28.02.2018 | Institut für Gartenbau | Wissenstransfer

Branchentreff der Innenraumbegrüner beim Weihenstephaner Hydrokulturseminar

Franziska Kohlrausch | Gerhard Radlmayr
Eine Gruppe der Teilnehmenden bei einer praktischen Unterweisung durch Dr. Dieter Lohr

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) bietet mit diesem dreitägigen Seminar seit Anfang der 1980er Jahre eine fachlich-wissenschaftliche Plattform für Unternehmen und Experten im Bereich Innenraumbegrünung. Diese Veranstaltung war u. a. Ausgangspunkt für eine bundesweite Vernetzungsinitiative im Bereich Objektbegrünung mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebots und gegenseitiger Kooperation.

Wachstumsbedingungen am Standort von Pflanzen sind entscheidend für die Langlebigkeit und Qualität einer Begrünung. Mit Hilfe von Messungen und Kontrollmöglichkeiten vor Ort können diese optimiert werden. Das entsprechende Messsystem ist jedoch nur ein Teil der Analyse, so Harald Braungardt von der Firma StepSystems. Die korrekte Verwendung der Geräte, die Probenvorbereitung und vor allem die Interpretation der Ergebnisse seien mindestens genauso wichtig.

Das landläufige Vorurteil, dass gutes Trinkwasser immer auch für Pflanzen gut sei, widerlegte Dr. Dieter Lohr von der HSWT. Fluor-Werte unterhalb der zulässigen Grenzwerte sind zum Beispiel für den Menschen unbedenklich, verursachen bei Pflanzen jedoch schon in geringeren Konzentrationen Schäden. Auch Enthärtungsanlagen in Bürogebäuden, die mit Natrium arbeiten, sind problematisch. Das auf diese Weise aufbereitete Wasser ist für den Menschen als Brauch- und Trinkwasser unkritisch einzustufen, für gartenbauliche Zwecke jedoch gänzlich ungeeignet. Die Teilnehmenden wurden praktisch angeleitet, wie sie selbst Wasseranalysen mit Schnelltestmethoden durchführen konnten.

Stefan Hecktor von der Firma Blumen-Hecktor gab praktische Tipps zur Pflege von Innenraumbegrünungen, speziell zum täglichen Handwerkszeug und zu praktikablen Vorgehensweisen. Die Innenraumbegrüner sollten dabei die benötigte Zeit immer im Auge haben, damit der Aufwand sich rechne.

Frank Teuber vom Blumenbüro Holland beeindruckte mit einem fundierten Blick auf die Markt- und Trendforschung. Die Digitalisierung werde weiter fortschreiten. Zielgruppen für ein Produkt wollen Themen und Botschaften. Pflanzen brauchen Inszenierung, sollen eine Geschichte erzählen, Atmosphäre schaffen und erlebbar sein, so einige Statements von Teuber. Gutes Aussehen sei wichtig, egal wie dies erreicht wird. Dazu passte die sinngemäße Aussage einer Teilnehmerin: "Gewöhnen Sie Ihren Mitarbeitern das Gärtnern ab. Wie Sie die Pflanzen retten, ist mir egal, tauschen Sie sie gegebenenfalls aus."

Auch das an der HSWT entwickelte Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem für Gartencenter (PsIGa) wurde den Teilnehmenden vorgestellt. Thomas Lohrer vom Institut für Gartenbau erläuterte das Online-Datenbanksystem mit einem ausführlichen Diagnose-Teil, Merkblättern zu den Schaderregern sowie Tipps zur Vorbeugung und Bekämpfung.

Bei der Suche nach "Neuen Zierpflanzen" half Heiner Grüneberg, Humboldt Universität Berlin, der sich schon lange mit diesem Gebiet beschäftigt. Gerade bei blühenden Pflanzen gibt es viele interessante Raritäten. Allerdings sind Blüten in der Innenraumbegrünung oft nicht erwünscht, da ein erhöhter Putzaufwand damit einhergeht. In einer von ihm betreuten studentischen Arbeit wurden Pflanzen als Bioindikatoren eingesetzt. Damit soll es in Zukunft möglich werden, einen Standort schnell und preiswert durch Aussaat von Kresse- oder Senfsämlingen mit anschließender Beurteilung überprüfen zu können.

Schwierige Kunden konnte sich jeder der Teilnehmenden sofort vergegenwärtigen. José Flume, Spezialistin für Beziehungsentwicklung, gelang der Denkanstoß, sich diese Menschen als Trainer zu vergegenwärtigen. Damit würde man sich nicht so leicht persönlich durch deren Verhaltensweisen angegriffen fühlen.

Auch dieses Mal hat sich beim Weihenstephaner Hydrokulturseminar eine gesunde Mischung aus Vorträgen von externen und internen Referierenden, lebhaften Diskussionen und regem Austausch, gepaart mit einer guten Dosis an praktischen Übungen, bewährt.

Kontakt

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