Landwirtschaft als Dienstleister im Katastrophenschutz in Bayern (LuKaS)
Sogenannte landwirtschaftliche Katastrophen-Leuchttürme (KAT-Leuchttürme) könnten neben ihrer Kernaufgabe der Ernährungssicherung zukünftig als mögliche dezentrale Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger dienen. Diese Anlaufstellen zeichnen sich u. a. durch eine funktionierende Strom- und Funkversorgung im Falle eines Black-Outs aus. Dort könnten Bürgerinnen und Bürger Notfälle absetzen und Informationen über die aktuelle Situation erhalten. Diese Betriebe wären der behördlichen Katastrophenprävention untergeordnet und koordiniert.
Hintergrund
Aufgabe der Katastrophenschutzbehörden ist es, Katastrophen abzuwehren, wie etwa Unwetter, Hochwasser, Waldbrände oder Dürre und die dafür notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen, unter der Hilfeleistung von Feuerwehr, freiwilligen Hilfsorganisationen und Technisches Hilfswerk, Polizei, Bundeswehr und Bundespolizei.
Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass trotz der etablierten Strukturen beim Katastrophenschutz noch deutlicher Handlungsbedarf besteht. Durch die aktuelle Energiekrise auf Grund des Ukraine Kriegs ist die Energieversorgungssituation in Deutschland angespannt. Ein flächendeckender Stromausfall gilt dabei als schlimmes Katastrophenszenario und kann weitreichende Folgen haben. In diesem Fall könnten in Zukunft sogenannte landwirtschaftliche Katastrophen-Leuchttürme, kurz KAT-Leuchttürme, neben ihrer Kernaufgabe der Ernährungssicherung, als mögliche dezentrale Anlaufstellen für Bürger dienen. Diese Anlaufstellen zeichnen sich u. a. durch eine funktionierende Strom- und Funkversorgung im Falle eines Black-Outs aus. Dort können Bürgerinnen und Bürger Notfälle absetzen und Informationen über die aktuelle Situation erhalten. Diese Betriebe sind der behördlichen Katastrophenprävention untergeordnet und koordiniert.
Bislang sind solche KAT-Leuchttürme meist nur in Planung und noch nicht umgesetzt. Um künftig besser auf Katastrophen, insbesondere Stromausfälle, vorbereitet zu sein, könnten Landwirte mit unabhängigen Strominfrastrukturen, Notstromversorgung und vielen weiteren Ressourcen wie Lebensmitteln, Maschinen und sicheren Kommunikationseinrichtungen den Katastrophenschutz unterstützen und als KAT-Leuchttürme fungieren.
Ziele
Wesentliches Ziel dieser Machbarkeitsstudie ist die Potenzial- und Ressourcenermittlung landwirtschaftlicher Betriebe, die in den Katastrophenschutz (Funk- und Stromausfall, Feuergefahr, Flutkatastrophe usw.) eingegliedert werden können. Dabei steht die Sicherstellung der Ernährungssicherheit, explizit die Tiernotversorgung und die Bewirtschaftung der notwendigen Produktionsverfahren im Vordergrund. Die Institutionen in Weihenstephan (in Kooperation mit innovativen bayerischen Unternehmen) bringen die notwendige fachliche Kompetenz mit, um dieses im Bereich der Landwirtschaft neue (und imagefördernde) und für die Gesellschaft – gerade im ländlichen Raum – aktuell und zukünftig sehr bedeutsame Thema auch institutionsübergreifend anzustoßen.
Die Untersuchung soll folgende Fragen beantworten:
- Welche Vorteile hat eine Integration der Landwirtschaft in den Katastrophenschutz?
- Welche Ressourcen müssen landwirtschaftliche Betriebe mitbringen, um Ernährungssicherung und Tiernotversorgung zu sichern und welche zusätzlichen Maßnahmen können ergriffen werden, um erfolgreich beim Katastrophenschutz mitzuwirken?
- In welchem Umfang sind ausfallsichere Energie, Platz und Gerät notwendig, um
a. Tiernotversorgung zu gewährleisten,
b. Transporte zu organisieren,
c. Wärmeräume bereitzustellen, Kühlräume vorzuhalten, um bei Stromausfall Lebensmittel frischzuhalten,
d. Notfallkommunikation und -informationen bereitzustellen? - Inwiefern ist die Umsetzung hinsichtlich rechtlicher, organisatorischer, wirtschaftlicher und technischer Aspekte machbar?
- Kann die erarbeitete Lösung als Pilotstart für einen flächendeckenden Ansatz dienen, landwirtschaftliche Betriebe als mögliche KAT-Leuchttürme zu installieren? Hier müssten alle beteiligten Projektpartner zusammen mit den Stakeholdern weiterführende Untersuchungen initiieren.
Vorgehensweise
Eine bereits im Vorfeld durchgeführte Kurzstudie bestätigt, dass landwirtschaftliche Betriebe unter speziellen Voraussetzungen als gut geeignet erscheinen, als KAT-Leuchttürme umfangreiche Dienstleistungen für den regionalen Katastrophenschutz übernehmen zu können. Dieses soll in der umfangreichen Machbarkeitsstudie näher untersucht werden. Die Untersuchungen sollen im Rahmen einer kooperativen Postdoc-Stelle von HSWT und TUM in Zusammenarbeit mit den oben genannten Projektpartnern und Kooperationen durchgeführt und abgeschlossen werden.
Folgende Arbeitsschritte sind geplant:
- Basisdatenermittlung zum Ist-Zustand des Katastrophenschutzes in Bayern, Stakeholder Analyse, rechtliche Rahmenbedingungen
- Erarbeitung einer Eignungs-Bewertungsmatrix für landwirtschaftliche Betriebe
- Potenzialanalyse einschließlich Durchführung einer Online-Umfrage bei landwirtschaftlichen Betrieben, Betriebsbesichtigungen, persönliche Interviews
- Weiterentwicklung des On-Farm Energie Management Systems zur sicheren Einbindung der notwendigen Katastrophenschutz-Dienstleistungen
- Konzeptionierung und Einsatzerprobung einer vom Stromnetz und Internet unabhängigen Kommunikationsplattform. Dabei geht es um verschieden Bandbreiten und Sendeleistungen sowie Datenaufbereitung und Datenkomprimierung, um den besten Trade-Off zwischen Datendurchsatz, Reichweite und Stromverbrauch herauszufinden
- Durchführung einer Katastrophenschutz-Demonstration auf dem Betrieb Demmel in Königsdorf einschl. Erprobung verschiedener Kommunikationsanbindungen durch entsprechende Hardwareinstallation am Hof und eine Anpassung am Funkstandort Watzmann