Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

PsIGa: Ein online aufrufbares Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem für Gartencenter zur Unterstützung des Beratungspersonals

Im Haus- und Kleingartenbereich können sowohl an Obst- und Gemüsekulturen als auch an Ziersträuchern und Stauden eine Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen auftreten. Je nach Stärke des Befalls leidet dabei lediglich der Zierwert der Pflanzen. In manchen Fällen kommt es jedoch zur Beeinträchtigung der Entwicklung und des Wachstums der Pflanze, was zu Ertragseinbußen und Ernteausfällen führen kann. Einzelne Schaderreger können auch das Absterben der gesamten Kultur zur Folge haben. Eine eindeutige Diagnose stellt das Fachpersonal an der Pflanzenschutztheke häufig vor eine große Herausforderung. Vor allem bei Kundenanfragen zu unspezifischen Schadursachen ist eine effiziente, sichere, zeitnahe und aktuelle Beratung durch das Gartencenterpersonal nicht immer möglich. An dieser Stelle setzt das Projekt PsIGa (Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem für Gartencenter) an. Mit Hilfe dieses online abrufbaren Systems, das für den Computer an der Pflanzenschutztheke entwickelt wird, verfügt das Beratungspersonal in Zukunft neben einem Recherchetool zu Schadursachen auch über anschauliche Text- und Bildinformationen sowie Hinweisen zu Vorbeuge- und Bekämpfungsmaßnahmen für aktuelle und bedeutende Probleme zu allen im Hobbygarten wachsenden gärtnerischen Kulturen. Das dreijährige Projekt (2013-2016) wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen der Förderung innovativer Vorhaben zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gefördert.

Abb. 1: Ein übersichtliches Navigationsmenü erleichtert in PsIGa die Suche nach der Schadursache
Abb. 1: Ein übersichtliches Navigationsmenü erleichtert in PsIGa die Suche nach der Schadursache

Bringt beispielsweise ein Kunde ein symptomtragendes Blatt zur Beratungstheke im Gartencenter, ist es den Mitarbeitern zukünftig möglich, sich ihre Diagnose mit Hilfe des Systems bestätigen zu lassen bzw. zu ermitteln. Zudem können weitere Informationen für den Kunden ergänzt und beispielsweise auch in gedruckter Form mit an die Hand gegeben werden. Die Biologie der Schaderreger, potentielle Wirtspflanzen, charakteristische Symptome, mögliche Verwechslungsgefahren sowie selbstverständlich Informationen zur Vorbeugung und Bekämpfung werden ausführlich beschrieben. Unterstützt wird die Arbeit mit PsIGa durch aussagekräftiges und ansprechendes Bildmaterial. Fällt dem Mitarbeiter an der Pflanzenschutztheke die sofortige Diagnose schwer, so kann er Schritt für Schritt einem vorgegebenem Diagnoseraster folgen und dadurch die Auswahl der in Frage kommenden Schadursachen weiter eingrenzen.

Abb. 2: Mit Hilfe eines Filters (links) lässt sich die Auswahl der in Frage kommenden Schadursachen (rechts) eingrenzen
Abb. 2: Mit Hilfe eines Filters (links) lässt sich die Auswahl der in Frage kommenden Schadursachen (rechts) eingrenzen

Zusätzlich haben die Gartencenter die Möglichkeit, Pflanzenproben mit unklaren Schadursachen zur Diagnose an das Pflanzenschutzlabor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zu schicken. Die Ergebnisse dieser Diagnose werden aufbereitet und kommen anschließend dem gesamten System und damit allen Nutzern in Form von neuen Beiträgen zugute.
In der ersten praktischen Test-Phase des Projekts, die im März 2015 begann, besitzen lediglich die 24 am Projekt beteiligten Gartencenter einen Zugang zum Beratungssystem. Während der ersten Monate wird PsIGa an die Bedürfnisse der Praxis an der Beratungstheke angepasst. Im Laufe der gesamten Projektlaufzeit werden schrittweise neue Informationen zu Schaderregern in die Datenbank aufgenommen. Dadurch werden die wichtigsten Krankheiten und Schädlinge an gärtnerischen Kulturen im Haus- und Kleingarten (Obst, Gemüse, Zierpflanzen, Ziergehölze, Stauden, Rasen) anhand ihrer Wirtspflanzen, Biologie, Verwechslungsmöglichkeit sowie Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung vorgestellt und für das Gartencenterpersonal übersichtlich präsentiert. Zusätzlich verfügt das System über eine interaktive Tabelle, mit deren Hilfe potentielle Pflanzenschutzmittel und ihre Zulassung, Indikation und weitere nützliche Informationen wie beispielsweise Bienengefährlichkeit dargestellt werden können.

Abb.3: Eine Tabelle zeigt die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit ausgewählten Zusatzinformationen (u.a. Wirkstoff, Anwendungsbereich, Bienengefährlichkeit).
Abb.3: Eine Tabelle zeigt die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit ausgewählten Zusatzinformationen (u.a. Wirkstoff, Anwendungsbereich, Bienengefährlichkeit).

In einem weiteren Schritt ist geplant, die einzelnen Beratungsfälle mit Beschreibung und empfohlenen Pflanzenschutzmitteln, wie sie vom Gartencenter-Personal ausgesprochen wurden, in einer Fall-Datenbank festzuhalten. Im Sinne einer Web 2.0 Anwendung können so auch die Erfahrungen der Privatgärtner in das System PsIGa einfließen. Interessierte Kunden erhalten im Zuge der Beratung im Gartencenter einen persönlichen Online-Zugang, mit dem sie ihren Fall durch ein differenziertes Feedback zu Erfolg bzw. Misserfolg der empfohlenen Behandlung Stellung nehmen können. Werden die einzelnen Beratungs-Fälle in dieser Form über mehrere Jahre gesammelt, so entsteht ein wichtiges Tool, mit dem saisonale Trends spezieller Pflanzenschutzprobleme zusammen mit den Erfolgsquoten der jeweiligen Behandlungsvorschläge zu erkennen sind. Einerseits wird der Einsatz von PsIGa zu einer deutlichen Verbesserung der Pflanzenschutzberatung im Gartencenter und andererseits zu einer Profilierung der beteiligten Gartencenter führen.
PsIGa ist ab sofort zu finden unter:
www.psiga.de

Infodienst Weihenstephan - Mai 2015

Forschungssprojekt PsiGa

Verfasser/in

Simon Goisser

Gabriele Jorias

Thomas Lohrer

Christian Sieweke

Prof. Dr. Thomas Hannus

Prof. Dr. Georg Ohmayer

Institut für Gartenbau