• 23.03.2026
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  • Jiline Tölle

Ein überdimensionaler Regenschirm für Pflanzen auf vier Rädern

in einer Werkstatt steht ein großes rechteckiges Gestell mit Pneus
Das Grundgerüst des Rainout-Shelter in der Werkstatt am Campus Triesdorf - das Dach und die Fenster fehlen noch © Peter Hopf

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hilft mit einem neuartigen Pflanzenunterstand auf vier Rädern in Mittelfranken den Anbau von Zwiebeln, Getreide und Co. in Zeiten zunehmender Dürren zu erforschen. Man stelle sich eine Art Tiny House vor, nur eben für Pflanzen. Was in anderen Ländern schon Realität ist, wenn Bewohner inklusive ihrer ganzen Häuser umziehen, das gibt es jetzt auch für Pflanzen. Nur dass hier der besagte Unterstand nicht auf einen Anhänger gehoben und abtransportiert wird, sondern selbst schon ein fahrendes Untergestell besitzt.

Genau so einen einzigartigen mobilen Pflanzenunterstand entwirft und konstruiert zurzeit die Gruppe um Prof. Dr. Patrick Noack (Kompetenzzentrum für Digitale Agrarwirtschaft – KoDA) am Campus Triesdorf. Dieses Gefährt, ein Projekt des HSWT-Cluster Wasser (B.Life), mutet zwar optisch wie ein Gewächshaus auf vier Rädern an, nennt sich jedoch Rainout-Shelter. Wie der Name verrät, soll es Regen vom Boden und den Pflanzen fernhalten und somit kontrollierte Bedingungen hinsichtlich der Wasserzufuhr der unter ihm wachsenden Pflanzen schaffen. Denn nichts ist unkontrollierbarer als der Regen. Er kommt genau dann, wenn man ihn für eine Forschungsfrage nicht braucht. Im Gegensatz zu einem Gewächshaus, unter dem die Pflanzen langfristig wachsen, befinden sich die Pflanzen nur während eines Niederschlagevents unter dem Unterschlupf. Wenn sich ein unerwünschter Regen ankündigt, wird der Unterstand, der neben den zu erforschenden Pflanzen geparkt ist, über die Versuchsobjekte fahren und seine Funktion als überdimensionaler Regenschirm ausüben.

Neben Pflanzenversuchen mit gezielter Freiland-Bewässerung sind auch Versuche mit Kulturarten angestrebt, die unter einer reduzierten Bewässerung kontrolliert und zu bestimmten Zeitpunkten kürzeren oder längeren Trockenheitsperioden ausgesetzt werden. Somit kann der Shelter einerseits die Forschung in ihrer Erkenntnis zu den Auswirkungen von Dürren auf den pflanzenbaulichen Ertrag unterstützen und andererseits auch das Wissen über Resistenzen bestimmter Kultursorten gegenüber Trockenstress erweitern. 

So sieht der „Regenschirm auf vier Rädern“ aus

Das Shelter steht auf vier Pfosten, an die vier große Pneus geschraubt sind. Die langen Seiten sind mit Fenstern geschlossen, an den kurzen Enden ist das Gefährt offen. Ein spitzes Giebeldach schützt die Pflanzen. Einen Boden gibt es nicht, nach unten ist alles offen. So können die Pflanzen auf dem Feld im vorhandenen Erdboden ungehindert unter den Fenstern aus Polycarbonat, die bruchsichere Glasvariante, in die Höhe wachsen. Auf dem Dach sind Solarpaneele angebracht, denn die Antriebsmotoren können das Sonnenlicht noch nicht selbst in Energie umsetzen, wie es Pflanzen mit ihrer Photosynthese vermögen. Das Konstrukt ist massiv gebaut und besitzt ein gewisses Gewicht. Das ist dringend nötig, da es nicht im Boden verankert ist und ansonsten aufgrund der offenen Enden bei Starkwind abheben könnte wie ein Segel.

Ein schwarzer Motor steht auf einer Werkbank aus Holz in einer Montagehalle. Im Hintergrund sind vier große Pneus zu sehen.
Beim Rainout-Shelter der HSWT fing alles mit Einzelteilen an: Im Vordergrund eines von vier Radgetrieben, im Hintergrund die Pneus und das Grundgerüst. © Peter Hopf
Es ist auf einer Achse zwischen zwei großen Pneus eine Antriebswelle zu sehen
Der eingebaute Motor des Rainout-Shelter mit Antriebswellen © Katja Hofacker

Aber warum nicht einfach ein statisches Shelter ins Feld stellen, könnten Sie sich fragen. Der große Vorteil eines mobilen Rainout-Shelters ist die Umsetzungsdauer: Von der Planung über den Aufbau bis hin zum ersten Einsatz im Feld werden nicht mal 1,5 Jahre vergangen sein. Für die statische Variante auf Schienen hingegen müsste zuerst ein Fundament gebaut werden. Hinzu kommt, dass feste Gewächshäuser auf Wiesen und Feldern, also im Außenbereich einer Gemeinde, in Deutschland einer Baugenehmigung bedürfen. Außer es handelt sich um einen gartenbaulichen, land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb. Eine Errichtung zu reinen Forschungszwecken zählt nicht zu diesen Ausnahmen. So wird das mobile Rainout-Shelter des Teams um Prof. Dr. Patrick Noack schon lange im Feld stehen und den Regen von den Pflanzen fernhalten, während ein potenzielles, statisches Shelter vor der Umsetzung noch ein langwieriges Baugenehmigungsverfahren durchlaufen würde.

Mobilität – ein zusätzliches Plus

Viele Kulturen im Feld müssen in einer Fruchtfolge angebaut werden, d.h. nicht die gleiche Kultur kann am gleichen Standort in der nächsten Saison kultiviert werden. Ansonsten drohen ein hoher Krankheits- und Schädlingsdruck mit Ertragseinbußen. Die Lösung ist also, einen mobilen Pflanzenunterstand zu bauen, der mit den Versuchsobjekten den Standort wechselt. Somit kann die gleiche Kultur unter kontrollierter Wasserzufuhr über mehrere Anbauperioden hinweg beobachtet werden, optimale Bedingungen für Versuchswiederholungen, die in der wissenschaftlichen Beobachtung und Forschung essenziell sind.

Dieses mobile Rainout-Shelter wird in Zukunft mit GPS gesteuert und von zwei 4-PS Motoren angetrieben, mit weniger als 1 km/h auf Wiesen und Felder um Triesdorf herum hin und her fahren und den Regen von den Pflanzen fernhalten. Wenn Sie es sehen, dann wissen Sie Bescheid, welche Funktion es ausübt. Es wird seinen Dienst für die Wissenschaft erfüllen und einen Beitrag leisten für unsere zukünftige Ernährungssicherung in Zeiten sich ändernden Wasserbedarfes in unserem Anbau von Zwiebeln, Getreide und Co.

fünf Männer stehen in einer Reihe vor einem Gestell in einer Werkstatt
Das Team des Rainout-Shelter der HSWT (v.l.n.r.): Prof. Wolfram Spreer (Advance Irrigation Management) wird sich zukünftig um die Bewirtschaftung des Feldes kümmern. Konstruktion und technische Betreuung: Alex Schmidt (B.Life), Peter Hopf (KoDA), Sascha Fast (KoDA), und Alex Wabro (KoDA). © Katja Hofacker

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