18.09.2017 | Zentrum für Forschung und Weiterbildung

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller spricht sich für eine Umsetzung von Bewässerungs- und Agro-Photovoltaik-Projekten der HSWT in Afrika aus

Gerhard Radlmayr und Franziska Kohlrausch
Mit Handschlag bekräftigt der Minister seine Absicht, die Forschungen zur Bewässerung und Agro-Photovoltaik der HSWT zu fördern. v.l.n.r.: Vizepräsident Forschung Prof. Dr. Markus Reinke, Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, Prof. Dr. Sebastian Peisl, MdB Erich Irlstorfer, Prof. Dr. Bruno Ehrmaier.
Entwicklungsminister Müller spricht sich für das von Prof. Ehrmaier präsentierte Projekt zur Mehrfach-Nutzung-Photovoltaik aus.
Minister Müller zeigt sich begeistert von dem von Dr. Beck und Dr. Petrova-Koch vorgestellten System "Augsburger Tubular Photovoltaik".
Angeregte Diskussion über die Bewässerungsprojekte der HSWT; v.l.n.r.: VP Prof. Dr. Reinke, Prof. Dr. Haboub, Dr. Krappmann (im Hintergrund), Minister Dr. Müller, MdB Irlstorfer, Dr. Petrova-Koch, Prof. Dr. Peisl, Prof. Dr. Ehrmaier
Der Minister zeigte sich sehr interessiert an dem Bewässerungsprojekt "Smart Irrigation with Remote Control" von Projektleiter Prof. Dr. Peisl; v.l.n.r.: Minster Dr. Müller, MdB Irlstorfer, Prof. Dr. Peisl, Dr. Petrova-Koch, VP Dr. Reinke (im Hintergrund).
Der Bundesentwicklungsminister löst die funkgesteuerte Bewässerung mittels eines Tastendrucks am Notebook aus. v.l.n.r.: Georg Baumgartner (LWG), Minster Dr. Gerd Müller, MdB Erich Irlstorfer, Dr. Vesselinka Petrova-Koch
Entwicklungsminister Dr. Müller überzeugt sich vom Konzept und der Einfachheit der "Augsburger Tubular Photovoltaikanlage"
Versuchsanbau mit Salat Lollo Rosso unter der "Augsburger Tubular Photovoltaikanlage" auf dem Gelände der HSWT
Anlage zur Mehrfach-Nutzung-Photovoltaik auf dem Gelände der HSWT
Schematische Darstellung des nachhaltigen Bewässerungssystems "Smart Irrigation with Remote Control"

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller kam mit einem klaren Anliegen an die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT): Wie kann die Forschung der HSWT dazu beitragen, die von seinem Ministerium initiierten ehrgeizigen Entwicklungshilfeprojekte für Afrika konkret in die Tat umzusetzen?

14 Grüne Innovationszentren der Agrar- und Ernährungswirtschaft hat Deutschland unter der Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit 2014 aufgebaut - 13 in Afrika und eines in Indien. Diese sind Teil der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" des BMZ. Entwicklungsminister Müller geht nun mit dem "Marshallplan mit Afrika" noch einen Schritt weiter und sucht gezielt nach einfachen Lösungen gemäß der ersten These in diesem Papier: "Afrika braucht afrikanische Lösungen."

Er war hocherfreut, im Rahmen seines Besuchs in Weihenstephan genau solche passfähigen Lösungen von den Forschenden der HSWT präsentiert zu bekommen. Bei den Projektbesichtigungen auf dem Gelände der HSWT kündigte Prof. Dr. Markus Reinke, Vizepräsident Forschung und Stellvertreter des Präsidenten, dem Minister dann auch zwei der Vorhaben an, die einfache und übertragbare Ansätze für Afrika liefern.

Prof. Dr. Bruno Ehrmaier präsentierte ein seit 2013 laufendes Projekt zur Mehrfachnutzung von Photovoltaikanlagen. Neben der Energiegewinnung ist es möglich, unter den Modulen Landwirtschaft zu betreiben. Gerade in ariden und semiariden Gebieten ermöglicht diese Anlage eine optimierte Pflanzenproduktion unter Schatten sowie einen offenen Stall für Viehhaltung. Als weiterer Effekt lässt sich Wasser mittels flexiblen Dachrinnen in Wassertanks sammeln, damit können z. B. Trockenzeiten überbrückt werden. Der Minister kommentierte das Projekt zustimmend und betonte: "Die Nutzung der Sonne ist ein Schlüssel zur Entwicklung vom schwarzen zum grünen Kontinent."

Eine weitere Agro-Photovoltaik-Anlage mit Mehrfachnutzung ("Augsburger Tubular Photovoltaik") stellte Dr. Michael Beck vor. Dieses System, von dem sich der Minister vor Ort ein Bild machen konnte, bietet Produktionsbedingungen unter niedrig (2 - 2,5 m) aufgeständerten Photovoltaik-Modulen. Diese Anlage ist ideal auf die Verhältnisse in Afrika abgestimmt: Rohrmodule aus gehärtetem Glas werden mit Photovoltaikzellen ausgestattet. Die Lichtminderung von 50 % durch die Röhren ist gegenüber Photovoltaik-Platten deutlich geringer. Das hatte bei Versuchen in unseren Breiten lediglich eine Ertragsreduzierung von 7 - 20 % zur Folge. Im einstrahlungsintensiven Afrika wird dieser Wert voraussichtlich gegen Null gehen. Bei den bisher unter dieser Anlage kultivierten Gemüsearten wirkt sich der Schatten sogar positiv auf die Pflanzenfrischmasse aus. Unter afrikanischen Bedingungen ist dadurch sogar ein eher pflanzenfreundlicheres Klima zu erwarten. Und den Regen lassen die Rohrmodule in vollem Umfang auf den Boden durch. Für die serienmäßige Entwicklung der Photovoltaik-Zellen wird eine Firma gesucht und die Aufständerung kann noch optimiert werden. Ansonsten ist das System einsatzbereit. Dr. Vesselinka Petrova-Koch, die zusammen mit der HSWT an der Entwicklung beteiligt ist, äußerte die Einschätzung, dass dieses Photovoltaiksystem ein Exportschlager für Deutschland werden könnte.

"Licht und Strom haben wir durch Photovoltaik gewonnen, jetzt fehlt noch das Wasser. Die hydraulischen Systeme müssen optimiert werden." Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. Sebastian Peisl zur Bewässerung über. Eine Neuausrichtung in der Bewässerungsforschung sei absolut notwendig. Der effiziente Umgang mit Wasser mittels Defizitbewässerung müsse die Überschussbewässerung ablösen. So ist die Wassereffizienz bei der propagierten Tropfbewässerung mit dem Faktor 0,9 deutlich höher als bei den bisher überwiegend eingesetzten Systemen Flutbewässerung (0,2-0,4) und Überkopfberegnung (0,6-0,7). Das dem Minister vorgestellte System "Smart Irrigation with Remote Control" lässt sich ideal auf aride Gebiete übertragen. Prof. Dr. Nasser Haboub, syrischer Gastwissenschaftler an der HSWT, arbeitet bereits intensiv an einer Umsetzung in seinem Heimatland. Die Pflanzenentwicklung wird beobachtet, das System unterstützt die Funktions- und Kulturtechnik und lässt sich mit Photovoltaikanlagen kombinieren. Letztere liefern den Strom für die Funksteuerung. Ein Support über Internet z. B. in Form von Online-Updates der Steuer- und Regelalgorithmen ist problemlos über weite Entfernungen, also auch nach Afrika möglich. Minister Müller durfte anschließend praktisch tätig werden und die zur Demonstration aufgebaute funkgesteuerte Bewässerung auslösen.

Der Minister betonte, wie wichtig es ihm sei, für die Menschen in Afrika Projekte mit dem Charakter "Hilfe zur Selbsthilfe" zu entwickeln. Und dass es dafür modernste und gleichzeitig nutzerfreundliche Technik brauche. Für die ihm an der HSWT vorgestellten Projekte hätte er auf alle Fälle viele Einsatzmöglichkeiten in den vom BMZ geschaffenen grünen Innovationszentren Afrikas: "Dort haben wir Fläche, Partner und der Bedarf ist da, man muss es nur noch installieren", so Minister Müller wörtlich. Die ideale Vorgehensweise sei, mit Leuchtturmprojekten den Stand der Technik in den entsprechenden Ländern zu zeigen und diese dann weiter zu verbreiten. Damit erreiche man einen Quantensprung in der Produktion. Die grünen Innovationszentren seien die Basis für einen Ökologiesprung. Zum Einsatz der Photovoltaik äußerte er sich sehr pragmatisch: "Angepasste Lösung, in der Breite von unten umsetzbar, finanzierbar und in der Anwendung beherrschbar."

Per Handschlag mit Prof. Dr. Sebastian Peisl bekräftigte der Minister seine Absicht, diese Forschungen zu fördern. Er habe ein starkes Interesse an einer schnellen Umsetzung der demonstrierten Technologien. Und dass dies nicht die letzte Begegnung zwischen dem Minister und den Forschungsverantwortlichen der HSWT bleiben soll, bekräftigte der Minister mit seinem Abschiedsstatement: "Nächster Treffpunkt Afrika!"

Eine Delegation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kommt im Auftrag des Ministers im Oktober an die HSWT, um die fachlichen Details zur Realisierung der entsprechenden Technologien und Projekte zu besprechen.

 

 

 

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