Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Gemischte Stauden fürs Grab

Bodendeckende und individuelle Pflanzkombinationen

Vorspann: In einem Versuch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wurden Staudenmischpflanzungen für Gräber entwickelt. Wie es möglich ist mit verschiedenen Bodendeckern ein pflegeleichtes und doch attraktives Grab zu gestalten und welche Rolle Mulchmaterialien in der Anfangsphase dabei spielen zeigt dieser Artikel.


Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, kurz mal hier und eigentlich sollte man schon wieder woanders sein. Diese Entwicklung stoppt auch nicht vor dem Friedhof und macht sich in der Grabgestaltung bemerkbar. Trotzdem ist ein Grab und dessen Pflege für Angehörige ein wichtiger Ort um den Verstorbenen nahe zu sein.
Diese Tendenz zeigt auch Auswirkungen auf die Pflanzenauswahl am Grab. Traditionellerweise werden am Grab Bodendecker mit Rahmenbepflanzung und saisonalem Wechselflor kombiniert. Ein Versuch, der innerhalb einer Bachelorarbeit, welche von Prof. Dr. Swantje Duthweiler betreut wurde, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt wurde, zeigt eine Alternative. Eine Grabgestaltung, vorwiegend mit bodendeckenden Staudenmischpflanzungen, die das Grundgerüst der Grabgestaltung bilden sollen und trotzdem, wenn gewünscht, mit saisonaler Bepflanzung stärker individualisiert werden können.

Abb. 1: Euonymus japonicus 'Microphylla' und Arabis ferdinandi coburgi 'Variegata'
Abb. 1: Euonymus japonicus 'Microphylla' und Arabis ferdinandi coburgi 'Variegata'

Stauden kombiniert

Ziel des Versuches war es eine Grabgestaltung zu entwickeln, die vorwiegend aus Staudenmischpflanzungen besteht, mit Gehölzen als Rahmenbepflanzung ergänzt wird und sich so als pflegeleicht erweist.
Die Staudenauswahl der einzelnen Mischungen wurde nach folgenden Gesichtspunkten getroffen: Attraktive Pflanzen in ihrer individuellen Erscheinung, aber vor allem die Wirkung in Kombination mit anderen Stauden. Blattstruktur, -textur und die Farbe von Blatt und Blüte waren von Bedeutung. Natürlich spielen das Wuchsverhalten und der Blühzeitpunkt eine bedeutende Rolle, damit sich die Pflanzen auch sinnvoll ergänzen. Daneben wurden die Stauden nach ähnlichen Standortansprüchen kombiniert. Drei besonders attraktive Kombinationen werden nun vorgestellt:

Abb. 2: Potentilla tridentata 'Nuuk'
Abb. 2: Potentilla tridentata 'Nuuk'

"Grüne Variation"

Bei dieser Staudenmischpflanzung kommt es weniger auf den Blühaspekt an, der nur eine untergeordnete Rolle spielt, sondern vielmehr auf die Blattvielfalt und deren Struktur und Textur. Schmale längliche Blätter von Carex ciliatomarginata 'Island Brocade' neben kleinteilig gegliederten Blättern, Alchemilla hoppeana und Waldsteinia ternata, dazu noch das etwas unruhig wirkende Blattwerk von Epimedium 'Kaguyahime' und die wintergrünen Blätter ergeben ein interessantes Erscheinungsbild für einen halbschattigen Standort.
Als Ergebnis brachte die Mischung eine gute Bodenabdeckung, die es den Beikräutern schon in der ersten Vegetationsperiode schwer machte. Von den einzelnen Pflanzen nahm Alchemilla hoppeana flächenmäßig den größten Anteil der Bodenbedeckung ein, jedoch konnte sich Carex ciliatomarginata 'Island Brocade' als Blickfang der Mischung durchsetzen.


Abb. 3: Kombination mit Alchemilla, Carex und Waldsteinia
Abb. 3: Kombination mit Alchemilla, Carex und Waldsteinia
Abb. 4: Acaena buchananii und Pinus sylvestris
Abb. 4: Acaena buchananii und Pinus sylvestris

"Rot und Silber"

Wie schon der Name andeutet, spielen in dieser Kombination die Farben Rot und Silber eine besondere Rolle. Dabei spiegeln sich die Farben sowohl in den Blüten als auch in der Blattfärbung wieder.
Ein rot belaubter Bodendecker Acaena microphylla 'Kupferteppich' in Kombination mit Anaphalis triplinervis 'Sommerschnee', die sich mit silbernem Blattwerk und weißen Blüten behaupten kann, dazu noch ein roter Blühaspekt von Antennaria dioica 'Rotes Wunder' und die weißen Blüten von Aster pansus 'Snowflurry' und schon entsteht eine ausdrucksstarke Grabmischung für einen sonnigen Standort.
Im Gesamteindruck hat sich diese Mischung hervorragend entwickelt, auch wenn nicht alle Pflanzen gleich starkwüchsig auftreten, können sie durch unterschiedliche Blühzeitpunkte für Aufmerksamkeit sorgen. In der gepflanzten Kombination setzte sich Acaena microphylla 'Kupferteppich' zu stark durch. Minimale Stückzahlen reichen für eine spätere ausreichende Bodendeckung. Anaphalis triplinervis 'Sommerschnee' bildet mit silberfarbigem Laub tolle Polster, die sogar als Gehölzersatz dienen können. Daneben sorgt Aster pansus 'Snowflurry' für eine weitere strukturreiche Form.

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Abb. 5: Pflanzkombination 'Rot und Silber' - die Farben spiegeln sich in den Blüten und im Laub wieder.
Abb. 5: Pflanzkombination 'Rot und Silber' - die Farben spiegeln sich in den Blüten und im Laub wieder.

"Blütenreichtum"

Zahlreiche Blütenköpfchen in weiß und rosa schweben über das Beet, welches von einem dichten grünen Teppich bedeckt wird. Für den rosa Anteil in dieser Kombination sorgt Phuopsis stylosa. Arabis ferdinandi-coburgii 'Old Gold' und Armeria maritima 'Alba' mischen weiße Blüten auf das Grab.
In der Pflanzung war Phuopsis stylosa dominierend. Die Pflanzen breiteten sich stark auf dem Beet aus und machten es den anderen Pflanzen schwer, sich in der ersten Vegetationsperiode durchzusetzen. Armeria maritima 'Alba' bildet Polster, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. Aus diesem Grund sollte Phuopsis stylosa nur in geringer Pflanzenanzahl verwendet werden, um eine gute Mischung der Pflanzen gewährleisten zu können.

 

Das Mulchen der Beete

Die Beete wurden in 3-facher Weise ausgepflanzt, um einmal mit Kakaoschalen, Rindenhumus gemulcht zu werden und im Gegensatz dazu, den Unterschied im Wachstum zu den Beeten ohne Mulchschicht zu erkennen. Jene Flächen, welche mit Kakaoschalen gemulcht wurden, wuchsen mit minimalem Vorsprung schneller an. Dieser Effekt wird durch die Düngewirkung von Kakaoschalen hervorgerufen. Ansonsten sind die gemulchten Beete in ihrer Wüchsigkeit nur minimal von den anderen zu unterscheiden. Auffälliger ist hingegen, wie das Erscheinungsbild der Mischpflanzungen durch die Mulchmaterialien beeinflusst wird. Kakaoschalen mit ihrer rötlichen Grundfarbe lassen die Pflanzen anders wirken als der dunkelbraune Rindenhumus. Kakaoschalen, vorwiegend aus dem Hausgarten bekannt, weisen den Nebeneffekt auf, dass auf den Beeten ein intensiver Schokoladenduft verströmt wird, der nach einigen Wochen allmählich verschwindet. Ob der Duft der Kakaoschalen auf einem Friedhof angebracht ist, muss jeder Grabgestalter selbst entscheiden.

 

Abb. 6: Verschiedene Mulchmaterialien im Vergleichstest
Abb. 6: Verschiedene Mulchmaterialien im Vergleichstest

Historische Verwendung

Um auf das aktuelle Pflanzensortiment Bezug nehmen zu können, ist es von Nutzen einen Einblick in die historische Entwicklung der Pflanzenverwendung in der Grabgestaltung zu bekommen, da die heutige Bepflanzung des Friedhofs auch mit der historischen Entwicklung des Friedhofs zusammenhängt.

Schon in den vorchristlichen Totenkulten wurde auf Pflanzen und deren Symbolik wertgelegt, um die Toten zu ehren. Im Mittelalter wurden vorwiegend heimische Pflanzen als Grabschmuck verwendet. Man glaubte daran, dass bestimmte Pflanzen böse Einflüsse abwehren konnten und sich so mit ihrer Symbolik positiv auswirkten. Beispielsweise wurde Anaphalis margaritacea die Unsterblichkeit nachgesagt. 1

Nachdem die Friedhöfe im 16. Jahrhundert dem städtischen Wachstum weichen mussten und vor die Tore der Stadt verlegt wurden, war der Weg für den täglichen Besuch zu weit. Somit fand man Pflanzen mit hoher Pflegebedürftigkeit immer seltener auf den Gräbern. Mit der immer geringer werdenden Pflege verschwand auch das Wissen um die Symbolik im Totenkult. Zur Zeit der Aufklärung fand ein Umdenken statt, auch in der Pflanzenauswahl der Grabgestaltung. Die Bepflanzung sollte ästhetisch, hygienisch und praktisch sein sowie moralisch bilden.2

Mit dem Aufkommen des landschaftlich angelegten Friedhofs veränderte sich auch die Pflanzenverwendung auf dem Friedhof. Neben heimischen Pflanzen wurde mit exotischen Pflanzen der Wohlstand gezeigt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte sich noch einmal ein Wandel in der Bepflanzung. Die Gräber wurden möglichst einheitlich bepflanzt und einfach gehalten.3


Heutige Trends

Neben der Tatsache, dass es immer mehr Alternativen zur klassischen Sargbestattung gibt, werden die Gräber stärker personalisiert. Sie dienen dazu den Charakter, beziehungsweise die Persönlichkeit des Verstorbenen zum Ausdruck zu bringen.

Auf Friedhöfen oder auf Gartenschauen fallen einige bewährte Bodendecker-Pflanzenarten mit verschiedenen neuen und beständigen Sorten immer wieder ins Auge. Besondere Blattschmuckpflanzen können mit ihrer Sortenvielfalt überzeugen:

Eine besondere Alternative zur klassischen Hedera helix bietet die Sorte 'Deltoidea' mit dem abgerundeten Blattwerk,  die für ein neues Erscheinungsbild sorgt.
 Acaena buchananii  kann man immer öfter auf Gräbern entdecken, doch nicht nur die klassisch grünlaubige Art, sondern auch rotlaubige Sorten wie die starkwüchsige Sorte 'Kupferteppich' werden gern verwendet. Diese Pflanze weist Blatt- und Blütenfruchtschmuck auf. Da sie nährstoffarmen und trockenen Boden bevorzugt, kann die Pflanze bei besseren Bedingungen schnell andere Arten verdrängen.

Eine rasenartige Alternative bietet Azorella trifurcata 'Nana', die auch im Winter mit grünem Blattwerk in Erscheinung tritt. Als sommergrüner Rasenersatz eignet sich auch Herniaria glabra hervorragend.

Ein sortenreiches Spektrum  für die Grabgestaltung bietet Arabis, welche besonders für Staudenmischpflanzungen geeignet ist, da sie den Boden kleinflächig bedeckt. Arabis ferdinandii-coburgii in den Sorten 'Variegata' oder 'Old Gold'  sind ebenso beliebt wie Arabis procurens oder Arabis x arendsii.
Arenaria montana wird gerne wegen ihrem weißen Blütenteppich im Mai verwendet. Darunter verbirgt sich das ganze Jahr über ein lockeres Polster.
Des Weiteren bietet sich Potentilla tridentata 'Nuuk' als Staude für die Grabgestaltung an. Diese Art bringt etwas Volumen in die sonst oft flachen Polsterpflanzungen.

Abb. 7: Euonymus fortunei 'Blondy' und Euonymus fortunei 'Minimus'
Abb. 7: Euonymus fortunei 'Blondy' und Euonymus fortunei 'Minimus'

Neben diesem kleinen Einblick in die Staudenvielfalt, die sich als Bodendecker für die Grabgestaltung eignen, gibt es natürlich zahlreiche Laub- und Nadelgehölze, die häufig verwendet werden und auch weiterhin ihren Einsatz finden. Zwar nicht neu, aber die Kriechspindel findet man in verschiedensten Formen wieder. Von gelb- über weiß panaschierte Blätter bis hin zu besonders dunklen Blättern, die sich hervorragend als Bodendecker eignen. Euonymus fortunei in den Sorten: 'Emerald`n Gold', 'Emerald Gaiety', 'Harlequin', 'Maxima', 'Minimus' und auch var. radicans.

Immer häufiger auf den Gräbern ist auch Mitchella repens, ein sehr flach wachsendes, immergrünes Gehölz. Im Juni erscheinen unauffällige Blüten, die sich jedoch durch ihren Duft bemerkbar machen.

Zukunft der Grabgestaltung


Die Grabgestaltung wird immer eine bedeutende Rolle spielen. Mit Blick auf die Pflanzenverwendung wird die Entwicklung dahin gehen, dass pflegeleichte Grabgestaltungen immer häufiger werden und der Anteil an saisonaler Bepflanzung vor allem im städtischen Bereich zurückgeht. Ein Grab, als kleinste gestaltete Einheit eines Friedhofes, prägt das Erscheinungsbild eines Friedhofes maßgeblich. Grabmasse, Art und Qualität der Grabbepflanzung und dessen Pflege sowie die Einbindung und Unterordnung in die Umgebung sind ausschlaggebend für die Wirkung des Friedhofes.

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1 PLATZ Manfred, 1994: Der Dorffriedhof und seine Pflanzen, Auswertungs- und
   Informationsdienst für Ernährung

2 HENNEBO Dieter, 1979: Geschichte des Stadtgrüns, Entwicklung des Stadtgrüns
   von der Antike bis in die Zeit des Absolutismus, Patzer Verlag GmbH und Co. KG,
   Hannover, 2. Auflage, 167 S.

3 PUDOR Heinrich, 1907: Zur Ästhetik der Friedhöfe, In: Die Gartenwelt, Paul Parey
   Verlag Berlin, 12 Jg., H. 13, S. 149

Infodienst Weihenstephan - Oktober 2013

Grabgestaltung

Verfasser

Julia Ramler, Freising