• 20.05.2026
  • Feldnotizen
  • Prof. Dr. Sabine Grüner

Pflanzenanbau im Regal – nachhaltig und clever

Über Erdbeerpflanzen hängen LEDs, die ein violettes Licht verbreiten. Am Rande sieht man Plastikbeutel hängen, in denen sich eine grüne Flüssigkeit befindet
© Projektteam VertFarmmeetsBiotec

Was haben Algen, Baldrian und Erdbeeren miteinander zu tun? Und warum könnten leuchtende Bakterien die Landwirtschaft von morgen verändern?
Genau diesen Fragen geht das Projektteam Prof. Dr. Grüner, Prof. Dr. Mempel, Prof. Dr. Özmutlu und Prof. Dr. Riepl in dem Projekt  „VertFarmmeetsBiotec“ an der HSWT nach. In einer modernen Vertical Farm treffen Pflanzen, Mikroorganismen und natürliche Reststoffe aufeinander – und bilden gemeinsam einen effizienten, nachhaltigen Kreislauf. So entstehen spannende neue Ideen für den Pflanzenanbau der Zukunft.

Vertical Farming weckt Hoffnung für die Ernährung von morgen.

Mitten in Containern oder Hallen wachsen Pflanzen übereinander in Regalsystemen – geschützt vor Sturm, Hitze und Dürre. Unabhängig von Jahreszeiten und Wetter entstehen hier ideale Bedingungen, die sich das ganze Jahr über genau steuern lassen. Licht, Wasser und Temperatur sind perfekt aufeinander abgestimmt, damit Pflanzen gesund und zuverlässig wachsen können.

Während draußen Ernten durch extreme Wetterereignisse bedroht sind, gedeihen die Pflanzen in der Indoor‑Vertical‑Farm sicher und kontrolliert. So wird frisches Grün nicht nur planbar und effizient, sondern auch jederzeit verfügbar – ein wichtiger Schritt hin zu einer stabilen und nachhaltigen Versorgung der Weltbevölkerung.

Jede Zukunftstechnologie hat auch ihre Herausforderungen.

Noch braucht eine Vertical Farm viel Energie – vor allem für Licht und Klimatisierung. Genau hier setzt die Forschung an: Ziel ist es, den Energieverbrauch deutlich zu senken und aus der Indoor‑Farm einen möglichst geschlossenen, effizienten Kreislauf zu machen – wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch verantwortungsvoll.

Statt wertvolle Ressourcen ungenutzt zu lassen, werden sie gezielt weiterverwendet: überschüssige Wärme, Streulicht oder nährstoffreiches Wasser bekommen eine neue Aufgabe. In derselben Farm, in der Erdbeeren oder Baldrian wachsen, lassen sich mit diesen Ressourcen auch Algen und spezielle Bakterien kultivieren. So entsteht ein System, in dem alles miteinander verbunden ist.

Ein faszinierendes Beispiel: Das Wasser, das Pflanzen nicht mehr aufnehmen können, wird zur perfekten Nährlösung für Algen. Diese nutzen zusätzlich das ohnehin vorhandene Licht der Lampen und die Abwärme der Technik – und wachsen somit ohne zusätzlichen Energieaufwand.

Besonders spannend ist der Blick in die Zukunft mit leuchtenden Bakterien. Diese Mikroorganismen erzeugen ihr eigenes, sanftes Licht. Forschende untersuchen, ob dieses natürliche Leuchten das Pflanzenwachstum unterstützen kann. Gelingt das, könnte künftig weniger künstliches Licht nötig sein – ein weiterer Schritt hin zu einer energieeffizienten Landwirtschaft von morgen.

So wird aus einer technischen Anlage ein lebendiger Kreislauf, in dem jede Ressource zählt und Pflanzen, Mikroorganismen und Technik gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten.

zwei Petrischalen mit einem durchsichtigen Gel gefüllt liegen auf einem ockerfarbenen Untergrund
Bei Licht sind die Bakterien kaum zu erkennen © Projektteam VertFarmmeetsBiotec
vor einem schwarzen Hintergrund sieht man in zwei Kreisen kleine hellblaue Punkte leuchten
Im Dunkeln leuchten sie © Projektteam VertFarmmeetsBiotec

Das Potenzial geht noch weit über den Pflanzenanbau hinaus.

Aus den gezüchteten Algen und Bakterien lassen sich wertvolle Inhaltsstoffe gewinnen – darunter Omega‑3‑Fettsäuren, Vitamine, Antioxidantien, natürliche Farbstoffe und Proteine. Stoffe, die in der Lebensmittel‑, Kosmetik‑ oder Gesundheitsbranche stark nachgefragt sind. Moderne, innovative Extraktionsverfahren ermöglichen es dabei, diese Substanzen besonders schonend zu gewinnen und den Einsatz von Chemikalien deutlich zu reduzieren.

Wenn eine Vertical Farm also nicht nur frische Pflanzen produziert, sondern gleichzeitig hochwertige Rohstoffe liefert – und das mit minimalem Ressourceneinsatz –, eröffnet sich ein völlig neuer Ansatz für die Landwirtschaft. Sie wird vielseitiger, effizienter und zu einer verlässlichen Ergänzung bestehender Produktionssysteme.

An genau dieser Idee arbeiten an der Hochschule Weihenstephan‑Triesdorf Forscherinnen und Forscher aus Gartenbau, Bioingenieurwissenschaften und Lebensmitteltechnologie im Projekt VertFarmmeetsBiotec eng zusammen. Disziplinübergreifend, kreativ und praxisnah entsteht hier ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit und Innovationsgeist neue Wege eröffnen – und zeigen, wie die Landwirtschaft von morgen aussehen kann.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin