Resiliente Anbausysteme für den Obstbau in Bayern (ResiObst)
Ziel des Projekts ist die Entwicklung resilienter Anbausysteme für den Apfelanbau in Bayern anhand von Modellanlagen an drei ausgewählten, bayerischen Versuchsstandorten durch die Kombination robuster Genetik hinsichtlich Sorten sowie Unterlagenwahl und der Umsetzung extensiverer Erziehungsformen.
Hintergrund und Motivation
Der Obstbau steht in Deutschland aktuell grossen Herausforderungen gegenüber. Klimatische Veränderungen führen zu längeren Trockenphasen in der Vegetation, zur Zunahme von Spätfrostereignissen sowie zum verstärkten Auftreten von Krankheiten und Schädlingen. Viele der Marktsorten besitzen dabei eine erhöhte Anfälligkeit für Pathogene wie dem Apfelschorf (20 bis 30 Pflanzenschutz-Applikationen pro Jahr). Erschwert wird die Situation für die Betriebe durch Engpässe in der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sowie durch deutlich gestiegene Produktionskosten. Eine arbeitsintensive Kultur, wie der Apfel (700-800 Akh/ha+Jahr), ist von letzteren besonders betroffen.
Aktuelle Anbausysteme erfordern auf Seiten der Produktion einen hohen Betriebsmittel-Input, Kulturaufwand sowie Kulturschutz, demgegenüber steht eine aktuell für die Betriebe mehr als unbefriedigende, ökonomische Situation. Eine weitere Intensivierung hinsichtlich Fläche und Kulturaufwand (z. B. geschützter Anbau), um am Markt bestehen zu können, hätte einen weiteren Rückgang der Betriebszahlen und dabei vor allem ein Verschwinden kleinerer sowie mittlerer Betriebe (Großteil der Betriebe in Bayern) sowie eine Zunahme hoch spezialisierter Großbetriebe zur Folge. Diese Entwicklungen sind nicht als nachhaltig zu betrachten, sie treffen weder den Wunsch des Verbrauchers noch kann dies der politische Wille sein.
Zielsetzungen
Das vorliegende Vorhaben verfolgt daher nicht den Ansatz einer weiteren Intensivierung, sondern ein Umdenken im Hinblick auf moderne Produktionssysteme im Obstbau. Durch die Verwendung robuster Genetik (Sorten und Unterlagen) in Kombination mit extensiveren Anbausystemen soll es zukünftig möglich sein, eine hohe obstbauliche Leistung der Anlagen hinsichtlich Ertrag und Qualität mit einem geringeren Kulturaufwand und einer Reduktion des Betriebsmittelaufwandes zu erreichen.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung resilienter Anbausysteme für den Apfelanbau in Bayern anhand von Modellanlagen an drei ausgewählten, bayerischen Versuchsstandorten durch die Kombination robuster Genetik hinsichtlich Sorten sowie Unterlagenwahl und der Umsetzung extensiverer Erziehungsformen.
Die entwickelten Systeme sollen einen Beitrag leisten
- zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln,
- als Anpassungsstrategie auf sich durch den Klimawandel verändernde Anbaubedingungen (z.B. Trockenheit, Spätfröste),
- zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Apfelanbau durch Reduzierung des Kulturaufwandes und
- zum Ressourcenschutz durch Reduzierung des Betriebsmitteleinsatzes (Wasser, Diesel, etc.)
Insgesamt wird das Projekt dadurch auch einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des ökologischen Obstbaus in Bayern leisten.
Vorgehensweise
Bei den drei ausgewählten Standorten, der Versuchsstation für Obstbau in Schlachters der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), dem Lehr- und Beispielbetrieb in Deutenkofen sowie der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) am Standort Thüngersheim handelt es sich um drei obstbauliche Versuchsstandorte mit deutlich unterschiedlichen, kleinklimatischen Standortbedingungen. An jeder der Einrichtungen wird eine Versuchsanlage mit sechs ausgewählten Sorten auf vier verschiedenen Unterlagen gepflanzt werden, jede Kombination zum einen als „praxisübliche“ Spindel, zum anderen als extensivere Erziehungsform (Tri-Baum). Eine Anlage soll dabei aus zwei identischen Teilen bestehen, von denen einer nach praxisüblichem Standard, der andere nach extensiverer Kulturführung bewirtschaftet wird, um einen direkten Vergleich der Produktionssysteme zu ermöglichen. Die Anlage erfolgt dabei randomisiert in jeweils drei Wiederholungen.
Auswahl an Sorten und Unterlagen
Die Auswahl an Sorten erfolgte nach intensiver Recherche im Austausch mit internationalen Sortenprüfern, Versuchsanstellern, Züchtern sowie Beratungseinrichtungen. Folgende Kriterien wurden dabei als optimal angesehen:
- robust/resistent (mehrfach) gegen Schorf
- robust gegen Mehltau
- keine oder nur geringe Alternanzneigung
- mind. mittelgrosse Fruchtgrössen
- hoher Deckfarbenanteil
- hohe Fruchtfleischfestigkeit, Handling, Lagerung
- max. 2 Pflücken notwendig
- gut ausdünnbar
- gute bis sehr gute Produktivität
- kein Frühblüher bzw. geringe Anfälligkeit für Spätfröste
- Geschmack gut bis sehr gut
- leichter Baumaufbau
- frei verfügbar, kein Club-Konzept
Die Planung der Unterlagenauswahl erfolgte nach folgenden Kriterien:
- mind. Wachstum wie M9 T337, für mehrachsige Systeme stärker
- robust gegenüber Frost, Nachbaukrankheit, Trockenheit, Feuerbrand, Blutlaus
- wenig Wurzelausläufer
- keine Probleme bei mech. Bodenbearbeitung
- Produktivität vergleichbar zu M9
- gute Vermehrbarkeit in der Baumschule
Basierend auf den beschrieben Anforderungen wurden die Sorten 'Freya', 'Deljonka', 'Delcored', 'Mammut', 'Kaiserin Elisabeth' und 'Sonnenglanz' sowie die Unterlagen M9 T337 (Standard), CG11, CG935 sowie M200 ausgewählt. Der Ansatz, stärker wüchsige Unterlagen mit einem wuchsreduzierenden Anbausystem (Tri-Baum) zu kombinieren, um die Vorteile einer stärkeren Wurzel (z. B. erhöhte Trockenheitsverträglichkeit) sowie niedrig wachsender Bäume gleichermassen zu nutzen, ist neu. Zwar werden an verschiedenen Standorten Versuche zu robusten und resistenten Unterlagen durchgeführt, jedoch finden diese in der Regel auf der Standardunterlage M9 sowie in klassischer Spindelerziehung statt. Das Ziel einer Reduzierung des Kulturaufwandes wird in diesen Untersuchungen nicht betrachtet. Beim Tri-Baum handelt es sich um eine bisher von den Baumschulen nicht produzierte Baumform. Hier werden drei gleichstarke Leitelemente auf einer Unterlage erzogen, so dass die Wuchskraft entsprechend reduziert und eine möglichst „pflegeleichte“ Kulturführung ermöglicht wird.
Projektkonzeption
Die Laufzeit des Projektes beträgt zunächst fünf Jahre, wobei bis Projektende eine weiterführende Finanzierung beantragt werden soll. Die Beschaffung der Bäume erfolgt zur Pflanzung im Herbst 2025. Die Baumanzahl beträgt für alle drei Standorte zusammen ca. 5.500 Bäume. Erfasst werden unter anderem obstbauliche Parameter zu Wachstum und Ertrag, Fruchtqualität, das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen und der Beikrautbewuchs, arbeitswirtschaftliche bzw. ökonomische Daten sowie die Lagerfähigkeit der Früchte.