• Laufzeit: 01.07.2024 – 30.06.2027
  • Schwerpunkt: Nachwachsende Rohstoffe

Applied Agroforestry – Zukunftsfähige Landnutzung mit Agroforstsystemen (ApAg)

Das Forschungsprojekt ApAg - Applied Agroforestry beinhaltet die Einrichtung von Demonstrationsflächen mit Agroforstsystemen (AFS) auf landwirtschaftlichen Flächen. Insgesamt umfasst das Projekt sechs Partnerbetriebe sowie die Agroforst Demonstrationsfläche der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Mittermarchenbach. Diese Flächen sollen langfristig dazu dienen, Landwirtinnen und Landwirten, Interessensvertretungen, Studierenden und der wissenschaftlichen Gemeinschaft das Thema Agroforstwirtschaft näherzubringen. Zusätzlich werden im Rahmen des Projekts betriebswirtschaftliche Kennzahlen detailliert erfasst und analysiert, um Best-Practice-Bewirtschaftungsszenarien für landwirtschaftliche Betriebe zu entwickeln. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Nutzung und Pflege der Gehölze in den Agroforstsystemen.

Als Ergebnisse werden wissenschaftliche Erkenntnisse über die Etablierbarkeit verschiedener Pflanzenarten in verschiedenen Agroforstsystemen erwartet, sowie deren Potenzial, Biomasse zu produzieren. Es sollen entscheidende Kennzahlen wie Begründungs-, Pflege- und Erntekosten, die derzeit noch nicht umfassend verfügbar sind, erhoben und veröffentlicht werden.

Unterschiedliche technische Verfahren zur Etablierung und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen werden verglichen, wobei der Schwerpunkt auf Pflanz-, Pflege- und Ernteverfahren liegt. Auf den Demonstrationsflächen wird während des gesamten Projekts ein umfassendes Monitoring durchgeführt. Diese Flächen dienen auch dazu, Studierenden Methoden und Kompetenzen im Bereich Agroforstsysteme zu vermitteln und Absolvent:innen als Multiplikatoren für das Thema AFS zu gewinnen.

Gruppe von Personen mitten in grünem landwirtschaftlichen Feld beim Stecken von Stecklingen
Stecken der Pappelstecklinge im Frühjahr 2023 auf der HSWT-Versuchsfläche in Mittermarchenbach © Michaela Primbs
Luftaufnahme eines grünen landwirtschaftlichen Feldes, eingerahmt von Hecken und lichtem Wald
Versuchsfläche der HSWT im Juli 2024 © Christian Diehl

Anlage einer agroforstlichen Forschungs- und Demonstrationsanlage am Sporrerhof der Familie Dötsch im Dezember 2025

Im Rahmen des Projekts erfolgte Anfang Dezember 2025 auf dem Sporrerhof der Familie Dötsch in Auerbach (Oberpfalz, Bayern) die Pflanzung eines Agroforstsystems als Forschungs- und Demonstrationsanlage. Es handelt sich um ein silvoarables System im Alley-Cropping Stil. Innerhalb des Systems werden Ackerbau und Gehölznutzung in streifenförmiger Ausrichtung miteinander kombiniert. Auf einer Fläche von insgesamt drei Hektar entsteht ein vielfältig aufgebautes Wertholzsystem, das ökologische und betriebliche Ziele miteinander verbindet und in Hinblick auf den Klimawandel zusätzliche Vorteile bietet. Es hat die Funktion einer Kohlenstoffsenke, wirkt puffernd bei klimatischen Extremereignissen wie Dürren und Starkregen und sorgt für eine natürliche Kühlung der Umgebung in Hitzeperioden.

Landwirtschaftliche Fläche

Diese befindet sich auf einer windexponierten Kuppe. Zentrales Ziel ist der Aufbau eines effektiven Windschutzes, der eine langfristige landwirtschaftliche Nutzung der Fläche absichern soll. Ergänzend wurden in das System viele Elemente eingeplant, die eine Erhöhung der Biodiversität hervorrufen sollen und mehr Arten- und Strukturvielfalt in die Landschaft bringen. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass sich das Agroforstsystem arbeitsextensiv in die bestehende Betriebsstruktur integrieren lässt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Anbau von überwiegend einheimischen Wertholzbaumarten zur zukünftigen Stammholzproduktion.

Pflanzkarte AFS Dötsch (PDF)

Eine Gruppe von Personen steht nachts auf einer Wiese und befestigt frisch gepflanzte Jungbäume mit Holzpfählen und Drahtgittern. Scheinwerfer im Hintergrund beleuchten die Arbeitsszene.
© Christian Diehl
Eine Reihe neu gesetzter Holzpfähle verläuft über eine neblige Wiese. Die Pfähle markieren vorbereitete Pflanzstellen für junge Bäume.
© Christian Diehl
Mehrere frisch gepflanzte Jungbäume stehen in einer Reihe auf einer Wiese und sind mit Drahtgitterschutz versehen. Nebel umhüllt die Landschaft und sorgt für eine gedämpfte Atmosphäre.
© Christian Diehl
Ein junger Baum steckt in einem Drahtschutzkorb auf einer feuchten Wiese. Der Boden wirkt frisch bearbeitet und leicht gefroren.
© Christian Diehl


Konzeption und Pflanzung

Auf der Fläche wurden drei Gehölzstreifen angelegt. Der vorherrschende Wind verläuft in Ost-West-Ausrichtung. Der östliche Gehölzstreifen ist so konzipiert, dass er die ersten Winde brechen soll, bevor sie auf der Fläche eintreffen, er verfügt über drei Gehölzreihen. Innerhalb der Reihen wurden abschnittsweise schnellwachsende Pappeln und Sträuchern kombiniert, um in den ersten Jahren eine wirksame Windschutzfunktion zu erzielen. Die beiden anderen Streifen wurden einreihig mit folgenden Wertholzbäumen gepflanzt: Vogelbeere, Baumhasel, Speierling, Traubeneiche, Spitzahorn, Silberlinde, Vogelkirsche, Schuppenrindenhickory, Esskastanie und Winterlinde. Durch die Verknüpfung von Wertholz, fruchttragenden Bäumen und Sträuchern ist eine Doppelnutzung der Baumstreifen möglich. Neben der Erzeugung von Nüssen und Früchten bestehen Perspektiven für die Weiterverarbeitung, beispielsweise zu Marmelade oder Schnaps. Dazu befinden sich Tastversuche zu Erntemengen mit großfrüchtigen Edelsorten der Wildfrüchte innerhalb der Gehölzreihen.

Versuchsanordnung

Die Versuchsfläche beinhaltet drei Wiederholungen der acht verschiedenen Wertholzarten in randomisierter Anordnung. Im Rahmen der Pflanzung w verschiedene Pflanzmethoden sowie verschiedene Gehölzschutzsysteme auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Die Gehölze erhielten mehrteilige Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss, Fegeschäden und Wurzelverbiss. Zur Anwendung kamen Praktiken wie Pflanzung mit dem Pflanzspaten oder Bohrungen mit dem Pflanzfuchs sowie das Testen einer Pflanzmaschine. Die unterschiedlichen Pflanz- und Schutzvarianten wurden zeitlich erfasst und hinsichtlich Materialeinsatz, Arbeitsaufwand und Praktikabilität dokumentiert. Diese Untersuchungen sind Bestandteil einer begleitenden Bachelorarbeit. Festgehalten wird auch der Umfang der anfallenden Pflegearbeiten (Gehölzschnitt, Gehölzstreifenpflege). In Verbindung mit dem Biomassewachstum der gepflanzten Arten sollen daraus Vorhersagen zur Wirtschaftlichkeit des Systems getroffen werden.

Ein roter motorisierter Erdlochbohrer liegt einsatzbereit auf einer Wiese und wird von zwei Personen gehalten. Das Gerät ist für das Ausheben von Pflanzlöchern vorgesehen.
© Christian Diehl
Eine Person setzt einen jungen Baum in ein frisch ausgehobenes Pflanzloch auf einer Wiese. Eine Schaufel steht neben der Stelle im lockeren Erdreich.
© Christian Diehl
Eine Person sitzt auf einer Pflanzmaschine hinter einem Traktor und führt einen jungen Setzling in den geöffneten Boden ein. Seitlich sind weitere Kisten mit Setzlingen befestigt.
© Christian Diehl
Eine Person sitzt auf einer Pflanzmaschine hinter einem Traktor und führt einen jungen Setzling in den geöffneten Boden ein. Seitlich sind weitere Kisten mit Setzlingen befestigt.
© Christian Diehl


Weitere Schritte

Im Frühjahr 2026 erfolgt dann die Pflanzung durch Stecken der Hybridpappeln, das Ausbringen von Hackschnitzeln als Mulchschicht und das Entfernen von Kleegras im Gehölzstreifen. Letzteres konnte witterungsbedingt leider nicht mehr vor der Pflanzung erfolgen.

Förderung

Mit der Teilnahme am Forschungsprojekt Applied Agroforestry setzt der ökologisch wirtschaftende Betrieb Dötsch ein klares Zeichen für klimaangepasste Landwirtschaft, nachhaltige Holzproduktion und mehr Biodiversität auf dem Acker. Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.


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