschluss die Hochschule verlassen, wird von Experten kritisch gesehen.

Abb. 1: Dauer der praktischen Tätigkeiten vor und während des Studiums
Abb. 1: Dauer der praktischen Tätigkeiten vor und während des Studiums
Abb. 2: Einkommensverteilung der Vollzeit-Beschäftigten, differenziert nach Geschlecht
Abb. 2: Einkommensverteilung der Vollzeit-Beschäftigten, differenziert nach Geschlecht

Kritik an den Curricula

Die wichtigste Forderung, die von den Befragten schon bei der letzten Berufsfeldanalyse im Jahr 2007 angemahnt wurde, lautet „mehr Praxisnähe“. Die Hochschulen sind gut beraten, wenn sie diesen Appell bei anstehenden Studienreformen in konkrete Maßnahmen umsetzen (Verlängerung von Praxisphasen, mehr Exkursionen, Projektarbeiten in Betrieben und anderes). Ein zweiter Absolventen-Wunsch betrifft den Punkt „bessere Darlegung der beruflichen Chancen“. In einer Welt, in der die Berufsbilder nicht mehr so klar zu erkennen sind, wünschen sich Studierende ganz offensichtlich noch mehr Orientierungshilfen. Dies wird auch bei der Auswertung der Verbleibdauer auf der ersten Stelle deutlich, denn es gibt eine hohe Zahl von Absolventen, die schon im ersten Jahr ihre Erststelle wieder verlassen. Dies sollte Anstoß für die Hochschulen zur Schaffung von Beratungsangeboten für die Studierenden des letzten Semesters sein, um Hilfestellung für den richtigen Berufseinstieg anzubieten.

Abb. 3: Vorgesetztenfunktion in Abhängigkeit vom Geschlecht und der Berufszeit.
Abb. 3: Vorgesetztenfunktion in Abhängigkeit vom Geschlecht und der Berufszeit
Abb. 4: Beurteilung des Gartenbaustudiums aus jetziger Sicht
Abb. 4: Beurteilung des Gartenbaustudiums aus jetziger Sicht

Defizite hinsichtlich Gleichbehandlung der Geschlechter

Die Absolventinnen werden deutlich schlechter bezahlt (siehe dazu Abbildung 2), unter anderem auch deshalb, weil sie weniger die besser dotierten Vorgesetzten-Stellen besetzen können (siehe dazu Abbildung 3). Auch wenn der Blick auf vergleichbare Studien anderer Berufsfelder zeigt, dass diese Ungleichbehandlung in manch anderen Branchen sogar noch größer ist, sollten diese Zahlen doch aufrütteln und Anlass für ernsthafte Diskussionen in den Berufsverbänden mit Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten sein.

Gesamtbeurteilung des Studiums und der Hochschulen

Die Absolventen wurden nach der Zufriedenheit mit ihrem Gartenbaustudium aus Sicht der jetzigen Tätigkeit gefragt. Abbildung 4 zeigt mit den eingetragenen Werten, dass viele Absolventen erfreulicherweise ihr Studium positiv (gut oder sehr gut) bewerten. Der Vergleich mit der Befragung 2007/08 zeigt, dass dieser Anteil mit damals knapp 2/3 sogar noch gestiegen ist. Eine differenziertere Betrachtung zeigt allerdings, dass von den Diplom-Absolventen aus gesehen die Veränderung in zwei verschiedene Richtungen gelaufen ist, denn die Zufriedenheit der Bachelor-Absolventen ist mit 63 Prozent gesunken, während die Master-Studiengänge mit 84 Prozent positiver Zustimmung hervorragend beurteilt werden.

Abb. 5: Beantwortung der Fragen
Abb. 5: Beantwortung der Fragen
Abb. 6: Beurteilung des Rufes der „eigenen“ Hochschule
Abb. 6: Beurteilung des Rufes der „eigenen“ Hochschule

Die Absolventen wurden weiter gefragt, ob sie erneut Gartenbau studieren würden, wenn sie noch einmal zu entscheiden hätten, und gegebenenfalls wieder am selben Standort. Wie in Abbildung 5 dargestellt, wird diese Frage zwar von der Mehrheit bejaht, wobei dies allerdings 26 Prozent der Diplom-, 16 Prozent der Bachelor- und 6 Prozent der Master-Absolventen verneinen. Eine spannende Frage an die im Berufsleben stehenden Absolventen war: Wie würden Sie heute den Ruf Ihrer Hochschule beurteilen? Wenn der Fokus auf die Summe der beiden Kategorien Gut und Sehr gut gelegt wird, ergibt sich insgesamt für alle Absolventen eine Zustimmungsquote von 77 Prozent bei Differenzierung aber die in der Abbildung 6 angegebenen Werte 80 Prozent (Diplom), 65 Prozent (Bachelor) und 84 Prozent (Master). Mit diesen Zahlen wird der generelle Spreizungs-Effekt beim Vergleich des alten mit dem neuen Studiensystem deutlich. Fazit: Die Zufriedenheit mit dem Bachelor ist gefallen, mit dem Master dagegen gestiegen.

Infodienst Weihenstephan - August 2013

Einblick

Verfasser

Dr. Georg Ohmayer

Hinweis

Dieser Beitrag ist zuerst im "ZVG Gartenbau Report" (Ausgabe 4-5/2013), der Verbandszeitschrift des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG), erschienen.