Abens-Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung als Umwelt-gerechte Anpassungsstrategie
Die Abens entwässert Teile des unterbayerischen Hügellandes und entspringt im nördlichen Landkreis Freising, durchläuft den Landkreis Kelheim in Niederbayern und mündet nach ca. 70 km in die Donau. Das Einzugsgebiet der Abens ist von einem relativ geringen Wasserretentionsvermögen gekennzeichnet. Trotz naturnaher Auenbereiche hat sich gezeigt, dass der Fluss ein hohes Gefahrenpotenzial für Überschwemmungen aufweist. Die Anliegerkommunen entlang der Abens engagieren sich für einen flächenhaften Wasserrückhalt, der Hochwasserschutzspitzen abmildern und zugleich die Bodenfeuchte in Dürreperioden verbessern kann. Der dezentrale Wasserrückhalt im Einzugsgebiet der Abens ist für die Landwirtschaft, insbesondere den Hopfenanbau (Hopfen als Auenpflanze) und den Siedlungsschutz (Kappung und Verzögerung von Hochwasserspitzen) von großer Bedeutung.
Hintergrund und Motivation
Die prekäre Hochwassersituation und zugleich die Austrocknung der Böden bei langanhaltenden Dürreperioden mit Ertragseinbußen der Landwirte im Einzugsgebiet der Abens stellt eine aktuelle Herausforderung dar. Die Wasserwirtschaftsämter München und Landshut haben mit Renaturierungsmaßnahmen an der Abens und Entwicklungsmaßnahmen im Auenbereich erste Ansätze zur Verbesserung der Hochwasserschutzsituation ergriffen.
Das Hochwasser vom Juni 2024 hat jedoch mit den überfluteten Bereichen deutlich gemacht, dass die Maßnahmen noch nicht ausreichen, um das Schadensrisiko auf ein für die Anliegergemeinden und Anwohner notwendiges Maß zu begrenzen.
Zielsetzung
Die Anliegerkommunen wollen auf Quellflächen der Hochwasserspitzen durch dezentrale Regenrückhaltemaßnahmen eine Entspannung der Hochwassersituation realisieren und zugleich durch den Wasserrückhalt in der Landschaft die zunehmende Betroffenheit der landwirtschaftlichen Böden von Dürreereignissen abmildern.
Die dezentralen Wasserrückhaltemaßnahmen werden in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft durchgeführt. Die Maßnahmen werden nicht als technische Hochwasserschutzmaßnahmen aufgeführt, sondern umfassen „nature based solutions“, so z. B. begrünte, räumlich eng begrenzte Wasserabflussrinnen in der Agrarflur, Mulden, Kleingewässer oder auch hangparallel angelegte Strukturen wie z.B. Blühstreifen.
Der dezentrale Wasserrückhalt als Schwammflurkonzept soll als Alleinstellungsmerkmal hier nicht gemeindeweise geplant werden, sondern auf dem Maßstab des Einzugsgebiets der Abens gemäß EU Wasserrahmenrichtlinie bzw. Hochwasserrisikomanagementrichtlinie erfolgen.
An detaillierteren Zielen werden von den Gemeinden für das Aqua Abens-Projekt benannt:
- ein besseres Verständnis der Hochwassersituation der Abens und im Besonderen bei der Entstehung und beim Abflussgeschehen
- eine sinnvolle, praxisnahe Gebietskulisse für Hochwasserschutz- und Wasserretenti-onsmaßnahmen mit Einbezug aller umgesetzten und beabsichtigten Planungen
- die Identifikation von Lücken im bestehenden Hochwasserschutz und Regenrückhalt und deren Beseitigung durch bauliche Maßnahmen, um einen größeren Rückhalt und damit eine Reduzierung der Scheitelwelle der Hochwasserwellen zu erreichen
- eine angepasste, effektive und wirtschaftliche Verbesserung des Hochwasserschutzes und des Wasserrückhaltes in der Region, die mit einer guten Einbindung der Landwirtschaft einhergeht und die Wasserverfügbarkeit für die Landwirtschaft mit in den Blick nimmt.
Vorgehensweise und Methodik
- Modellierung der Abflussverhältnisse für das Einzugsgebiet der Abens
- Bewertung des Risikopotenzials in Wassereinstaugebieten
- Erarbeitung eines Baukastens an dezentralen Wasserrückhaltemaßnahmen und räumliche Verortung dieser Maßnahmen
- Optimierung des Konzeptes infolge der Rückmeldungen der Stakeholder und erneute Bemessung der quantitativen Wirkung der Wasserrückhaltemaßnahmen