• Laufzeit: 01.07.2025 – 30.06.2029

Deutsch-Ukrainisches Agrar-Hochschulnetzwerk (DUAHN)

Das Ziel des Deutsch-Ukrainischen Agrar-Hochschulnetzwerks (DUAHN) ist die Vertiefung, Erweiterung und der Aufbau langfristig orientierter Kooperationen im für die Ukraine wichtigen Land- und Ernährungssektor. Im Projekt sind neben der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) sechs ukrainische Agraruniversitäten und ihre 12 Agrarcolleges beteiligt.

Im Rahmen des Projekts besuchten 43 Vertreter:innen von 5 ukrainischen Universitäten und 12 Colleges vom 10.-15.11.2025 die HSWT am Campus Triesdorf für einen Workshop. © HSWT

Projekttreffen „DUAHN“ am Campus Triesdorf vom 10.11.2025 – 15.11.2025

Das Programm beinhaltete einen Besuch des Regierungspräsidiums in Ansbach sowie des Landesverbandes für ländliche Entwicklung Bayern in München, mit anschließender Stadtbesichtigung. Des weiteren fanden Workshops zu Themen der Datenerhebung, Umsetzung praktischer Lehrmethoden und der Vorbereitung zur Eingliederung der Ukraine in die Europäische Union statt. Ein besonderes Ereignis war der gemeinsame Besuch der Agritechnika in Hannover. An dem Programm nahmen außerdem zehn Verantwortliche des deutschsprachigen Studienganges (DSG) an der Nationaluniversität in Sumy teil. Zudem sechs Teilnehmer aus Thailand und Kenia, die sich im Rahmen bestehender Partnerschaftsprojekte in Triesdorf befinden.

Hintergrund und Motivation des Projekts

Im Jahr 2020 betrug der Anteil der landwirtschaftlichen Produktion 20 Prozent des ukrainischen Bruttoinlandproduktes (BIP) und 45 Prozent der ukrainischen Exporte. Heute wird davon ausgegangen, dass Russland durch seinen Angriffskrieg rund ein Drittel der Landwirtschaft zerstört hat (Analyse: Zwischenbilanz zum Krieg: Schäden und Verluste der ukrainischen Landwirtschaft Ukraine-Analysen Nr. 294; bpb 09.02.2024). Es besteht ein sehr großer Bedarf an Unterstützung und Aufbau des Sektors.

Zielsetzungen

Im vierjährigen Projektzeitraum sollen aufbauend auf den bereits existierenden langfristigen Kooperationen im Bereich Lehre und Studium (Modul A) Maßnahmen durchgeführt werden, die die PHS in ihrer Entwicklung zum Wiederaufbau und der Modernisierung unterstützen. Die bereits langjährigen, engen und vertrauensvollen Beziehungen wurden in den letzten Jahren im Rahmen des DAAD Projektes Digitalisierung ukrainischer Agrarhochschulen von 2020-2024 noch erheblich intensiviert. So wurden in der Projektlaufzeit 732 ukrainische Teilnehmende direkt und 538 Teilnehmenden indirekt einbezogen. Damit konnten ukrainische Kolleginnen und Kollegen in einer erheblichen Breite und Tiefe im Bereich Digitalisierung unterstützt und weitergebildet werden. Die dort durchgeführten Maßnahmen, Erfahrungen und Kontakte sind inhaltlich und fachlich eine sehr gute Ausgangsbedingung für eine erfolgreiche Umsetzung der im DUAHN geplanten Maßnahmen. 

Das wichtigste Element für die internationale Kooperation ist der Internationale Masterstudiengang Agrarmanagement (MAM) der HSWT. Dieser Studiengang und seine Vorgängerversion wurde über die letzten 30 Jahre von Partnerhochschulen eingeführt und sicherte den langfristigen kontinuierlichen Austausch. 

Ein wichtiges fachliches Unterziel ist die Erarbeitung von betriebswirtschaftlichen Datengrundlagen, die für den möglichen Beitritt der Ukraine in die EU von essenzieller Bedeutung sind. Der für die Ukraine wichtige Land- und Ernährungssektor steht vor großen Herausforderungen. Durch den Angriffskrieg Russlands und die erschwerten Produktions- aber auch Exportbedingungen gibt es große Liquiditätsprobleme für landwirtschaftliche Unternehmen. Zudem wurde vor kurzem die Öffnung des Landmarktes durchgeführt, was den Erwerb von Land ermöglicht und grundlegende Eigentumsänderungen nach sich zieht aber auch die Produktionsmöglichkeiten beeinflusst. Benachteiligt sind in dieser Entwicklung die kleineren und mittleren Landwirtschaftsbetriebe, die aber im Rahmen eines möglichen Beitritts zur EU erfahrungsgemäß später eine wichtige Rolle spielen werden. Die Vorbereitung der Agrarhochschulen und Agrarcolleges als wichtige Stakeholder in diesem Prozess ist eine besondere Herausforderung.

Modul A: Weiterentwicklung und Internationalisierung von Studiengängen und gemeinsame Veranstaltungen

Die Maßnahmen im Modul A festigen, vertiefen und erweitern die bestehenden Hochschulkooperationen im gemeinsamen Netzwerk. Dies geschieht auf fünf unterschiedlichen Ebenen entsprechend dem Entwicklungsstand der einzelnen Hochschulpartnerschaft. 

Mit der Maßnahme 1 wird der Internationale Masterstudiengang an drei der ukrainischen Partnerhochschulen eingeführt. Es handelt sich dabei um Vinnytsia National Agrarian University (VNAU), Mykolayiev National Agrarian University (MNAU) and Poltava State Agrarian Academy (PSAA). Hier werden insbesondere digitale und blended-learning Formate für die Unterstützung bei der Einführung genutzt, im Laufe des Projektes wird vermehrt auf offline Input umgestellt.

Mit der Maßnahme 2 wird ein gemeinsames Doppeldiplom mit der National University of Life and Environment (NUBiP) umgesetzt. Dabei werden die bestehenden Abkommen auf den neuesten Stand gebracht und von beiden Hochschulleitungen unterschrieben. Zusätzlich wird die Praxisorientierung des Studiengangs an der NUBiP intensiviert. Hierfür wird insbesondere der Kontakt zu den landwirtschaftlichen Betrieben mit Datenerhebungen und -auswertungen gefördert, damit die Studierenden praxisnah ausgebildet werden und entscheidungsrelevante Betriebssituationen besser verstehen und bewerten können.

In der Maßnahme 3 unterrichten Dozenten der Partnerhochschule Sumy National Agrarian University (SNAU) und HSWT gemeinsam in einem Lehrmodul. In der SNAU wird der MAM in ukrainischer und englischer Sprache und mit der Unterstützung eines DSG des DAAD auch in deutscher Sprache unterrichtet. Aufgrund der intensiven und langjährigen Kooperation besteht ein kürzlich erneuertes Doppeldiplom-Abkommen. Die Maßnahmen werden gemeinsam zuerst im Bachelor Landwirtschaft und MAM der HSWT umgesetzt, ab 2026 im Master Agrarian Management der SNAU.

Die Maßnahme 4 unterstützt die Modernisierung einzelner betriebswirtschaftlicher Module (5 EC) und Teilmodule (2 EC). Die Module werden an der National University of Water and Environment (NUWEE) modernisiert, überarbeitet und angepasst, während die Teilmodule sich an die Agrarcolleges richten. Hier werden kleine Lehreinheiten aus dem produktionsökonomischen Bereich entwickelt und eingeführt. Die Colleges werden in der praxisnahen Ausbildung und der Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben unterstützt. Auf diesem Weg werden auch Erkenntnisse über die Ausgangslage von kleinen und mittleren Betrieben gewonnen. 

Mit der Maßnahme 5 wird neben den lehrorientierten Bereichen auch die begleitende Forschung unterstützt. Hierzu werden gemeinsame Fachgruppen für Forschung, zur gemeinsamen internationalen Antragsstellung und hochrangige Publikationen gegründet. Der Austausch findet v.a. online statt. Hierbei werden relevante Forschungsthemen festgelegt, Antragsvorbereitungen für Ausschreibungen gemeinsam erledigt und Publikationen vorbereitet und publiziert.

Outcomes

Outcome 1

Der Internationale Masterstudiengang Agrarmanagement ist an drei zusätzlichen Universitäten VNAU, PSAA und MNAU eingeführt. Die drei Universitäten sind somit langfristig stabil in das Agrarhochschulnetzwerk der HSWT eingebunden. Langfristiger Austausch und Entwicklung sind gesichert.

Outcome 2

Mit der NUBiP ist ein Doppeldiplom-Abkommen für den MAM geschlossen. Durch das Doppeldiplom wird das hohe Niveau an Übereinstimmung, Austausch und Entwicklung gesichert und für Weiterentwicklungen geöffnet.

Outcome 3

SNAU und HSWT Lehrende halten gemeinsame Lehrveranstaltungen  ab. Lehrende der SNAU entwickeln ihre Lehrveranstaltungen im Austausch mit den HSWT Lehrenden zu modernen, studierenden-zentrierten Veranstaltungen. Die Lehrenden der SNAU sind im dauerhaften engen Austausch mit den Lehrenden der HSWT.

Outcome 4

Gemeinsame Erarbeitung moderner betriebswirtschaftlicher Module unter Berücksichtigung von Bologna und modernen didaktischen Möglichkeiten.

Outcome 5

Gemeinsame Orientierung und Abstimmung von modernen, praxisorientierten Forschungsrichtungen und Publikationen.

Relevanz des Projektes

Der Agrar- und Ernährungsbereich war vor dem Krieg mit 20% des BSP und 45% der Exporteinnahmen einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren der Ukraine. Mit weltweiten Produktionsanteilen von 28% bei Sonnenblumenkernen, 6% Gerste, 4% bei Weizen, ebenso 4% bei Raps und Rübsen sowie 3% bei Körnermais ist die Ukraine ein wichtiger Akteur in der weltweiten Lebensmittelerzeugung.  Dies wird noch deutlicher bei einem Blick auf die weltweiten Exportmengen. Hier exportierte die Ukraine vor dem Angriffskrieg Russlands 2021 über 40% des Sonnenblumenöls, 10% Weizen, 12% Gerste, 13% Mais und 10% Raps und Rübsen. Der Krieg hat auch diesen Sektor schwer getroffen. Die Unterstützung der Agraruniversitäten bei der Modernisierung und Erhöhung der Effizienz ist eine wesentliche Maßnahme zum Wiederaufbau und der Modernisierung des Sektors.

Bezug zu Programmzielen

In Modul 1 werden an den drei Agraruniversitäten VNAU, PSAA und MNAU der gemeinsame Internationale Master Agrarmanagement eingeführt.  Mit der NUBiP wird das Doppeldiplomabkommen geschlossen. Mit der NUWEE werden gemeinsam konzipierte Lehrmodule angeboten und mit den Colleges Lehreinheiten umgesetzt. Über Stipendien und gemeinsame Lehrveranstaltungen werden fachliche und überfachliche Kompetenzen an Studierende und Lehrende vermittelt.

Potenziale und mögliche Risiken

Potenziale

Das Projekt verstärkt, vertieft und erweitert die bestehenden Kooperationen im Agrarhochschulnetzwerk. Durch die Modernisierung und Unterstützung der ukrainischen Partnerhochschulen wird die Leistungsfähigkeit und Resilienz der PHS erhöht und wichtige Vorbereitungen für einen möglichen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union unterstützt. Die ukrainischen PHS leiden aufgrund des russischen Angriffskriegs unter schwindenden Studierendenzahlen und schwierigen Lehrbedingungen. Viele Studierende und potentielle Studierenden haben die Ukraine verlassen oder sind beim Militärdienst. Durch die massive Bombardierung der Infrastruktur, insbesondere der Strom- und Wärmeversorgung, und durch begrenzte Schutzräume an den PHS kann der Unterricht nur begrenzt und unter schwierigen Bedingungen in Präsenz durchgeführt werden. Die Unterstützung, Einbindung und Modernisierung der Ausbildung der ukrainischen PHS in moderne Lehrformate, Netzwerke und Forschungsverbünde ist für die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der PHS von entscheidender Bedeutung.

Mögliche Risiken

Fehlende Unterstützung der ukrainischen PHS könnte zu einem weiteren Einbruch der Studierendenzahlen und der Entwicklungsmöglichkeiten durch mangelnde Attraktivität im internationalen Vergleich führen.
Der weitere Kriegsverlauf ist schwer vorhersehbar. Die Partnerhochschulen in Sumy, Mykolayiev und Poltava sind zwischen 50 und 200 km von der derzeitigen Frontlinie entfernt. Ein weiterer Vormarsch der russischen Armee könnte die PHS zum Verlassen der Hochschul-Campus zwingen.

Projektleitung HSWT

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