• Laufzeit: 01.10.2022 – 30.09.2025
  • Schwerpunkt: Nachwachsende Rohstoffe

Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Einsatz torfreduzierter Substrate im Friedhofsgartenbau (TorfFrie)

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben soll belegen, dass auf Friedhöfen ohne ästhetische Einbußen ein weitgehender Verzicht auf Torf bei der Gestaltung von Gräbern und öffentlichen Pflanzflächen möglich ist. Um einen allgemein gültigen Nachweis zu erbringen, werden vier Friedhofsgärtnereien bzw. Friedhofsbetreiber auf Modellflächen, die eine möglichst große Breite der standörtlichen Variabilität Deutschlands abbilden, den Einsatz von Torf schrittweise bis möglichst auf null reduzieren. Die mit der Reduktion des Torfanteils im Substrat verbundenen Veränderungen bezüglich des ästhetischen Eindrucks sowie des Arbeits- und Sachaufwands werden dokumentiert und es erfolgt eine ökonomische Bewertung der Umstellung auf stark torfreduzierte Substrate.

Fertig bepflanzte Modellflächen auf dem Gelände der HSWT in Freising/Oberbayern © HSWT

Zielsetzungen

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben soll belegen, dass auf Friedhöfen ohne ästhetische Einbußen ein weitgehender Verzicht auf Torf bei der Gestaltung von Gräbern und öffentlichen Pflanzflächen möglich ist. Um einen allgemein gültigen Nachweis zu erbringen, werden vier Friedhofsgärtnereien bzw. Friedhofsbetreiber auf Modellflächen, die eine möglichst große Breite der standörtlichen Variabilität Deutschlands abbilden, den Einsatz von Torf schrittweise bis möglichst auf null reduzieren. Die mit der Reduktion des Torfanteils im Substrat verbundenen Veränderungen bezüglich des ästhetischen Eindrucks sowie des Arbeits- und Sachaufwands werden dokumentiert und es erfolgt eine ökonomische Bewertung der Umstellung auf stark torfreduzierte Substrate.

Die Erkenntnisse aus der Umstellung auf stark torfreduzierte bzw. gänzlich torffreie Substrate auf den Modellflächen werden aufbereitet und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Durch die Nutzung sowohl etablierter als auch innovativer Kommunikationswege gelangt das Wissen in weitere Friedhofsgärtnereien, zu den Kommunen und Substratproduzenten. So werden neben klassischen Vortragsveranstaltungen und Veröffentlichungen in der Fachpresse vermehrt digitale Medien, wie Onlineseminare, gartenbauliche Informationsportale und die Internetseiten der am Projekt beteiligten Betriebe, Verbände und Institutionen, für den Wissenstransfer verwendet. Durch diese umfassende und transparente Information aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten (Substratwerke, Friedhofsgärtnereien, Friedhofsbetreiber) wird eine Entscheidungsfindung bezüglich einer stark torfreduzierten Gestaltung erleichtert.

Primär ist das Modell- und Demonstrationsvorhaben als Proof-of-Concept für eine Gestaltung von Grab- und öffentlichen Pflanzflächen im Friedhofsbereich mit torfreduzierten bzw. torffreien Kultursubstraten zu sehen. Damit sollen Vorbehalte von Friedhofsgärtnereien und Friedhofsbetreibern gegenüber solchen Substraten abgebaut werden. Des Weiteren soll aus den Erfahrungen der Betriebe ein Leitfaden für die Auswahl geeigneter Substrate entwickelt werden, der die Stärken und Schwächen der verschiedenen Torfersatzstoffe vor dem Hintergrund der besonderen Anforderungen im Friedhofsbereich beinhaltet. Dieser Leitfaden kann auch von Substratproduzenten für die Konzeption von torffreien bzw. torffreien Substraten herangezogen werden.

Vorgehensweise

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben ist in vier Projektphasen unterteilt. Im Rahmen der ersten Phase, der Initialisierungsphase, erfolgt die Auswahl der Modellbetriebe. In den drei folgenden, der Einführungs-, der Etablierungs- und der Festigungsphase, wird der Torfanteil der auf den Modellflächen verwendeten Substrate sukzessive reduziert und im Gleichschritt stärker torfreduzierte Substrate als Standardsubstrate in den Betrieben etabliert.

Hintergrund und Motivation

Hochmoortorf ist seit den 1960er-Jahren der mit großem Abstand wichtigste Ausgangsstoff für die Herstellung hochwertiger Substrate für den Erwerbs- und Freizeitgartenbau. Die gesamte Produktionsweise basiert derzeit stark auf der Verwendung von torfbasierten Kultursubstraten und Hobbygärtner haben über Jahrzehnte gute Erfahrungen mit Blumenerden mit hohen Torfanteilen gemacht. So sehr Hochmoortorf im Gartenbau benötigt wird, aus Umwelt- und Klimaschutzgründen muss die Verwendung von Torf in Kultursubstraten und Blumenerden mittelfristig auf ein Minimum reduziert werden. Dieses Ziel ist auch im nationalen Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung festgeschrieben. Der Umstieg auf alternative Ausgangsstoffe, wird daher zu einer zentralen Herausforderung für den Gartenbau.

Bereits seit Jahrzehnten werden neben Torf auch andere Ausgangsstoffe für die Produktion von Kultursubstraten und Blumenerden erprobt und genutzt. Dabei sind die Motivationen für den Einsatz durchaus vielschichtig. Dies kann beispielsweise die sinnvolle Integration organischer Reststoffe in den Stoffkreislauf sein. So wurde durch die Entwicklung eines Verfahrens zur Produktion von Rindenhumus aus Nadelholzrinde vor mehr als 30 Jahren deren Deponierung vermieden. Ähnliches gilt für Kompost. Andererseits können durch die Kombination verschiedener Ausgangsstoffe die Substrateigenschaften gezielt für die vorgesehene Verwendung optimiert werden (z. B. die Beimischung von Ton zur Erhöhung des Puffervermögens oder von Kokosfasern zur Verbesserung der Wasserführung). Nicht zuletzt spielen auch ökonomische Gründe bei der Auswahl der Substratkomponenten eine wesentliche Rolle.

Die meisten der heute eingesetzten Substratausgangsstoffe können Torf allerdings nur zu bestimmten Anteilen ersetzen. So limitiert bei Holzfaserstoffen die N-Immobilisierung die Beimischung auf 20 bis 40 Vol.-% (Gruda, 1999), während für Kompost und Rindenhumus die hohen Nährstoffgehalte begrenzend wirken (Neumaier und Meinken, 2012). Lediglich Kokosmark kann in einzelnen Anwendungsgebieten den Torf komplett ersetzen. Dies erfordert allerdings eine spezielle Aufbereitung des Materials oder hat erheblichen Einfluss auf die Kulturführung (De Kreij und Van Leeuwen, 2001; Abad et al., 2005). Neben den mit Abstand wichtigsten organischen Torfersatzstoffen – Holzfaserstoffe, Kokosprodukte, Grüngutkompost und Rindenhumus – wurde eine Vielzahl weiterer Stoffe (z.B. Xylit, Flachsschäben, Hanffasern, Miscanthushäcksel oder Reispelzen) erprobt, die mehr oder weniger bedeutsam sind (Schmilewski, 2017). Auch bei diesen Stoffen gilt das oben gesagte: Ihre chemischen oder physikalischen Eigenschaften begrenzen die möglichen Volumenanteile und bestimmen z.T. die geeigneten Mischungspartner.

Neben den grundsätzlich positiven Eigenschaften ist ein weiterer wesentlicher Vorteil von Torf, dass alle Eigenschaften nur sehr geringe Schwankungen aufweisen. Bei Torfersatzstoffen ist die Variabilität zwischen unterschiedlichen Chargen, auch wenn diese von demselben Produzenten stammen, deutlich höher, was für den Anwender einen erhöhten Kontrollaufwand und ein erhöhtes Risiko bedeutet (Meinken, 2021). Dass dies aber durchaus beherrschbar ist, hat eine Vielzahl von Untersuchungen an Lehr- und Versuchsanstalten sowie Forschungseinrichtungen – unter anderem auch an der HSWT (siehe Veröffentlichungslisten in Kapitel II.2) – gezeigt. Und auch die bisherigen Ergebnisse im Modell- und Demonstrationsvorhaben "TerZ: Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau" sind diesbezüglich überwiegend positiv. Die große Resonanz dieses Pilotprojektes eröffnet die Möglichkeit, den Torfeinsatz im Zierpflanzenbau innerhalb kürzester Zeit deutlich zu reduzieren, da entsprechend dem Schwellenwertmodell von Granovetter (1978) bei entsprechender Kommunikation positive Erfahrungen einer relativ geringen Anzahl von Praxisbetrieben eine Initialzündung für die breitere Akzeptanz torfreduzierter bzw. torffreier Substrate sein können.

Bepflanzung der Modellflächen auf dem Gelände der HSWT in Freising/Oberbayern © HSWT

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