Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Nachhaltige Umsetzung der Energiewende

  • Tagung am 26.11.2018 in Freising-Weihenstephan

  • Veranstalter: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf / Institut für Ökologie und Landschaft

  • Maßgebliche Unterstützung: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN)

1. Themenblock: Ausgestaltung der Energiewende hinsichtlich Energiemix, Flächenbedarfe etc.

  • Energiebedarfe der Zukunft | Dr. Werner Neumann, BUND e.V. BAK EnergieWas wissen wir aktuell über die Energiebedarfe und Energiequellen der nächsten Dekaden und welche Rolle spielen erneuerbare Energien hierbei? Zentrale Aussagen: Fossile und atomare Energien gilt es schnellstmöglich zu ersetzen. Es liegen dazu in vielen Fällen technische Lösungen vor, aber diese werden von der Politik nicht nachdrücklich und effizient genug forciert. Außerdem fehlt es an gesellschaftlicher Akzeptanz und politischer Umsetzung. Forderungen sind, die Energieverschwendung konsequent zurückzufahren, die Energieeffizienz zu erhöhen sowie weiterhin neue erneuerbare und umweltfreundliche Energien zu finden.
  • Flächenszenarien und überschlägige Konsequenzen auf Natur und Landschaft | Kathrin Ammermann, Bundesamt für NaturschutzZentrale Aussagen: Die Energiewende erfordert einen umfassenden Umbau des Energiesystems mit zentralem Blick auf die "Flächenfrage". Das Konfliktrisiko durch Belange von Natur und Landschaft ist stark abhängig von Umfang und Qualität der in Anspruch genommenen Flächen. Eine naturverträgliche Ausgestaltung ist nur möglich, wenn der Energieverbrauch konsequent reduziert bzw. die Energieeffizienz erhöht wird. Der Ausbau sollte auf verträgliche Standorte gelenkt, die Technologieentwicklung vorangetrieben sowie Netze und Speicher entwickelt werden. Naturschutzaspekte müssen frühzeitig einbezogen werden, damit entfällt die Folgenbewältigung.

2. Themenblock: Erneuerbare Energien und Natur und Landschaft

  • Artenschutz - Konflikte mit der Energiewende | Dr. Kai Frobel, BUND Naturschutz in Bayern e. V.Wie wirken Biogasanlagen und Windkraft auf unsere Biodiversität? Zentrale Aussagen: Im Naturschutz gibt es ein Bewertungsdilemma bei der Einstufung der Technologien in "gefährlich" oder "unproblematisch". Es gilt ein Ökosystem zu bewerten, das komplexe Wechselbeziehungen beinhaltet und mit vielen Unwägbarkeiten behaftet ist. In vielen Fällen fehlt es an einer Freilandkartierung und einem Monitoring. Vorhandene Kartierungen der Windkraftanlagenbetreiber sind nicht offengelegt. Es bedarf sowohl regionalplanerischer Festlegungen von Vorrangflächen für Windkraftanlagen (WKA) als auch einer Detailplanung für jeden Standort. Planungsbüros sollten über die Naturschutzbehörden beauftragt werden.
  • Landschaftsbild und Energiewende - reale Belastung oder Gewöhnung an neue Landschaftsprägungen? | Prof. Dr. Michael Roth, Hochschule für Wirtschaft und UmweltZentrale Aussagen: Bei der Analyse und Bewertung des Landschaftsbildes fließen sowohl Objektebene (Landschaft mit bildauslösenden Landschaftskomponenten) als auch Subjektebene (subjektive Befindlichkeit des Betrachters) ein. Befragungen zur Beurteilung des Landschaftsbildes ergaben unterschiedliche Reaktionen in Bezug darauf, was als störend empfunden wird. Ein Bewertungswandel von Sehgewohnheiten ist nachgewiesen. Galten Gebirge früher als bedrohlich, sind sie heute ein Ort zur Erholung. Kinder nehmen die Landschaft anders wahr als Erwachsene. Sie akzeptieren Elemente, mit denen sie aufwachsen und reagieren positiv bei Aufklärungsarbeit (beispielsweise bei Windkraftanlagen).

3. Themenblock: Lösungswege für eine nachhaltige naturverträgliche Energiewende

  • Die naturverträgliche, räumliche Steuerung von Windkraftanlagen | Prof. Dr. Markus Reinke und Dipl. Ing. Peter Blum, HSWTZentrale Aussagen: 27 % der Fläche Bayerns sind Naturparkflächen, die bisher für die Errichtung von Windkraftanlagen (WKA) tabu waren. In einem Projekt der HSWT wurde am Beispiel des Naturparks Altmühltal eine Vorgehensweise und ein Kriterienkatalog erarbeitet, der es möglich macht, auch in diesen Bereichen Nischen für WKAs zu finden. Die Fläche wird in drei Zonen eingeteilt: Tabuzonen schließen WKAs aus, Ausnahmezonen sind WKA-verträglich und Entscheidungszonen müssen differenziert betrachtet und beurteilt werden.
  • Kleine Technik, große Wirkung: Erfassungs- und Regeltechniken bei Windkraftanlagen zur Vermeidung von Kollisionen mit Vögeln/Fledermäusen | Prof. Dr. Christoph Moning, HSWTZentrale Aussagen: Vielen Fledermäusen und Vögeln, besonders Greifvögeln, wird eine WKA zum Verhängnis. Das Kollisionsrisiko wird dabei durch Physiologie und Verhalten der Art sowie der Spezifikation der Windenergieanlage bestimmt. Es gibt bereits funktionierende, visuell automatisierte Systeme, die die Tiere in Echtzeit in einer ersten Stufe detektieren und dokumentieren. In der zweiten Stufe werden zur Kollisionsvermeidung automatische Warn- und Abschrecklaute abgegeben. Falls dies noch nicht ausreicht, stoppt die Anlage automatisch auf 3 - 4 Umdrehungen pro Minute, so dass die Vögel gefahrlos passieren können. Es gibt zwar noch Forschungsbedarf zur technischen Verfeinerung sowie planerische Fragen, aber schon jetzt ist eine deutliche Verminderung des Vogelschlags bei Verwendung der Systeme zu beobachten.
  • Biodiversität mit Gratiseffekten: Wildpflanzenmischung für Biogasanlagen | Michael Diestel, Bayerischer BauernverbandZentrale Aussagen: Im Gebiet Rhön-Grabfeld wurde ein umfassender Praxisversuch zur Forschung und Weiterentwicklung einer aus 30 Samenarten bestehenden Wildpflanzenmischung durchgeführt. Ein Teil dieser Mischung besteht aus Ammenpflanzen, die der Bestandsführung und Beikrautunterdrückung dienen (z.B. Sonnenblumen und Schmuckkörbchen). Ein weiterer Teil sind Füllarten, die den Ertrag optimieren sollen (z.B. Wegwarte und Eselsdistel). Der dritte Teil der Mischung besteht aus Leitarten, die als Gerüstbildner fungieren (z.B. Fenchel und Stockrose). Positive Effekte des Anbaus von Wildpflanzen im Vergleich zu Biogasmais ist der Boden- und Wasserschutz. Die Wind- und Wassererosion wird vermindert und die Wasserqualität durch Verminderung des Nitrateintrags verbessert. Besonders wichtig ist der Beitrag dieser Mischung zur Erhöhung der Biodiversität. Ökonomisch erreicht die Wildpflanzenmischung immerhin 50-60 % des Methanertrags von Mais.

Stoffliche vs. thermische Nutzung von Biomasse: umweltverträgliche Substrate und alternative Produkte - Prof. Dr. Matthias Drösler, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Zentrale Aussagen: Ein Forscherteam der HSWT beschäftigt sich intensiv mit Fragestellungen rund um Moore, beispielsweise deren Renaturierung. In einem Projekt werden sechs Pflanzenarten in Paludikultur (Nassbewirtschaftung) angebaut und auf ihre Eignung als Biomasse untersucht, sowohl unter dem Aspekt der energetischen (z.B. Biogasgewinnung, thermische Verwertung) als auch der stofflichen Verwertung (z.B. Torfersatzstoffe, Dämm- und Baustoffe).

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