Informationsnachmittag - Besichtigung aktueller Poinsettienversuche

Die derzeit laufenden Versuche am Institut für Gartenbau an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zur Poinsettienkultur stehen kurz vor der Auswertung. Da es für den Praktiker hochinteressant ist, die Kulturen mit eigenen Augen zu begutachten, hat das Institut für Gartenbau kurzfristig Mitte November zu einem Besichtigungstermin mit Führung eingeladen. Obwohl im Moment in den Gärtnereien Hochsaison herrscht sind 40 Teilnehmer der Einladung gefolgt.

Abb 1: Blick über den Bestand
Abb 1: Blick über den Bestand
Abb. 2: Die Verkaufsreife ist erreicht
Abb. 2: Die Verkaufsreife ist erreicht

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Bernhard Hauser erläuterte der Betriebsleiter Dipl. Ing. (FH) Hans-Peter Haas den Anwesenden die Grundsätze und bisherigen Erfahrungen aus den Versuchsreihen.

Die Klimaführungsstrategie „Weihenstephaner Modell“ hat mittlerweile Eingang in die gärtnerischen Betriebe gefunden. Kein Wunder, denn diese bietet die Möglichkeit, den Energiebedarf während der Übergangszeiten und im Winter um 25 % - 60 % zu senken ohne dass Qualitätseinbußen zu erwarten sind.

Abb. 3: Hans-Peter Haas erläutert die Versuchsanstellung
Abb. 3: Hans-Peter Haas erläutert die Versuchsanstellung

Grundlage der Versuche ist der Ansatz, dass Pflanzen nicht zwingend gleichmäßige Temperaturen für optimales Wachstum und Blütenbildung, sondern eine bestimmte Wärmesumme benötigen. Das Modell arbeitet in drei Schritten:

  • Absenkung der Heiztemperaturen in den Morgenstunden ähnlich des Prinzips Cool Morning, allerdings ohne Zwangslüftung
  • Heraufsetzen der Lüftungstemperaturen am Spätnachmittag um die Sonneneinstrahlung zur Deckung des Energiebedarfs am frühen Abend zu nutzen
  • Einsatz von Energie- und Verdunklungsschirmen zur Reduzierung des zu beheizenden Luftvolumens im Gewächshaus in der Nacht bzw. bei sehr geringer Einstrahlung

Ziel der Versuche 2013 war es, das "Weihenstephaner Modell" am Beispiel von Euphorbia pulcherrima weiter zu optimieren und Sicherheit im Grenzbereich der Anwendung zu erhalten. Variiert wurde in den aktuellen Versuchen besonders die "Cool Morning"-Phase durch Verlängerung und stärkere Temperaturabsenkung. Darüber hinaus wurde am frühen Abend nach dem Schließen der Energie- und Verdunklungsschirme durch zeitlich begrenzte höhere Heiztemperaturen ein Wärmepolster geschaffen. Ein besonderer Augenmerk war die Pflanzenqualität und die einzuhaltenden Absatztermine.


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Abb. 4: Die Kontrolle des Messfühlers ist sehr wichtig
Abb. 4: Die Kontrolle des Messfühlers ist sehr wichtig

Bei seinen Ausführungen betonte Haas, dass die Versuche in Weihenstephan einen Anhaltspunkt und wichtige Erfahrungen liefern, aber jeder Produzent bei sich in der Gärtnerei die eigenen Gegebenheiten im Blick haben sollte. Dies betrifft in erster Linie die tatsächlich vorhandene Einstrahlung vor Ort und die Genauigkeit der Temperaturregelung. Die eingestellten Heiztemperaturen bewegen sich mittlerweile an der Untergrenze für ein optimales Wachstum. Das bedeutet, dass eine Abweichung des Fühlers zu der eingestellten Temperatur am Klimacomputer schon eine Kulturverlängerung oder zu kleine Brakteen zur Folge haben könnte. Ein weiterer Diskussionspunkt war die relative Luftfeuchte in den Gewächshäusern. Um der Gefahr von Botrytis und anderen Pilzkrankheiten vorzubeugen, ist eine trockene Kulturführung ratsam.

Abb. 5: Rundgang durch die Gewächshäuser
Abb. 5: Rundgang durch die Gewächshäuser
Abb. 6: lebhafte Diskussionen vor Ort
Abb. 6: lebhafte Diskussionen vor Ort

Beim anschließenden Rundgang hatten die Gäste die Möglichkeit, sich von der Qualität der 25 im Versuch befindlichen Sorten an Weihnachtssternen zu überzeugen. Selbstverständlich wurde da auch die eine oder andere Pflanze ausgetopft, um auch das Wurzelwachstum zu begutachten. Insgesamt waren die Praktiker sehr zufrieden mit der Qualität und warten jetzt auf die statistischen Auswertung der Versuchsergebnisse.


Infodienst Weihenstephan - Dezember 2013 | Januar 2014

Einblick

Verfasser

Franziska Kohlrausch
T +49 8161 71-5107
T +49 8161 71-5384
franziska.kohlrausch [at]hswt.de