Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Buchhaltung und Bilanzierung (Teil 15)

9 Jahresabschluss

9.1    Einführung

Jedes Unternehmen ist verpflichtet, einen Jahresabschluss aufzustellen. Im einfachsten Fall ist es die Anlage „Einnahmeüberschussrechnung EÜR“, die dem Finanzamt vorgelegt werden muss.

Überschreitet das Unternehmen die Grenzen von 500.000 € Umsatz oder 50.000 € Gewinn, besteht die Pflicht, eine Bilanz vorzulegen und eine Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen. Eine Ausnahme bilden Freiberufler; diese müssen lediglich eine Einnahmeüberschussrechnung EÜR vorlegen, es sei denn, sie firmieren in der Rechtsform der UG, GmbH oder AG.
Bei Kapitalgesellschaften müssen neben der Bilanz auch noch eine speziell gegliederte Gewinn- und Verlustrechnung und ein Anhang mit Erläuterungen und einem Lagebericht vorgelegt werden.

Bild: Das Unternehmerpaar kann sich freuen: Der Jahresabschluss für das abgelaufene Geschäftsjahr ist endlich in trockenen Tüchern.
Das Unternehmerpaar kann sich freuen: Der Jahresabschluss für das abgelaufene Geschäftsjahr ist endlich in trockenen Tüchern.

9.2    Bilanzarten

  • Handelsbilanz und Steuerbilanz:
    Die vom Unternehmer aufzustellende Bilanz wird nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches gebildet. Deshalb nennt man sie Handelsbilanz. Auf der Basis der Handelsbilanz wird die Steuerbilanz erstellt. Beide weichen in einigen Bewertungen voneinander ab. Hauptunterschied sind die unterschiedlichen Abschreibungszeiten, die handelsrechtlich auf der Nutzungsdauer und steuerrechtlich auf den Abschreibungstabellen basieren.
  • Rohbilanz:
    Da die Handelsbilanz in der Regel eine Vielzahl an Unterbewertungen im Vermögen und Überbewertungen insbesondere der Rückstellungen aufweist, ist sie ungeeignet, dem Unternehmer ein reales Bild der Vermögenslage zu zeichnen. Deshalb sollte der Unternehmer die Bilanzpositionen real bewerten. Das heißt, er sollte sein Betriebsgebäude, welches mit einem Buchwert von zum Beispiel 100.000 € in den Büchern steht, mit dem Verkehrswert belegen und so die stille Reserve gedanklich „auflösen“. Diese mit realen Werten versehene Bilanz ist eine sogenannte  Rohbilanz, welche das reale Eigenkapital zeigt.
    Eine solche Bilanz ist einerseits für den Unternehmer, andererseits für seine Bank von großer Bedeutung. In dieser Bilanz sieht der Banker, welche Sicherheiten/Vermögenswerte wirklich im Unternehmen vorhanden sind.
  • Eröffnungs- und Schlussbilanz:
    Von einer Eröffnungsbilanz spricht man am Beginn eines jeden Geschäftsjahres. Sie zeigt, mit welchen bilanzierten Vermögenswerten und welchem bilanzierten Eigen- und Fremdkapital das Unternehmen in die neue Geschäftsperiode geht.
    Am Jahresende wird dann die Schlussbilanz aufgestellt. Sinnvoll, aber nicht verpflichtend ist die Aufstellung von Quartals- oder auch Monatsbilanzen.
  • Rumpfbilanzen:
    Von einer Rumpfbilanz spricht man, wenn das Geschäftsjahr nicht zwölf Monate umfasst. Beispielsweise wird das Unternehmen zum 01.03. gegründet. Dann umfasst die Rumpfbilanz für das Gründungsjahr den Zeitraum von 01.03. bis 31.12. Im Folgejahr basiert die Bilanzierung auf dem Kalenderjahr. Damit es beim Vergleich beider Bilanzen nicht zu Missverständnissen kommt, weil die zeitliche Basis unterschiedlich ist, wird eine Bilanz, der kein gesamtes Geschäftsjahr zugrunde liegt, als Rumpfbilanz bezeichnet.
  • Vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr:
    Alle im Handelsregister eingetragenen Unternehmen dürfen ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr wählen. Das ergibt aber im Garten- und Landschaftsbau wenig Sinn.
    Weitere Ausnahmen gibt es für Betriebe, die der Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen sind.

9.3    Gewinn- und Verlustrechnung - GuV

Einzelunternehmen und Personengesellschaften legen dem Finanzamt das Gewinn- und Verlustkonto vor. Dieses wird der Buchführung entnommen und stellt den Aufwendungen den Ertrag gegenüber. Der Periodengewinn bzw. Verlust wird über dieses Konto ermittelt.

Auch eine andere Darstellungsart (siehe unten) wäre möglich. Wichtig ist, dass das Finanzamt erkennt, wie der Gewinn zustande gekommen ist. Ergänzend wird das Formblatt „Einnahmeüberschussrechnung – EÜR“ verlangt.

Für Kapitalgesellschaften, deren Haftung auf das Firmenvermögen begrenzt ist, reicht der Adressatenkreis des Jahresabschlusses weiter als bis zum Finanzamt. Als Entschädigung für die beschränkte Haftungssumme müssen den Geschäftspartnern mehr Informationen über die Ertragslage des Unternehmens bereitgestellt werden.
Die Kapitalgesellschaft darf wählen, ob sie die Aufgliederung nach dem Umsatzkostenverfahren oder nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt.

Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB)

  1. Umsatzerlöse
  2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten     Leistungen
  3. Bruttogewinn vom Umsatz
  4. Vertriebskosten
  5. Allgemeine Verwaltungskosten
  6. Sonstige betriebliche Erträge
  7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
  8. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
  9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des     Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
  10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen     Unternehmen
  11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des     Umlaufvermögens
  12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene     Unternehmen
  13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
  14. Außerordentliche Erträge
  15. Außerordentliche Aufwendungen
  16. Außerordentliches Ergebnis
  17. Steuern von Einkommen und Ertrag
  18. Sonstige Steuern
  19. Jahresüberschuss/-fehlbetrag

Das Umsatzkostenverfahren beginnt bei den Umsatzerlösen. Von diesen werden die Herstellungskosten für die erstellten Baustellen abgezogen. Und da beginnt das Problem für viele Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen. Nur die wenigsten können ihre eigenen Herstellungskosten ermitteln. Deshalb scheidet dieses Verfahren generell aus und soll auch hier nicht weiter verfolgt werden. Dagegen verspricht das Gesamtkostenverfahren eine praktikable Alternative zu sein. Der Unternehmer ist in seiner Wahl frei. Der Gesetzgeber lässt ihm bewusst den Entscheidungsspielraum zwischen beiden Verfahren.

Das Gesamtkostenverfahren wird im nächsten Beitrag vorgestellt.

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Infodienst Weihenstephan - November 2013

Unternehmensführung

Bilder: Beiersdorf/Achterberg

Hinweis

Dieser Beitrag ist der fünfzehnte Teil einer Serie zum Thema "Buchführung und Bilanzierung". Er ist zuerst in der Fachzeitschrift DEGA Galabau, Nr. 5/2013, erschienen. Wir danken der Redaktion DEGA für ihre Zustimmung zur  Veröffentlichung im "Infodienst Weihenstephan".