Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

Pflanzenschutz - Ergebnisse aus dem Diagnoselabor

In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen einige unserer Diagnosen vor, die wir in den letzten Wochen zu eingelieferten Proben, Anfragen per E-Mail oder Brief oder auch zu Schäden, die uns selbst aufgefallen oder zugetragen worden sind, durchgeführt haben.

Zick-Zack-Ulmenblattwespe

Die aus Ostasien stammende Zick-Zack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda) ist als neue invasive Art an Ulmen in Europa beschrieben und wurde in Deutschland erstmals 2011 nachgewiesen. Als Wirtspflanze sind ausschließlich Ulmen zu nennen, wobei hier vermutlich alle heimischen als auch ausländischen Arten als anfällig einzustufen sind. Insgesamt werden bis zu vier Generationen pro Jahr ausgebildet. Die Überwinterung erfolgt als Puppe im Boden bzw. in der Bodenstreu. Die jungen Larven (Afterraupen) fressen beginnend vom Blattrand, dem Ort der Eiablage, ihre charakteristischen serpentinenartigen zick-zack-förmigen Fraßgänge in die Blätter, jeweils begrenzt durch die Seitenadern (Namensgebung). Später werden die Blätter dann bis auf die Hauptader vernichtet. Auf diese Weise kann es unter günstigen Bedingungen bereits bis zum Sommer zu einer stärkeren Entlaubung (75-100%) der Pflanzen kommen.


Auffälliger Blattfraß durch die jungen Larven der Zick-Zack-Ulmenblattwespe
Auffälliger Blattfraß durch die jungen Larven der Zick-Zack-Ulmenblattwespe

Leveillula-Mehltau an Poinsettien

Klassische Mehltaupilze treten als Ektoparasit auf und bilden meist blattoberseits weißliche Pilzbeläge aus. Sie dringen über die Kutikula in die Pflanze ein, begrenzt jedoch auf die oberste Epidermisschicht. Eine bekannte Ausnahme unter den Echten Mehltaupilzen bildet die Gattung Leveillula, die über die Stomata in die Pflanze eindringt und im Blattparenchym als Endoparasit - ähnlich dem Falschen Mehltau - lebt. Symptomatisch zeigen sich hier blattoberseits unspezifische chlorotische Flecken (Abbildung) und blattunterseits später eine Schicht aus weißlichen Trägerstrukturen, die einzellige Konidien abschnüren, die vom Wind verbreitet werden. Neben Leveillula taurica, eine Art mit einem sehr breiten Wirtspflanzenspektrum, ist für Poinsettien eine spezielle Art, Leveillula clavata, beschrieben, die erst seit einigen Jahren in Europa auftritt.


Erste unspezifische Symptome vom Leveillula-Mehltau an Poinsettien
Erste unspezifische Symptome vom Leveillula-Mehltau an Poinsettien

Bakteriose an Mohn

Für Mohn (Papaver sp.) sind mindestens zwei Bakteriosen bekannt (Pseudomonas viridiflava, Xanthomonas campestris), die aber eine teils ähnliche Symptomatik hervorrufen und nur über eine bakteriologische Untersuchung im Labor zu trennen sind. Auf den Blättern bilden sich dunkle, teils eckige Blattflecken aus, die häufig verstärkt am Blattrand auftreten. Eine feuchte Witterung (Überkopfbewässerung, Niederschläge, Nebel) und Temperaturen über 20 °C fördern die Ausbreitung und auch die Symptomausprägung der Bakteriosen. Spaltöffnungen und Wunden sind hierbei die bevorzugten Eintrittspforten. Eine Vermehrung über infizierte Mutterpflanzen ist ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der Krankheit.


Blattflecken-Bakteriose an Mohn
Blattflecken-Bakteriose an Mohn

Neue Buchbesprechung

Bibliographische Angaben:

Heinrich Lösung: Schadbilder an Gehölzen. avBuch im Cadmos Verlag, Schwarzenbek, 2013, ISBN 978-3-8404-8205-2, Preis: 19,90 Euro, Format: 24x17 cm

Inhalt:

Der Schwerpunkt des rund 160 Seiten umfassenden Buches liefert die bebilderte Vorstellung von Schaderregern. Nach einer Einführung zu Schaderregern mit allgemeiner Bedeutung (25 Seiten) werden in den Kapiteln "Schadbilder an Nadelgehölzen" (15 Seiten) und "Schadbilder an Laubgehölzen" (75 Seiten), jeweils gegliedert nach Gattungen, die Schaderreger näher vorgestellt. Die Vorstellung erfolgt anhand der Punkte Schadbild, Verbreitung, Vorkommen, Abwehr und einer Abbildung, wobei auf jeder Seite durchschnittlich zwei Schaderreger besprochen werden.
Im Anhang finden sich im Schwerpunkt neben einem Register und amtlichen Auskunftsstellen für den Pflanzenschutz auf rund 20 Seiten viele aussagekräftige Tabellen und Texthinweise zu einsetzbaren Pflanzenschutzmitteln zu den jeweils zuvor im Bildteil besprochenen Schaderregern an Nadel- und Laubgehölzen.
Das Buch erscheint in der Reihe "Grün ist Leben" als BdB-Handbuch (als Band X) und liegt jetzt in einer neuen, aktualisierten und erweiterten Neuauflage vor.

Empfehlung:

Wer für die Thematik "Krankheiten und Schädlinge an Gehölzen" passende Literatur sucht (somit noch nichts vergleichbares besitzt) sollte das praxisnahe und gute Handbuch in seine Auswahl aufnehmen, es dann jedoch je nach den eigenen Wünschen, Fragestellungen und Schwerpunkten mit anderen, thematisch ähnlich gelagerten Büchern auf dem Markt für sich vergleichen.

Buchtitel in Szene gesetzt
Buchtitel in Szene gesetzt

Infodienst Weihenstephan - November 2013

Pflanzenschutz

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