Modell- und Demonstrationsvorhaben „Hobby-Gartenbau mit torfreduzierten und torffreien Substraten auf Basis nachwachsender Rohstoffe: Erfolg mit torffreien Blumenerden & praktisches Wissen für Hobbygärtner:innen (HOT2)
Die Arbeiten im HOT-Folgeprojekt (HOT 2) bauen auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts HOT auf. Dabei werden einzelne Fragestellungen erneut aufgegriffen, vertieft und um zusätzliche Aspekte ergänzt. Zum einen wird es weitere empirische Forschungen für ein besseres Verständnis der Hobbygärtner:innen und deren Verhalten beim Kauf und der Verwendung von Blumenerden geben. Zum anderen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Konzepten und Maßnahmen, um die generierten Ergebnisse weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Hierzu werden gezielt Formate für Multiplikator:innen entwickelt, die diese darin schulen sollen, verschiedene Zielgruppen für das torffreie Gärtnern zu sensibilisieren und sie in der Anwendung von torffreien Substraten zu unterstützen.
Motivation und Hintergrund
Im Jahr 2025 wurden für den deutschen Hobbygartenbau rund 5 Millionen Kubikmeter Blumenerden produziert. Der wichtigste Rohstoff war dabei mit etwa 1,7 Mio m³ Grüngutkompost. Aber auch Torf bleibt mit einem Anteil von 33 % ein wichtiger Rohstoff. Um die Ziele des Klimaschutzprogrammes 2030 zu erreichen soll dieser Anteil in den nächsten Jahren möglichst bis auf 0 abnehmen. Dies bedeutet für Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner eine erhebliche Umstellung, da sich mit zunehmendem Torfverzicht die chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften der Blumenerden immer stärker ändern. Sehr stark torfreduzierte oder gänzlich torffreie Blumenerden haben in der Regel ein geringeres Wasserspeichervermögen, was ein häufigeres Gießen in kleineren Portionen erforderlich macht. Auch die Düngung muss angepasst werden: Zum einen werden auf Grund der hohen Phosphor- und Kaliumgehalte stärker stickstoffbetontere Dünger benötigt. Zudem erfordert die steigende N-Dynamik mit zunehmendem Holzfaseranteil mehr Fingerspitzengefühl bei der Nachdüngung. Um mit stark torfreduzierten und torffreien Blumenerden weiterhin erfolgreich gärtnern zu können, brauchen Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner zielgruppengerechte Informationen.
Im Rahmen des Vorgängerprojekts wurden Entscheidungsprozesse und Einflussfaktoren beim Kauf von Blumenerden untersucht. Des Weiteren wurden Wissenslücken im Umgang mit torfreduzierten und torffreien Blumenerden identifiziert und Lösungsansätze für typische Probleme entwickelt. Basierend darauf wurde Informations- und Schulungsmaterial sowohl direkt für den Endverbraucher als auch für das Verkaufspersonal in Fachgartencentern, Endverkaufsbetrieben und Baumärkten entwickelt. Das Kernstück sind zwei Online-Schulungsplattformen:
- Torffrei-Handeln: Schulungsplattform für Hersteller, Handel und Verkäufer von Torfersatzprodukten (Zielgruppe Hersteller und Verkaufspersonal)
- Torffrei-Gärtnern: Torfersatz im Hobbygartenbau (Zielgruppe Endverbraucher)
Gesamtziel
Im Rahmen von HOT2 sollen die vorhandenen Konzepte weiterentwickelt werden, um den Einsatz von torfreduzierten und torffreien Blumenerden im Hobbygartenbau weiter voranzubringen. Im Fokus stehen dabei Informationsbaukästen und Schulungsunterlagen für unterschiedliche gärtnerische Kontexte. Die zentralen Projektziele sind:
- Besseres Verständnis der Zielgruppe
Durch empirische Untersuchungen sollen Entscheidungsprozesse, Kaufverhalten und Anwendungspraxis von Hobbygärtner:innen beim Umgang mit Blumenerden genauer verstanden werden. - Sicherstellung des gärtnerischen Erfolgs mit torffreien Substraten
Typische Herausforderungen und Anwendungsfehler im Alltag werden identifiziert, um gezielte Hilfestellungen zu entwickeln. Begleitende Versuche in der HOT-Schauanlage dienen dabei als praxisnahes Instrument des Wissenstransfers. - Wirksamer Wissenstransfer und Verbreitung über Multiplikator:innen
Die Projektergebnisse werden in verständliche und praxisorientierte Kommunikationsformate überführt. Dazu gehören modulare Informations- und Veranstaltungsangebote, die Multiplikator:innen befähigen, unterschiedliche Zielgruppen für torffreies Gärtnern zu sensibilisieren und bei der Anwendung zu unterstützen.
Um diese sehr breit gefächerten Ziele zu erreichen, verfolgt das Projekt einen interdisziplinären Ansatz in dem die drei Verbundpartnern – neben der HSWT die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen und die Fachhochschule Erfurt – ihre speziellen Kompetenzen einbringen. Die wesentlichen Arbeitspakete und Aufgaben sind:
- Sozialwissenschaftliche Forschung
* Fokus auf tatsächliches Einkaufsverhalten von Hobbygärtner:innen
* Analyse von Kaufentscheidungen am Point of Sale (POS) und Entwicklung von Maßnahmen zur Verhaltensänderung - Reallabore
* Untersuchung zum Umgang mit Substraten sowie Analyse des Einflusses auf den gärtnerischen Erfolg - Pflanzenbauliche Forschung
* Veränderung der Eigenschaften torffreier Blumenerden (Wasser, Luft, pH-Wert) und daraus resultierende notwendige Verhaltensanpassungen bei Hobbygärtner:innen
* Testung verschiedener Zuschlagstoffe zur Verbesserung der Wasserhaltefähigkeit torffreier Substrate - Schulgärten & Pädagogik
* Entwicklung inklusiver Lehr- und Lernmaterialien und Vermittlung der Thematik „torffreies Gärtnern“ in Bildungseinrichtungen - Wissenstransfer & Kommunikation
* Zielgruppenspezifische Aufbereitung von Informationen, Materialien und Konzepten für Schulen, Hobbygärtner:innen sowie Herstellern & Handel
Öffentlichkeitsarbeit zum Projekt
Begleitet wird das Projekt durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Dazu zählen insbesondere die Schau- und Demonstrationspflanzungen an der HSWT. Hier erhalten Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner Tipps zum erfolgreichen Gärtnern mit torffreien Blumenerden und können am lebenden Objekt erfahren, was funktioniert und was nicht. Die Schauanlage ist von Anfang April bis Ende September täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr frei zugänglich. Für Gruppen werden nach Anmeldung kostenlose Führungen angeboten.
Video „Erfolgreich torffrei gärtnern“ für die Zielgruppe Freizeitgartenbau
Flyer für die Öffentlichkeitsarbeit