Claim Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - University of Applied Sciences

13. Gemüsebauseminar für den Freizeitgartenbau in Weihenstephan

Das Thema „Knollen und Knöllchen – Kartoffeln und weitere unterirdische Überraschungen lockte ca. 160 Freizeitgärtner nach Weihenstephan. Bei der Begrüßung informierte Prof. Dr. Volker Henning über laufende Aktivitäten und notwendige Einsparungen, die auch die Hochschule betreffen. Zur großen Erleichterung der Teilnehmer soll aber die beliebte Veranstaltung des "Hobbygemüsebautags" nicht davon betroffen sein.

Abb 1: Vielfalt an Süßkartoffelsorten
Abb 1: Vielfalt an Süßkartoffelsorten

Den Beginn der Vorträge übernahm Adolf Kellermann, Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising, mit seinem Beitrag "Rund um die Kartoffel!" – Wissenswertes zum Anbau im Hausgarten. Obwohl die Kartoffel zu den Nachtschattengewächsen zählt, liebt sie einen sonnigen Standort. Vor der Pflanzung von vorzugsweise zertifiziertem Pflanzgut ist es sinnvoll, die Knollen in "Keimstimmung" zu bringen. Das ist entweder mit 2-4 Tagen bei 20 °C oder 4-6 Wochen bei 10-15 °C möglich. Wichtig ist, dass dieser Prozess bei Licht stattfinden sollte. Kellermann ließ die Teilnehmer an seiner großen Erfahrung hinsichtlich der Sortenprüfung teilhaben und gab "Porträts" zu ausgewählten Sorten wie z.B. 'Alexandra', 'Anouschka', 'Magda', 'Birgit' oder 'Sissi' mit ausgezeichneten Geschmackseigenschaften.

Abb. 2: Adolf Kellermann, Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising
Abb. 2: Adolf Kellermann, Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising

Für ausführliche Sortenbeschreibungen wies der Referent auf die vom Bundessortenamt herausgegebene Sortenliste zum Download hin. Die Einteilung erfolgt zum einen in die Reifegruppen sehr früh, früh, mittelfrüh und mittelspät bis sehr spät zum anderen in die Kocheigenschaften. Während sich "festkochende" Sorten für Salate eignen, sind "mehlig kochende" eher für Kartoffelbrei und Chips geeignet. Als Allrounder sind die als "vorwiegend festkochend" eingestuften Kartoffeln zu verwenden. Besonders eindringlich wies der Referent darauf hin, dass Kartoffeln in jedem Fall geschält werden sollten, da sich in der Schale Giftstoffe z.B. Solanin befindet. Weiterhin gilt es aus dem gleichen Grund teilweise grüne Kartoffeln weg zu werfen und Keime zu entfernen, denn das Solanin ist in der gesamten Knolle, nicht nur an der vergrünten Stelle enthalten.

Thomas Jaksch, HSWT Freising, schloss sich mit seiner Präsentation zu "Süßkartoffeln in Bayern" an. Sein ambitioniertes Ziel, Bayern mit Süßkartoffeln zu überschwemmen, stieß auf große Heiterkeit, da der derzeitige Anbau noch bei Null liegt. Eher bekannt sind die als Strukturpflanzen verwendeten Zierformen der Süßkartoffel für bunt gemischte Balkonkastenbepflanzungen.


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Abb. 3: Ipomeabestand im Gewächshaus
Abb. 3: Ipomeabestand im Gewächshaus
Abb. 4: Austreibende Süßkartoffel
Abb. 4: Austreibende Süßkartoffel

Am Standort Weihenstephan werden seit sieben Jahren Versuche mit der interessanten Nahrungspflanze durchgeführt. Weltweit zählt sie nach Kartoffel und Maniok zu der drittwichtigsten Knollennahrungspflanze. Die Süßkartoffel (Ipomea batatas) gehört der Familie der Windengewächse (Convulvulaceae) an. Damit ist diese Kultur auch gut für die Fruchtfolge geeignet, da sonst kein Gemüse aus dieser Familie stammt. Geerntet wird Ende September bis Anfang Oktober, möglichst spät aber vor den ersten Frösten. Die Süße der Speicherwurzel nimmt nach der Ernte zu. Im Gegensatz zur Kartoffel kann sie auch roh verzehrt werden. Den Namen verdankt die auch "Batate" (I. batatas) genannte Süßkartoffel ihrem leichten mehlig süßlichen Geschmack, der von dem hohen Zuckergehalt herrührt. Bezüglich der Ansprüche an Klima und Boden sind sich Kartoffeln und Süßkartoffeln ähnlich. Allerdings ist die diese wesentlich frostempfindlicher und gehört zu den Schwachzehrern was den Dünger angeht. Pflanzgut ist regulär hier in Bayern kaum zu erhalten, aber die im Lebensmittelhandel angebotenen Knollen können verwendet werden. Die Knollen sollten keinesfalls im Kühlschrank gelagert werden, Temperaturen von 12-15 °C und hohe Luftfeuchtigkeit sind optimal.


Abb. 5: Thomas Jaksch demonstriert den Anbau von Erdnüssen
Abb. 5: Thomas Jaksch demonstriert den Anbau von Erdnüssen
Abb. 6: Katrin Kell bei der Ernte von Erdmandeln
Abb. 6: Katrin Kell bei der Ernte von Erdmandeln

Natürlich gibt es noch viel mehr "Knollige Leckerbissen", die weltweit angeboten werden. Aus der großen Produktpalette griff sich Katrin Kell, HSWT Freising, Oca, Yacon, Yams, Stachys, Erdmandel und die Erdnüsse heraus. Sie stellte den Anwesenden in Kurzporträts Wissenswertes zu diesen Kulturen aus Südamerika und Asien vor. Dem Tagungsband ist zu entnehmen, dass es noch sehr viel mehr Kulturen gibt, die zu Grundnahrungsmitteln in anderen Ländern zählen, aber auch bei uns anbauwürdig wären.


Abb. 7: Oca (Oxalis tuberosa)
Abb. 8: Yamswurzel
Abb. 8: Yamswurzel

Nach Beendigung der Vortragsreihe ging es zum gemeinsamen Mittagessen.

Zwischen Mittagessen und Beginn der Führungen war ausreichend Zeit, so dass sich die Besucher die Demonstrationspflanzungen, aufgestelltes Infomaterial und diverse Informationsstände von verschiedenen Firmen ansehen konnten.

Am Nachmittag führten die Referenten durch verschiedene Stationen und standen für zahlreiche individuelle Fragen zur Verfügung.

Aufgeteilt in vier Gruppen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die am Vormittag in der Theorie kennengelernten, nicht immer alltäglichen Kulturen, vor Ort zu bestaunen.

Johann Brunner, Vorsitzender des Vereins 'Europäische Gesellschaft zur Förderung der Topinambur e. V.' vermittelte alles Wissenswerte zu der interessanten Knolle.  Topinambur (Helianthus tuberosus) ist eine äußerst vielseitige Pflanze für verschiedene Nutzungszwecke. Topinambur ist ein Delikatessgemüse für die menschliche Ernährung, aber auch eine wertvolle Futterpflanze für Tiere. Neben ernährungstechnischen Zwecken dient Topinambur auch zur Alkoholherstellung, als Wildacker- und Begrünungspflanze sowie zur Energiegewinnung (Topinamburpellets).


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Abb. 9: Johann Brunner vermittelte Wissen über Topinambur
Abb. 9: Johann Brunner vermittelte Wissen über Topinambur
Abb. 10: Topinambur Pflanzgut
Abb. 10: Topinambur Pflanzgut

Thomas Jaksch führte durch großflächige Süßkartoffelkulturen im Gewächshaus und demonstrierte im Freiland unter anderem die Ernte von Erdnüssen.

Katrin Kell beeindruckte die Besucher mit der  riesigen Yamswurzel und anderen exotischen Gewächsen wie  Oca, Stachys, Erdmandel .

Abb. 11: Stachys (Knollenziest)
Abb. 11: Stachys (Knollenziest)
Abb. 12: eigene Erdnüsse aus dem Freiland
Abb. 12: eigene Erdnüsse aus dem Freiland

Die Vielfalt der Kartoffelsorten präsentierte Adolf Kellermann direkt auf dem Acker – das Interesse der Teilnehmer zeigten die vielen Fragen, die Kellermann ausführlich und kompetent beantwortete.

Zum Abschluss des erfolgreichen Tages voller interessanter Informationen und Erkenntnisse kamen die Besucher noch einmal bei Kaffee und Kuchen zum gemeinsamen Austausch zusammen.

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Infodienst Weihenstephan - November 2013

Einblick