Monitoring der Biodiversitätsdächer Lotte-Branz-Straße, Albert-Camus-Straße und Salzsenderweg der Landeshauptstadt München
Hintergrund
Bislang ist gemäß Freiflächengestaltungssatzung der Landeshauptstadt München (2011) eine Begrünung von Flachdächern ab 100 m2 Größe vorgeschrieben. Zur Qualität der Begrünung werden jedoch keine Vorgaben gemacht, weshalb häufig die kostengünstigste Variante Extensivbegrünung mit Substratstärken von 8-10 cm und einfachen Sedum-Mischungen als Bepflanzung gewählt wird. Derartige flache Extensivbegrünungen sind jedoch wenig effektiv für die Regenwasser-Retention im Rahmen der Starkregenvorsorge, tragen an heißen Tagen wenig zur Abkühlung der Umgebungstemperatur bei und schaffen zudem relativ wenig Mehrwert im Sinne der Biodiversitätsförderung.
Die Stadt München sieht sich deshalb mit der Fragestellung konfrontiert, ob und wie eine gewünschte Multicodierung von Dachflächen umgesetzt werden kann.
Zielsetzung
Ziel ist es, den Anteil an Dachflächen mit einem höheren Wert für Biodiversität und Stadtklimaanpassung in München zu erhöhen. Dazu müssen zunächst geeignete Substrate, Substratstärken, Artenmischungen und Begrünungstechniken gefunden werden, die in München gut funktionieren. Es sollen Empfehlungen für den Bau und die Bepflanzung von Münchner Biodiversitätsdächern entwickelt werden, die dann mittelfristig in einer Definition von qualitativen Mindeststandards münden können.
Die Stadt München selbst geht seit In-Kraft-Treten des Bayerischen Versöhnungsgesetzes II seit 2019 bei stadteigenen Neubauprojekten als gutes Beispiel voran und baut Gründächer, soweit technisch machbar, mit einer Substratschichtstärke von mindestens 15-25 cm. Die Planung und Umsetzung der drei unterschiedlichen Gründächer nach dem Biodiversitätsdach-Prinzip am Salzsenderweg, an der Lotte-Branz-Straße und an der Albert-Camus-Straße war ausschlaggebend für die Beauftragung des Monitorings durch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), um daraus praxisorientierte Erkenntnisse zu Substratmischungen und -aufbauten sowie Pflanzmischungen für zukünftige städtische Projekte zu erhalten.
Eine Variante wurde explizit als Forschungsdach Biodiversität in der Lotte-Branz-Straße von Prof. Dr. Swantje Duthweiler und Prof. Dr. Julia Laube, Institut für Ökologie und Landschaft an der HSWT, konzipiert. Das Forschungsvorhaben soll die Entwicklung der Versuchsflächen beobachten, dokumentieren und wissenschaftlich auswerten. Dazu werden Dauerbeobachtungsflächen (Plots mit 1m x 1m) mit i.d.R. fünf Wiederholungen pro Versuchsvariante angelegt. Eine erste wissenschaftliche Auswertung mit Berichterstattung ist nach zwei Jahren vorgesehen, angedacht ist die Weiterführung des Projekts bis zu insgesamt fünf Jahren. Damit sollen Erkenntnisse zur langfristigen Entwicklung der Dächer erlangt werden, aus denen Empfehlungen für die Pflege der Flächen abgeleitet werden können.