Greening Relevance in Operations in Western-Balkans Tertiary-Education Habitats (GROWTH)
Der Planet, auf dem wir leben, hat schon bessere Tage gesehen, und Hauptverantwortliche für dessen gegenwärtigen unglücklichen Zustand sind die menschliche Zivilisation sowie die Globalisierung. Die unnachgiebige und nicht nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen hat zu Umweltverschmutzung, globaler Erwärmung, Überbevölkerung, Abfallentsorgung und dem Verlust der biologischen Vielfalt geführt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Europäische Union (EU) hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, unseren Kontinent bis 2050 klimaneutral zu machen.
Um dies zu erreichen, hat die EU-Kommission den „European Green Deal“ vorgelegt. Eine so ehrgeizige Aufgabe kann nur bewältigt werden, wenn alle unsere Gesellschaften ihre Kräfte und ihr Wissen bündeln. Neben anderen Lösungen der oben genannten Strategie zählt die Ausbildung der heutigen Generationen für die Welt von morgen bzw. „Lernen für ökologische Nachhaltigkeit“ (GreenComp:6) zu den vielversprechendsten.
Das Erasmus+-CBHE-Projekt GROWTH – Greening Relevance in Operations in Western-Balkans Tertiary-Education Habitats ist eine internationale Kooperationsinitiative, die darauf abzielt, Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und die grüne Transformation an Hochschulen im Westbalkan zu stärken. Das Projekt unterstützt Universitäten bei der Einführung umweltverantwortlicher Praktiken, der Verbesserung institutioneller Kapazitäten sowie der Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in Lehre, Campusmanagement und internationale Zusammenarbeit.
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) brachte umfangreiche Expertise in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energiesysteme, Umwelttechnik und internationale Bildungskooperation ein. Insbesondere im Arbeitspaket 2 (WP2), das sich der Entwicklung grüner Hochschulstrategien, praxisorientierter Nachhaltigkeitsschulungen und Kapazitätsaufbauaktivitäten widmet, übernahm die HSWT eine führende Rolle.
Zentrale Ergebnisse des GROWTH-Projekts
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts war die Entwicklung von Rahmenkonzepten und Strategien für „grüne Hochschulen“ in Partnerinstitutionen in Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. In einer Reihe von von der HSWT koordinierten Workshops analysierten die teilnehmenden Universitäten ihre aktuellen Umweltpraktiken, identifizierten institutionelle Bedarfe und entwickelten strategische Fahrpläne hin zu klimaneutralen Hochschulen und Campusstrukturen.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Erstellung eines E-Handbuchs zu klimaneutralen Hochschulen, das als praktisches Instrument für Hochschulmitarbeitende, Studierende und weitere Interessengruppen dient. Das Handbuch enthält Empfehlungen und Leitlinien für nachhaltiges Campusmanagement, Recyclingkultur, die Implementierung erneuerbarer Energien sowie Maßnahmen zur Umweltbildung. Das Material ist öffentlich zugänglich und auch über die Projektlaufzeit hinaus nutzbar.
Das Projekt umfasste zudem umfangreiche Training-of-Trainers (ToT)-Programme und Studienaufenthalte. Die HSWT war im November 2023 Gastgeber eines bedeutenden Studienbesuchs, bei dem Teilnehmende aus Partneruniversitäten die Standorte Triesdorf und Weihenstephan besuchten, um praxisnahe Beispiele für die Umsetzung von Nachhaltigkeit kennenzulernen. Dabei wurden unter anderem erneuerbare Energieinfrastruktur, Recyclingsysteme, nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken, Green Offices, Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen, Tierhaltungsbereiche, Obstplantagen sowie umweltorientierte Bildungseinrichtungen besichtigt.
Die praxisorientierte Ausrichtung dieser Aktivitäten stärkte die institutionellen Kapazitäten der teilnehmenden Hochschulen erheblich und ermöglichte den Wissenstransfer von etablierten europäischen „grünen“ Campusmodellen zu Hochschulen im Westbalkan. Darüber hinaus förderte das Projekt die Vernetzung, die Vorbereitung weiterer Erasmus+-Projekte sowie zukünftige gemeinsame Forschungsinitiativen innerhalb des Konsortiums.
Anwendungsbereiche
Das GROWTH-Projekt wirkt in mehreren miteinander verknüpften Anwendungsfeldern:
Das Projekt unterstützt Hochschulen bei der Umsetzung umweltfreundlicher Infrastruktur- und Betriebsmodelle. Dazu zählen Abfalltrennungssysteme, der Aufbau einer Recyclingkultur, die Integration erneuerbarer Energien, Energieeffizienzmaßnahmen sowie nachhaltige Mobilitätskonzepte. Die Campusstandorte der HSWT dienten hierbei als Demonstrationsorte.
GROWTH trägt zur Modernisierung der Hochschulbildung bei, indem Nachhaltigkeits- und Klimaneutralitätskonzepte in Studienprogramme und Mitarbeiterschulungen integriert werden. Gefördert wird eine interdisziplinäre Ausbildung, die Landwirtschaft, Umwelttechnik, erneuerbare Energien und nachhaltiges Ressourcenmanagement miteinander verbindet.
Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich ist die Stärkung internationaler akademischer Netzwerke. Die HSWT nutzte das Projekt, um die Zusammenarbeit mit Institutionen im Westbalkan auszubauen und den Wissensaustausch durch Workshops, Mobilitätsmaßnahmen und gemeinsame Projektplanung zu intensivieren. Gleichzeitig wurden Perspektiven für zukünftige Kooperationen im Rahmen von Erasmus+, Horizon Europe und weiteren Forschungsprogrammen geschaffen.
Darüber hinaus zeigt das Projekt, wie Hochschulen als Innovationszentren für grüne Technologien und nachhaltige regionale Entwicklung fungieren können. Die HSWT präsentierte praxisnahe Beispiele aus den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, Precision Farming, Recyclingsysteme und umweltorientierte Ausbildungsinfrastruktur.
Beitrag und strategische Rolle der HSWT
Die Beteiligung der HSWT an GROWTH spiegelt ihre übergeordnete institutionelle Strategie wider, die auf Nachhaltigkeit, angewandte Wissenschaften und Internationalisierung ausgerichtet ist. Die Hochschule brachte nicht nur fachliche Expertise, sondern auch organisatorische Erfahrung in der Koordination internationaler Bildungsprojekte und in der nachhaltigkeitsorientierten Hochschulentwicklung ein.
Vertreter der HSWT, darunter Prof. Dr. Johannes Holzner und Dragan Brković, koordinierten aktiv Workshops, Studienbesuche, Schulungen und Projektplanungsaktivitäten. Ihr Fokus lag auf praxisnahen Lernansätzen und dem direkten Erleben funktionierender grüner Campusmodelle.
Insbesondere der Campus Triesdorf fungierte als „Living Lab“ für Nachhaltigkeitsbildung, indem er integrierte Ansätze demonstrierte, die erneuerbare Energieerzeugung, nachhaltige Landwirtschaft, Biodiversität, Tierhaltung und Umwelttechnik miteinander verbinden.
Zukunftsperspektive
Die Zukunftsperspektive des GROWTH-Projekts ist eng mit der langfristigen Transformation von Hochschulen zu klimabewussten und nachhaltigkeitsorientierten Institutionen verknüpft. Die im Projekt entwickelten Werkzeuge, Schulungsmaterialien und institutionellen Strategien bilden eine Grundlage für die Weiterführung der Maßnahmen über die offizielle Projektlaufzeit hinaus.
Es wird erwartet, dass die HSWT auch künftig ein wichtiger Partner in internationalen Initiativen zu Nachhaltigkeit und grüner Bildung bleibt. Das Projekt hat bereits Diskussionen über neue gemeinsame Erasmus+- und Horizon-Europe-Anträge angestoßen, die sich auf Klimaneutralität, nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energien und grüne Innovation konzentrieren.
Im weiteren Kontext trägt GROWTH dazu bei, Hochschulen im Westbalkan an die Prioritäten des Europäischen Green Deal und die Ziele nachhaltiger Entwicklung anzupassen. Das Projekt zeigt, wie internationale Hochschulkooperationen durch angewandte Lehre, praxisnahe Ausbildung und grenzüberschreitenden Wissenstransfer die ökologische Transformation beschleunigen können.