Wasser ist das, was die Welt im Innersten zusammenhält

In einem Interview erklärt der Hydrologe Prof. Dr. Kristian Förster anlässlich des Weltwassertages am 22. März die Besonderheit des neuen Netzwerkes Cluster Wasser an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Außerdem schildert er seine Eindrücke zur Fachtagung „Tag der Hydrologie“ in Kassel und was ihn persönlich an seiner Forschung fasziniert und anspornt.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Cluster Wasser?
Das Cluster Wasser ist ein neu gegründetes Netzwerk für Forschende und Lehrende an der HSWT. Es zielt darauf ab, die Forschungs- und Lehrkapazitäten zum Thema Wasser zu bündeln, zu stärken und auszubauen. Technische Infrastruktur wird weiterentwickelt, Kooperationen werden gefördert und Reallabore vorbereitet. Ziel ist, datenbasierte Lösungen für ein nachhaltiges Wassermanagement und nötige Klimaanpassungsmaßnahmen zu entwickeln sowie ein stabiles Netzwerk hierfür aufzubauen. Prof. Dr. Kristian Förster, Inhaber der Professur „Climate Change Hydrology“, ist der Sprecher des Cluster Wasser und stand anlässlich des Weltwassertages am 22. März für ein Interview zur Verfügung.
Welche Relevanz sehen Sie in dem Aufbau und der Organisation des Cluster Wasser?
Das Thema Wasser ist in den letzten Jahren allgegenwärtig. Sei es, dass wir Wasser im Überfluss hatten mit zahlreichen Starkregen- und Überschwemmungsereignissen in Bayern z.B. im Sommer 2024, oder, dass wir ein zu geringes Wasserangebot durch anhaltende Dürren in den Jahren 2018 bis 2022 in Deutschland hatten. Hier stand vor allem die Landwirtschaft als unmittelbar betroffen im öffentlichen Fokus. Wir als Gesellschaft sind alle in irgendeiner Weise mit dem Thema Wasser konfrontiert.
Das Besondere der HSWT, die sich als grüne Hochschule im Bereich Natur, Ernährung und Umwelt in der Forschung und Lehre auszeichnet, sind die vielen verschiedenen Fachgebiete, die mit dem Thema Wasser und dessen Umgang in Berührung kommen. Der Bogen reicht von der landwirtschaftlich-gärtnerischen Produktion, der Wasserwirtschaft, der Erhaltung und Schaffung von natürlichen Lebensräumen über die Klimamodellierung bis hin zu der Lebensmittelproduktion. In allen Bereichen wird zu der Ressource Wasser und den aktuellen Herausforderungen geforscht. Es gab auch vor dem Cluster Kooperationen zwischen einzelnen Fachgebieten und Professuren. Es hat sich jedoch gezeigt, dass mit dem Cluster Wasser durch mehr Aufmerksamkeit auf diesen Themenkomplex die Vernetzung zwischen den Forschenden verstärkt wurde und vermehrt wasserbezogene Forschungsvorhaben angestrebt werden.
Das Thema Wasser kann nicht für sich allein gedacht werden. Es bedarf eines hohen Grades an Interdisziplinarität, um drängende Herausforderungen zu adressieren. In vielen Forschungsprojekten bestehen auch Kooperationen mit Praxispartnern und Beteiligungen von Kommunen und Behörden. Zukünftig möchten wir dieses Netzwerk weiter verstärken und ausweiten.
Worum ging es auf der Fachtagung „Tag der Hydrologie 2026“ an der Universität Kassel?
Die Fachtagung „Tag der Hydrologie“ findet jährlich statt und wird von verschiedenen Fachverbänden der Hydrologie und Wasserwirtschaft unterstützt. Die Tagung zielt auf einen Austausch zwischen Forschung und Praxis ab und stand unter dem Schwerpunkt „Wasserressourcen unter Druck“ im Zusammenhang mit Landnutzung und Klimawandel.
Im Themenblock „Wasserqualität unter Druck“ ging es zum Beispiel um die Problematik des Nitrat- oder Pflanzenschutzmitteleintrages durch die Landwirtschaft, den Eintrag von Schwermetallen aus dem Bergbau oder wie der Klimawandel die Wassertemperatur und damit den Sauerstoffgehalt in Oberflächengewässern zukünftig beeinflussen wird. Thematisiert wurde auch der zurzeit in der Öffentlichkeit diskutierte Eintrag der Ewigkeitschemikalie PFAS in den Wasserhaushalt. PFAS haben wasser-, fett- und schmutzabweisende Eigenschaften und werden in Produkten wie Kleidung, Pfannen oder Kosmetika zugesetzt. Sie konnten schon in manchen Grundwasserkörpern und Oberflächengewässern in Deutschland nachgewiesen werden und sind für den Menschen gesundheitsschädlich.
Im Themenblock „Wasserquantität unter Druck“ wurden hydrologische Extreme wie Dürren und Überschwemmungen diskutiert, die uns in Deutschland aktuell und zukünftig treffen werden, als Folge des Klimawandels, aber auch als Folge anthropogenen Handelns.
Der dritte Themenblock behandelte „Anpassungsmaßnahmen“, die den Druck auf Wasserqualität und -quantität reduzieren sollen, wobei hier der Wasserrückhalt in der Landschaft, der Hochwasserschutz oder die Wiedervernässung von Mooren als Beispiele zu nennen sind.
Mit welchen Fachbeiträgen haben Sie sich an der Tagung beteiligt?
In meinem Forschungsteam an der HSWT befassen wir uns mit Fragen rund um das Thema „Wasserquantität unter Druck“ und mit möglichen „Anpassungsmaßnahmen“. Im Projekt SCHWAMMBOX entwickeln wir neue Ansätze zur Bewertung, Modellierung und praxisnahen Umsetzung von naturbasierten Lösungen zum Wasserrückhalt in der Landschaft, die als Schwammflurmaßnahmen (z.B. Grünstreifen, Abflussmulden) um die Stadt Selbitz herum im Landkreis Hof eingesetzt werden. Mithilfe der CrowdWater App und weiterer Beteiligungsaktionen haben wir auch die lokale Bevölkerung, z.B. das Hochfranken-Gymnasium Naila, miteinbezogen, durch die wir bei der Datenerfassung von Pegelständen der betroffenen Bäche und Gräben unterstützt werden. Diesen Ansatz nennt man Citizen Science. Es zeigt sich, dass diese partizipativen Ansätze die Schnittstelle zwischen Forschung, Bildung und gesellschaftlicher Verantwortung stärken können.
In einem weiteren Forschungsvorhaben habe ich mich zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern mit dem Thema des Stadtgrüns von Hamburg im Klimawandel befasst. Wir haben erstmals systematisch die Wasserverfügbarkeit für das Stadtgrün erfasst und analysiert. Danach haben wir strategische Ansätze für die Bewässerungspraxis in Abhängigkeit unterschiedlicher Stadtgrüntypen (z.B. Friedhöfen, Kleingärten, öffentlichen Parkanlagen und Straßenbäumen) entwickelt. Das Ziel ist eine resiliente Stadt- und Landschaftsplanung, die auch auf die Einsparung von Trinkwasser in der Bewässerung abzielt.
Können Sie uns zusammenfassendende Eindrücke vom „Tag der Hydrologie“ und der Wissenschafts-Community schildern?
In Deutschland gibt es eine hohe regionale und lokale Variabilität hinsichtlich der Herausforderungen zum Thema Wasser. Das hat sich auch auf dem „Tag der Hydrologie“ gezeigt. Eine zukünftige Wassersicherheit bekommen wir nur, wenn wir Wasserqualität und Wasserquantität zusammen denken und den Landschaftswasserhaushalt als Gesamtes betrachten. Denn der Kampf ums Wasser hat in Deutschland schon begonnen, beschleunigt durch den Klimawandel.
Ein nachhaltiges Wasserressourcen-Management ist dabei die Schlüsselfrage für die Menschheit. Komplexe Herausforderungen müssen mit einfachen und umsetzbaren Lösungen beantwortet werden und die Wissenschaft sollte die Praxis faktenbasiert beraten. Zudem müssen wir der Fragmentierung von Wissen, das zurzeit vor allem in den einzelnen Forschungsprojekten und Kommunen erzeugt wird und verbleibt, entgegenwirken und das erlangte Wissen zusammenführen. Das Cluster Wasser der HSWT ist hierbei ein sehr gutes Instrument, die Vernetzung und Interdisziplinarität zu fördern und auszubauen.
Zuletzt noch eine persönliche Frage. Sie sind Hydrologe und halten seit 2023 die Professur „Climate Change Hydrology“ an der HSWT inne. Wie kam es, dass Sie das Thema Wasser erforschen und was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsbereich?
Zunächst war mein Ziel Meteorologie zu studieren. Mich haben schon immer Vorhersagen interessiert und wie man mit vorhandenen Daten die Zukunft prognostizieren kann. Durch Zufall habe ich von der Fachrichtung Hydrologie erfahren, in der über die Thematisierung des Wasserkreislaufes die Meteorologie inkludiert ist. Nur ist die Hydrologie viel breiter und interdisziplinärer aufgestellt. Deswegen habe ich das Fach studiert und hatte seitdem das große Glück, mein ganzes Berufsleben lang in diesem Fachgebiet arbeiten und jetzt diese Stelle an der HSWT inne haben zu dürfen.
Wie begegnet mir das Wasser im Alltag? Ich bin mir des Themas sehr bewusst. Zum Beispiel, wie viel Wasser steckt in einem Produkt, das ich kaufe. Wie viel Wasser wurde bei der Produktion verbraucht, was man beim Kauf nicht sieht. Oder wie ist die aktuelle Witterung, eher eine trockenere oder eine nassere. Diese Fragen immer einzuordnen, das ist das spannende, was mich beschäftigt: Wie kann ich also mein Wissen nutzen und was kann ich und jede und jeder Einzelne beitragen. Deswegen ist es hervorragend, dass ich die Chance habe, in meinem Beruf über diese Aspekte frei nachdenken zu können.


